Wer ist der Dunker'sche Muskelegel?
A. Kröber: Der Dunker'sche Muskelegel (DME) ist eine Vorstufe des Saugwurms Alaria alata, der in ganz Europa in gewässernahen Bereichen und Feuchtgebieten vorkommt und seit einigen Jahren auch in Brandenburg vereinzelt nachgewiesen wurde. Der ausgewachsene Saugwurm lebt zum Beispiel im Darm von Füchsen oder Mardern, den Endwirten. Von diesen Endwirten mit dem Kot ausgeschiedene Eier des Saugwurms werden von Schnecken und Amphibien, die als Zwischenwirte fungieren, aufgenommen. Die mit der Nahrung aufgenommen Zwischenwirte entwickeln sich im Wildschwein zum Dunker'schen Muskelegel.

Wie gefährlich ist der Egel?
A. Kröber: Der Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Wildschweinfleisch, das mit Dunker'schem Muskelegel infiziert ist, kann beim Menschen zu einer Erkrankung führen - die larvale Alariose. Die Symptome reichen von milden Haut- und Atemwegserkrankungen bis hin zu schweren Krankheitsverläufen. Das ist in Europa noch nicht vorgekommen. Festgestellt wurde die Krankheit bisher überwiegend in Amerika. Die Bevölkerung könne bedenkenlos Wildschweinfleisch verzehren, da der Landkreis über das technische Know-how verfügt.. In Verdachtsfällen werde sofort untersucht.

Wie wird der Dunker'sche Mus- kelegel nachgewiesen?
A. Kröber: Bei der derzeit gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchung auf Trichinellen wird das sogenannte Digestionsverfahren angewendet, bei dem bis zu 20 Wildschweinproben in einem Sammelansatz untersucht werden. Bei einem positiven Befund müssten alle in der Sammelprobe enthaltenen Wildschweine als genussuntauglich beurteilt werden, da das Digestionsverfahren nicht dazu geeignet ist, einzelne Proben nachzuuntersuchen. Aus diesem Grund hat das Veterinäramt im Trichinenuntersuchungslabor mehrere Gerätschaften und Apparaturen für das an der Universität Leipzig entwickelte Larvenauswanderungsverfahren angeschafft. Mit diesem Equipment können infizierte Einzeltiere erkannt werden.

I. Schrumpf: Dunkersche Muskelegel finden wir als Zufallsbefund bei der Untersuchung auf Trichinen. Erst nach diesem Verdachtsmoment wird gezielt mit der für DME geeigneten Methode und Material danach gesucht. Diese Methode, das sogenannte Auswanderverfahren, ist nicht sehr material-, aber als Einzelmethode sehr zeitaufwendig. Da die Trichinenuntersuchung als Sammelprobe durchgeführt wird, ist es notwendig, in Einzeluntersuchungen mit dem Auswanderverfahren zu ermitteln, welches Wildschwein betroffen ist.

Wie oft ist der Egel nachgewiesen worden?
A. Kröber: Erstmals im Oberspreewald-Lausitz-Kreis wurde der Dunker'sche Muskelegel im September vergangenen Jahres nachgewiesen. Seitdem wurde er in 16 Tierproben gefunden.

I. Schrumpf: Der erste Fund stammt aus dem September 2012. Seitdem gab es zwei Funde im Jahr 2013, jedoch vermehrt Funde 2014, vor allem in den Herbst- und Wintermonaten. Das feuchte Wetter könnte die Ursache gewesen sein für das gehäufte Auftreten. In diesem Zeitraum gab es auch gehäufte Funde im sächsischen Nachbarkreis. Im Jahr 2015 hatten wir keinen Fund, 2016 bisher einen im Januar.

A. Kröber: In Brandenburg wurden laut Bundesinstitut für Risikobewertung die ersten Funde im Jahr 2003 gemacht. Warum der Dunker'sche Muskelegel überhaupt hier vorkommt und nachgewiesen wird, lässt sich schwer beantworten. So gibt es mittlerweile neue Nachweismethoden, die die Vorstufe des 0,1 Millimeter großen Egels erkennen. Möglich ist auch, dass sich der gefährliche Parasit über illegal eingeführte Tiere verbreitet haben könnte. Hinzu kommt, dass das Wildschwein ein Wandertier ist und der Parasit so in die Region getragen worden sein kann.

Was passiert mit infizierten Tieren?
I. Schrumpf: Da es sich hier um einen Befall mit Parasiten handelt, wird das mit Dunker'schem Muskelegel befallene Wildschwein als untauglich befundet und über die Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt.

Zum Thema:
Das OSL-Veterinäramt hat den Dunker'schen Muskelegel in Wildschweinfleisch gefilmt. Im Internet: www.lr-online.de Was ein QR-Code ist und wie er funktioniert, erfahren Sie unter www.lr-online.de/qrcode