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Uwe Dannhauer ist der "Ehrenamtler des Monats"

Uwe Dannhauer (r.) ist "Ehrenamtler des Monats" September. Staatssekretär Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei, überbrachte die Ehrung.
Uwe Dannhauer (r.) ist "Ehrenamtler des Monats" September. Staatssekretär Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei, überbrachte die Ehrung. FOTO: sk
Schlieben. Staatssekretär Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei, dürfte keine Zweifel mehr haben, ob die Auszeichnung den Richtigen trifft. Kaum hat der Gast aus der Landeshauptstadt die KZ-Gedenkstätte in Schlieben-Berga betreten, ist er mittendrin in der Aufarbeitung dieses unrühmlichen Teils der deutschen Geschichte. Sylvia Kunze

Dafür sorgt Uwe Dannhauer, der Vorsitzende des Vereins Gedenkstätte KZ-Außenlager Schlieben-Berga. Die Begrüßungsworte sind gewechselt, da beginnt er auch schon mit seinen Erklärungen zum einstigen KZ-Außenlager und zur heutigen Gedenkstätte.

"Ich bin eher zufällig auf dieses Kapitel von Schlieben gestoßen, bei meiner Jugendweihefahrt. Da las ich im KZ Buchenwald von einem Außenlager in Schlieben", berichtet Dannhauer von den Anfängen. Als er wieder zu Hause angekommen seine Mutter danach fragte, habe die nur ausweichend mit einem "Ja, da war mal was" geantwortet. Mehr erfuhr er nicht. Und er gab sich vorerst auch damit zufrieden.

Erst Jahre später, Dannhauer war inzwischen selbst gestandener Familienvater, wollte es der Zufall so, dass er erneut auf das Thema stieß. Sein heutiger französischer Freund Jean-Louis Rey brachte 2005/2006 alles ins Rollen und weckte in Uwe Dannhauer die Neugier am Vergangenen.

2009 gründete er dann mit weiteren Mitstreitern, die sich inzwischen zusammengefunden hatten, den Verein. Zwei Jahre später wurde die Gedenkstätte eröffnet. Die seitdem Ausstellungsstück für Ausstellungsstück wächst - und wie er dem Staatssekretär berichtet, nicht wenig Sorgen bereitet. Allein die laufenden Kosten lassen sich gerade so decken, bleiben aber noch die nötigen Instandhaltungsarbeiten zu finanzieren. Selbst wenn sich Fördermittel auftreiben lassen, übersteigt der Eigenanteil dennoch die Kraft des Vereins. So müsste das Dach dringend repariert werden, berichtet Dannhauer und beklagt, dass man beim Land bisher nicht auf offene Ohren gestoßen sei und weiter darauf hoffe, unter dem Dach der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten endlich entsprechende Förderung erfahren zu können. Für Kralinski unverständlich: Dannhauer sei mit der Landesverdienstmedaille und nun auch noch mit der Ehrenamt-Ehrung bedacht, aber auf der anderen Seite werde die Gedenkstätte nicht ausreichend gewürdigt, ist er verwirrt und signalisiert, dazu in Potsdam mit Verantwortlichen das Gespräch suchen zu wollen.

"Einen Verein gründen und eine Gedenkstätte aufbauen, das klingt sehr einfach. Aber ich weiß, dass das nicht so ist. Doch ohne Sie gäbe es diese Erinnerung nicht. Als Dankeschön für das Engagement und stellvertretend für alle Fleißigen im Verein überbringe ich heute die Ehrung", sagt er zum Vereinsvorsitzenden. Der beeilt sich zu bekräftigen: "Ohne die Hilfe der Mitarbeiter wären wir hier vor Ort nie so weit gekommen. Ich danke allen, die dabei geholfen haben und noch weiter helfen."

Dannhauer berichtet auch von aktuellen Arbeiten. Zum Beispiel kümmert sich seine Tochter Nancy, die Bundesfreiwilligendienst in der Gedenkstätte leistet, um die Aufarbeitung der Häftlingskartei.