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| 17:57 Uhr

Klimawandel
Viel Stress für den Wald

Die sonnig herbstliche Stimmung trübt, wie hier auf dem Weg zwischen Waidmannsruh und Schlieben. Die Wälder im Landkreis Elbe-Elster sind durch viele Einflüsse geschädigt.
Die sonnig herbstliche Stimmung trübt, wie hier auf dem Weg zwischen Waidmannsruh und Schlieben. Die Wälder im Landkreis Elbe-Elster sind durch viele Einflüsse geschädigt. FOTO: Dieter Müller
Elbe-Elster. Extreme Trockenheit, Schadinsekten und Stürme setzen ihm zu. Die Auswirkungen werden bis ins kommende Jahr zu spüren sein. Von Birgit Rudow

Seit 1979 arbeitet Uwe Lewandowski in der Forst. Doch das, was sich derzeit in den Wäldern in Elbe-Elster abspielt, hat der Leiter der Oberförsterei Hohenleipisch des Landesbetriebes Forst noch nicht erlebt. „Unsere Wälder sind extrem gestresst und zum Teil stark geschädigt“, sagt er. Dafür gibt es drei maßgebliche Gründe: die Stürme, der Schädlingsbefall und die extreme Trockenheit. Hinzu kommen noch außergewöhnlich viele Waldbrände.

Nach dem massiven Fraß der Kiefernbuschhornblattwespe 2016 in Elbe-Elster schien sich die Lage wieder zu stabilisieren. „Das feuchte Frühjahr 2017 hatte dazu geführt, dass die Kiefern gut regenerieren konnten“, sagt Uwe Lewandowski. Allerdings hat sich dann 2017 im Norden des Kreises der Blaue Kiefernprachtkäfer ausgebreitet, was vor allem in vorgeschädigten Blattwespenbeständen im Bereich Oelsig/Schlieben zu Kahlschlägen führte, erläutert der Förster. „Der Blaue Kiefernprachtkäfer ist ein gefährlicher Sekundärschädling, weil er unter der Rinde frisst und Bestände angreift, die bis zu 60 Prozent benadelt sind“, so Lewandowski.

Der Befall hat sich in diesem Jahr noch potenziert. Zudem ist die Buschhornblattwespe im Raum Finsterwalde wieder aufgetreten. Im Frühjahr hatten sich Förster und Waldbesitzer auch auf die Bekämpfung der Forleule eingestellt. „Das war dann aber nicht nötig“, sagt der Förster. Allerdings beobachten die Fachleute seit einigen Wochen die Ausbreitung des Buchdruckers, ein Borkenkäfer, der Fichtenbestände befällt. Er bohrt sich in die Stämme und tötet die Fichten ab. Betroffen sind vor allem große Flächen im Schraden, bei Babben und Schadewitz, so Uwe Lewandowski. Zwangsschlagmaßnahmen sind die Folge. Die toten Bäume einschließlich der Rinde müssen schnell weg, weil die Käfer dort sonst teilweise auch im kommenden Jahr noch schlüpfen könnten.

Schadinsekten gebe es im Wald immer, sagt der Leiter der Oberförsterei. Aber in diesem Ausmaß sei ihr Auftreten sehr besorgniserregend. Die anhaltende Trockenheit und das viele Holz, das von den Stürmen noch in den Wäldern liegt, würden ihnen beste Bedingungen liefern. Die Wälder im Landkreis sind staubtrocken. „Wir sind vom April direkt in den Sommer gegangen. Aber gerade die Frühjahrsniederschläge sind für den Wald extrem wichtig. Regnet es nicht, fahren die Bäume auf Sparflamme und werden immer anfälliger für Käfer und anderen Insekten“, sagt Uwe Lewandowski.

Die extreme Trockenheit hält bis heute an. Sie hat auch dazu geführt, dass Neuanpflanzungen der letzten Jahre komplett abgestorben sind. Die Förster gehen davon aus, dass neu angepflanzte Kiefernbestände fünf Jahre und neue Laubholzbestände sechs bis sieben Jahre brauchen, bis sie es „geschafft haben“. Dann könnten ihnen Reh- und Rotwild oder der Rüsselkäfer nicht mehr viel anhaben. Die Trockenheit hat in diesem Jahr aber selbst solche Bestände in großem Maße dahingerafft. Für die Waldbesitzer bedeutet dies, wieder neu in die Waldverjüngung zu investieren. Denn die ist wichtig, vor allem, um den Gegenspielern der Schadinsekten gute Bedingungen zu bieten. „In Mischbeständen ist der Schadverlauf bei weitem nicht so groß“, sagt Uwe Lewandowski.

Die Waldbesitzer haben aber noch genug mit den Sturmschäden vom Winter und Frühjahr zu tun. Allein das Sturmtief „Friederike“ im Januar hat im Landeswald in Elbe-Elster 20 000 bis 25 000 und im Wald privater Besitzer 75 0000 Festmeter Holz geworfen. „Trotz der Unterstützung durch die Förster ist es für Waldbesitzer mit kleinen Flächen schwierig, das Schad- und Sturmholz aus den Wäldern zu bekommen. Auch die Firmen sind aufgrund der großen Mengen an ihre Grenzen gestoßen“, so Uwe Lewandowski. Die Oberförsterei habe in zwei Revieren in Gorden und Elsterwerda intensiv ihre Dienstleistungen angeboten, um größere Flächen zu beräumen. Es sei aber bei allen Besitzarten noch viel Holz in den Wäldern drin, sagt er.

Zu den schwierigen Bedingungen sind in diesem Sommer auch noch Waldbrände gekommen. Dabei sind sie in Elbe-Elster noch glimpflich ausgegangen, so der Förster. 41 Mal hat es gebrannt, durchschnittlich auf einem halben Hektar. Zwei größere Brände auf etwa vier Hektar gab es bei Saxdorf und bei Hohenleipisch. Eigentlich beendet die Waldbrandzentrale in Doberlug-Kirchhain am 30. September ihren Beobachtungsdienst. Aufgrund der weiterhin trockenen Witterung hat sie ihn letzte Woche aber wieder aufgenommen, so Uwe Lewandowski.

Mit großer Sorge betrachten er und seine Kollegen die weiterhin viel zu warme und trockene Witterungslage. Uwe Lewandowski sieht die Knospenanlage der Bäume für das kommende Jahr schon vorgeschädigt. Und noch immer sind weit und breit keine intensiven Niederschläge in Sicht. Die Auswirkungen des Wetters sind erheblich. Der Förster befürchtet, dass die Nonne sich wieder ausbreitet. 2012, 2013 und 2014 hat sie massiv in den Kiefernwäldern gefressen. Seitdem ist Ruhe. „Erfahrungen besagen, dass die Nonne alle zehn Jahre auftritt. Aber es deutet vieles darauf hin, dass sie sich diesmal nicht daran hält“, sagt er. Mitte Oktober gehen die Förster wieder auf Eier-Suche. Dann werden sie mehr wissen. Auch vor kräftigen Herbst- und Winterstürmen warnen die Fachleute. Viele Baumbestände sind extrem ausgelichtet. „Da geht der Wind umgehend rein. Das ist eine große Gefahr“, sagt Lewandowski. Die Hoffnung auf reichliche Herbst- und Winterniederschläge geben die Förster hingegen nicht auf. Denn nur dann würde an vielen Standorten im Frühjahr eine Waldverjüngung Sinn machen.

Für die Mitarbeiter der Forst ist 2018 ein außergewöhnliches Jahr. „Die Förster arbeiten auf Anschlag“, sagt Uwe Lewandowski. Während im Bereich Herzberg die personelle Situation in der Oberförsterei noch intakt ist, sind im Bereich Hohenleipisch vier von acht Revieren nicht besetzt. Dennoch bittet er die Waldbesitzer, sich bei Fragen oder Problemen direkt an die Förster oder an die Oberförstereien zu wenden. „Rat und Anleitungen sind kostenfrei“, sagt er.