| 02:37 Uhr

Verkehrskonzeption überdenken

Herzberg. Fachleute und Bürger diskutierten gemeinsam die Lärmaktionsplanung für die Stadt Herzberg. Viele interessante Anregungen kamen aus der Bürgerschaft. Birgit Rudow /

Auf Einladung der Herzberger Bauverwaltung haben in dieser Woche Lisa Trosser und Christian Hecht von der Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter in Leipzig die von ihnen erstellte Lärmaktionsplanung für die Stadt Herzberg der Öffentlichkeit erläutert. Diese Planung wird von der Europäischen Kommission gefordert (die RUNDSCHAU berichtete). Etwa 50 interessierte Herzberger Bürger, darunter auch einige Stadtverordnete, hatten sich zu der Veranstaltung im Bürgerzentrum eingefunden.

Die Runde konnte nicht alle Erwartungen der Bürger erfüllen, weil diese nicht im Rahmen und Aufgabenfeld des Aktionsplanes lagen. Besonders interessant aber waren die Fragen, die aus der Bürgerschaft kamen und einige wichtige Hinweise.

Sie betrafen zum Beispiel Ausschilderungen. So wurde bemängelt, dass viele Lkw-Fahrer, die in Richtung Falkenberg wollen, die "Abkürzung" durch die Torgauer Straße, also durch die Innenstadt nehmen. Sie würden daran beim Abbiegen von der Leipziger Straße auch nicht durch ein Schild zur Tonnage-Beschränkung daran gehindert. Das will sich die Stadt noch einmal genauer ansehen, so der Bauamtsmitarbeiter Reinhard Neupert.

Die Bürger forderten mehr Geschwindigkeitskontrollen vor allem nachts. Wenn die Ampeln aus seien, werde durch die Stadt gerast, was viel Lärm verursache, sagten sie. Gefragt wurde auch, ob ein Lkw-Fahrverbot ab einer bestimmten Tonnage, wie kürzlich gerichtlich für eine Umleitungsstrecke für die B 169 angeordnet, auch für Herzberg möglich sei. Diese Frage konnte in der Runde allerdings niemand beantworten. Einig waren sich viele Anwesende, dass für Herzberg unbedingt eine Ortsumfahrung gebaut werden müsse. Sie erhielten den Hinweis, dass die Stadt dafür nicht zuständig ist. Entscheidend sei der Bundesverkehrswegeplan.

Die Bürger bemängelten an vielen Stellen die schlechten und unebenen Straßenoberflächen, auf denen vor allem leer fahrende Laster höllischen Krach verursachten. Gefordert wurde auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Lkw von 30 km/h im Stadtgebiet. Das wiederum sah der Vertreter der Verkehrswacht kritisch. Langsam fahrende Lkw würden Pkw-Fahrer nerven und sie zu gefährlichen Überholmanövern animieren, meinte er. Ein Bürger hat technische Geschwindigkeitsregelungen für Fahrzeuge an Ortseingängen vorgeschlagen, ähnlich wie bei Auffahrassistenten. Einige Anwesende fanden, dass das ein interessanter Ansatz sei.

Insgesamt kamen aus den Reihen der Herzberger Bürger viele Probleme zur Sprache, die für reichlich Verkehrslärm in der Stadt sorgen. "Das Ergebnis der Diskussion ist eigentlich, dass die Verkehrskonzeption für Herzberg grundsätzlich auf den Prüfstand muss, um Verkehrsströme neu zu lenken", sagt Reinhard Neupert.