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Verliebt in ein Denkmal

In Herzberg wurde mit dem Fachwerkhaus in der Ludwig-Jahn-Straße 11 eines der schönsten Gebäude der Stadt geehrt. 2018 wird es ein Element des Kalenders der AG "Historische Stadtkerne" sein.
In Herzberg wurde mit dem Fachwerkhaus in der Ludwig-Jahn-Straße 11 eines der schönsten Gebäude der Stadt geehrt. 2018 wird es ein Element des Kalenders der AG "Historische Stadtkerne" sein. FOTO: Rudow
Herzberg. Es ist vermutlich im 17. Jahrhundert gebaut worden und gehört zu den Schmuckstücken in der Herzberger Innenstadt — das Fachwerkhaus in der Ludwig-Jahn-Straße 11. Birgit Rudow

Am gestrigen Dienstag wurde es als "Denkmal des Monats" der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen in Brandenburg" ausgezeichnet. Das Motto in diesem Jahr: "Reformieren - Eine Bewegung findet Stadt". Dazu kann das Haus einiges erzählen.

Sein vorspringendes Obergeschoss und das steile Dach mit dem einfachen Dachstuhl sind einmalig in der Stadt. Das original erhaltene Gebäude stand aber lange leer und war in einem sehr schlechten Zustand. Die Fachwerk- und die anderen Holzbauteile waren teilweise verrottet und von echtem Hausschwamm befallen. Sämtliche Installationen waren unbrauchbar, heißt es in der Projektbeschreibung. 1997 hat sich das Ehepaar Eggenstein aus Drensteinfurt in Nordrhein-Westfalen des leer stehenden Gebäudes angenommen, es gekauft und in den Jahren 1999 und 2000 saniert. Dabei wurde die Originalfachwerksubstanz beim Ausbau der geschädigten Bereiche wiederverwendet.

Seit 2015 gehört das Fachwerkhaus Steffen und Katrin Lehmann aus Jeßnigk. Katrin Lehmann betreibt im Erdgeschoss ein Kosmetikstudio. "Wir haben das Haus 2015 im Internet entdeckt und uns spontan darin verliebt. Ich habe neue kleine Räumlichkeiten für mein Kosmetikgeschäft gesucht. Das hat gut gepasst", erzählt Katrin Lehmann. Auch die jungen Leute, die die Wohnung oben nutzen, fühlten sich pudelwohl, sagt sie. Für das Kosmetikstudio wurden in den großen Raum im Erdgeschoss Wände aus Lehmputz eingezogen und die vorhandenen Balken mit eingearbeitet. In mühevoller Kleinarbeit haben Steffen Lehmann und einige Freunde in diesem Jahr die Fassade erneuert. Erst in der vergangenen Woche sind sie fertig geworden. Der Lehmputz war an einigen Stellen herausgefallen und musste erneuert werden. Außerdem erhielt die Fassade einen den Denkmalschutzrichtlinien entsprechenden Farbanstrich. Für Familie Lehmann war das selbstverständlich und auch unumgänglich. "Wir kaufen uns doch nicht ein Haus, das ein Denkmal ist, und wollen dann alles anders machen", sagt Katrin Lehmann. Sie und ihr Mann freuen sich sehr über die Auszeichnung als Denkmal des Monats für ihr Fachwerkhaus.

Diese Aktion der AG "Städte mit historischen Stadtkernen", die dem Erhalt von Denkmälern dient, sei besonders wertvoll für nachfolgende Generationen, meinte Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU). Dazu passte das Spiel der Kinder der 5. und 6. Klasse der Clajus-Schule, die sich in Herzberg auf die Suche nach einem Denkmal machten, und mehr fanden, als sie eigentlich vermutet hatten.

Zur Auszeichnung waren auch der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft und Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen Michael Knape und der Regionalvorsitzende der AG, Doberlug-Kirchhains Bürgermeister Bodo Broszinski, nach Herzberg gekommen. Die AG habe den Städten ihr Gesicht zurückgegeben, meinte Michael Knape. Er würdigte ebenso wie Bodo Broszinski die Verdienste, die Herzbergs scheidender Bürgermeister Michael Oecknigk sich um die Arbeitsgemeinschaft und deren Ziele erworben hat. "Er war ein Vorreiter", so AG-Chef Knape.