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| 02:45 Uhr

Vandalen wüten in Herzberger Trauerhallen

Nachdem die Polizei die Spuren gesichert hatte, begannen Birgit Jehnichen (l.) und Barbara Wegner mit dem Aufräumen und der Begutachtung des Schadens. An der Stelle, wo die Bibel brannte, ist auch die Totenbahre durchgebrannt.
Nachdem die Polizei die Spuren gesichert hatte, begannen Birgit Jehnichen (l.) und Barbara Wegner mit dem Aufräumen und der Begutachtung des Schadens. An der Stelle, wo die Bibel brannte, ist auch die Totenbahre durchgebrannt. FOTO: Rudow
Herzberg. Unbekannte sind in die beiden Trauerhallen auf dem Friedhof der evangelischen Kirche in Herzberg eingedrungen und haben dort randaliert, Fenster und Türen eingeschlagen, ein Kreuz zerstört, eine alte Bibel verbrannt und mit Kerzen um sich geworfen. Friedhofsmitarbeiter vermuten, dass der Einbruch in der Nacht zu Donnerstag geschah. Birgit Rudow

Wenn das Thermometer am Tage auf mehr als 30 Grad steigt, dann nutzen vor allem ältere Menschen die frühen Morgenstunden, sich um die Gräber von Angehörigen zu kümmern. So auch eine ältere Dame, die Donnerstagfrüh gegen 7.30 Uhr an der Katharinenkirche vorbei ging, die auf dem Herzberger Friedhof als Friedhofskapelle für kirchliche Beerdigungen dient. Der Frau fiel auf, dass ein kleines Fenster eingeschlagen war. Sie informierte Friedhofsgärtnerin Barbara Wegner, die ihren Dienst bereits begonnen hatte.

Christliche Symbole zerstört

"Nach einem Blick durch das Fenster war mir gleich klar, dass jemand in unserer Trauerhalle mächtig randaliert haben muss", sagt Barbara Wegner. Wenig später kam auch ihre Kollegin Birgit Jehnichen. Sie vertritt derzeit Friedhofsverwalter Gunter Reimschüssel, der sich im Urlaub befindet. "Die Vandalen haben die Altarbibel angezündet und auf der Bahre verbrannt. Das Kreuz ist auseinandergebrochen. Die Kerzen von den Leuchtern und einige Gesangsbücher lagen in der Kapelle verstreut", sagt sie. Auch an der Orgel haben die Eindringlinge rumgespielt.

Die Katharinenkirche auf dem Friedhofsgelände ist verschlossen, wenn sie nicht genutzt wird. Wie die beiden Frauen berichten, sind die Täter über ein Fenster am Giebel, unter dem eine Bank steht, in die Kapelle eingedrungen. Den genauen Zeitpunkt des Einbruchs können Birgit Jehnichen und Barbara Wegner nicht festlegen. "Wir waren einige Tage nicht in der Kapelle. Aber wir denken, dass es in der Nacht zu Donnerstag passiert sein muss. Sonst wäre uns am Mittwoch sicher schon etwas aufgefallen", so die Friedhofsverwalterin. Die beiden Frauen schmerzt besonders, dass sich die Angriffe der Vandalen fast ausschließlich gegen die christlichen Symbole gerichtet haben. Auch Pfarrerin Jutta Noetzel ist erschüttert. "Hier ist kein großer materieller Schaden entstanden. Die Täter haben sich aber an allem zu schaffen gemacht, was uns Christen heilig und wichtig ist", sagt die Pfarrerin..

Im Rednerzimmer gewütet

Den Trubel an der Katharinenkapelle ist am Donnerstagmorgen auch Bestatter Hans-Jürgen Barz nicht verborgen geblieben. Sein Büro befindet sich direkt gegenüber vom Friedhof. Seit 20 Jahren hat er die Trauerhalle für weltliche Beerdigungen am anderen Ende des Friedhofes gemietet. Er machte sich sofort auf den Weg dorthin und musste feststellen, dass auch diese Halle nicht verschont geblieben ist. "Ein Fenster war eingeschlagen. Da sind der oder die Täter durch. Es muss eine zierliche Person gewesen sein, denn das Fenster ist nur 30 mal 30 Zentimeter groß", so der Bestatter. Von dort aus haben sich der oder die Täter den Weg zum Rednerzimmer gebahnt und dort gewütet. "Die Gardinen waren abgerissen und alle Schalter der elektrischen Anlage sind zerstört. Zum Glück ist die Elektrik der Kühlzelle, sie war leer, ganz geblieben. Auch dort haben sich die Täter an den Schaltern zuschaffen gemacht", so Hans-Jürgen Barz. Die Feierhalle samt Dekoration ließen die Eindringlinge unberührt. Auch die Musikanlage blieb stehen. "Das wundert mich", sagt er aus der Erfahrung zurückliegender Einbrüche. Zur genauen Tatzeit konnte auch der Bestatter sich nicht äußern. "Ich war Dienstagabend noch mal in der Halle", sagt er.

Hans-Jürgen Barz hat Anzeige gegen unbekannt erstattet. Wie Birgit Jehnichen und Barbara Wegner hofft er, dass die Polizei diejenigen erwischt, die derart in den Stätten der Totenruhe gewütet haben.