Zu Recht. Wegen einer Ordnungswidrigkeit ist ihr Ende vergangener Woche ein Bußgeld angedroht worden. Und das stellt sich für Cornelia Böck so dar:

Zu schnell ist sie nicht gefahren. Sie hat auch nicht falsch geparkt. Viel schlimmer. Sie hat vergessen, in Fermerswalde ein Wahlplakat zur Bürgermeisterwahl mit ihrem Konterfei abzunehmen. Erst konnte sie es nicht glauben. Sie hatte doch nach Hinweisen aus dem Ordnungsamt alle Plakate abgenommen. Sollte ihr das eine in Fermerswalde wirklich durch die Lappen gegangen sein? Doch es stimmte. Höchst korrekt, wie es sich für eine Stadtverwaltung gehört, hat das Herzberger Ordnungsamt diesen Faux Pax fotografisch dokumentiert. Und zwar genau am 14. Dezember um 12:05,51 Uhr. (Hat da etwa jemand seine Mittagspause opfern müssen?) Anscheinend war man im Herzberger Rathaus der Meinung, der Sünderin unwissentlich noch eine Schonfrist einzuräumen. Doch nun war Schluss mit lustig. Am 15. Januar schickte ihr das Herzberger Ordnungsamt ein Schreiben zur „Anhörung als Betroffener wegen einer Ordnungswidrigkeit“. Sie habe bis zum 14. Dezember im Ortsteil Fermerswalde vorsätzlich in Ausübung ihres Sondernutzungsrechtes gegen die Bedingungen verstoßen, indem sie die Wahlplakate nicht unverzüglich nach dem Wahltag und nicht vollständig entfernt habe. Wegen dieser Zuwiderhandlung werde ein Bußgeldverfahren nach dem Gesetz über Ordnungswidrigkeiten eingeleitet.

Das Schreiben ging Cornelia Böck durch Mark und Knochen. Gleich machte sie sich auf den Weg nach Fermerswalde, um die Ungeheuerlichkeit zu beseitigen. Von ihr war auf der Pappe dank des Schnees zwar nichts mehr zu sehen, aber das spielt ja keine Rolle. Schnell den Draht abgeknipst, Plakat im Auto verstaut und fertig. Das Korpus Delikti war beseitigt und die Ex-Kandidatin beeilte sich, auf dem vom Ordnungsamt mitgesandten Anhörungsbogen die Zuwiderhandlung zuzugeben. Nun wartet sie auf die gerechte Strafe. Was sein muss, muss sein. Auch wenn vielleicht ein kurzer Anruf aus dem Rathaus im Dezember den ganzen Zinnober hätte verhindern können. Aber wenigstens, so denkt die Lokalpolitikerin Cornelia Böck, ist Iris Schülzke nach den Landratswahlen am Sonntag vor solchen Briefen aus dem Herzberger Ordnungsamt gefeit. Erstens hat sie auf Plakate mit ihrem Konterfei an Straßenlaternen von vornherein verzichtet, und zweitens ist sie parteilos. Das ist zwar keine Garantie gewählt zu werden, schützt aber vor Post aus dem Herzberger Ordnungsamt, ist Cornelia Böck überzeugt.

(Aufgeschrieben von Birgit Rudow)