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| 16:23 Uhr

Kritik zur ärztlichen Versorgung
Urlaubsloch nervt Patienten

Falkenberg . Unmut wird laut am LR-Reporter-Telefon: Im Medizinischen Versorgungszentrum Falkenberg ist kein Arzt, die Wartezeiten sind lang. Geschäftsführer Neugebauer: Montag Urlaub beendet. Von Sylvia Kunze und Gabriela Böttcher

Was ist los im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Elbe-Elster Klinikums in Falkenberg? Es ist kein  Arzt da. Die Wartezeiten sind lang. Am Reportertelefon der RUNDSCHAU häuften sich dieser Tage die kritischen, mit spürbarem Unmut vorgetragenen Nachfragen.

Klinikum-Geschäftsführer Michael Neugebauer und der MVZ-Koordinator Uwe Schrader legen den nüchternen Fakt auf den Tisch: „Es ist Urlaub im MVZ.“ Ab Montag seien Dr. Gabriela Jurcic-Vaclavikova und am Mittwoch wie gewohnt Dr. Hertraud Zietz wieder für die Patienten da. Dr. Zietz teile sich zudem eine halbe Stelle mit der Allgemeinmedizinerin Christine Seifert. Dass im MVZ Urlaub sei, darüber habe  man auf einem Schild ebenso hingewiesen wie auf die Vertretung, die Frau Dr. Zietz in ihrer Herzberger Praxis übernommen hatte. Was Wartezeiten außerhalb dieser Urlaubszeit angehe, so sagt Uwe Schrader: „Frau Jurcic liegt in ihren Fallzahlen um 30 Prozent über denen der Ärzte ihrer Fachgruppe.“ Und Michael  Neugebauer hebt hervor: „Es wird bei uns kein Patient abgewiesen.“ Dem Klinikum-Geschäftsführer liegt die Sensibilisierung für eine nicht leichte Vorgeschichte in Falkenberg am Herzen. Es sei erst im zweiten Anlauf gelungen, hier im Auftrag des Kreistages Elbe-Elster ein MVZ zu gründen. Um damit in einer ­Situation zu helfen, in der Ärzte fehlen. Dank der Unterstützung von Falkenbergs Bürgermeister Herold Quick und der Vermietung der Immobilie durch den ASB konnte  schließlich auf Abgänge  von Ärzten in den Ruhestand reagiert werden. So seien Dr. Gabriele Grieger durch Dr. Jurcic und Dr. Evelyn Große durch  Herrn Darkov ersetzt worden, der jedoch bald darauf tödlich verunglückte. Mit drei Ärzten sei das MVZ in Falkenberg gegründet worden, um die wohnortnahe Versorgung der Patienten zu sichern. Für Neurologin Cornelia Laube,  die in den Ruhestand ging, sei jetzt  Dr.  Götz-Hendrik Ziemann im MVZ in Falkenberg tätig.

Aus der Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg kann  die Kritik am MVZ in Falkenberg nicht untermauert werden. Pressesprecher Christian Wehry gegenüber der RUNDSCHAU: „Aus Falkenberg sind mir bisher keine Schwierigkeiten in der Versorgung zu Ohren gekommen. Weder bei unserem Patiententelefon noch im Beschwerdemanagement gibt es entsprechende Anfragen.“ Seit dem 1. Juli werde die Stelle von Dr. Gunther Haase durch die Ärztinnen Zietz und Seifert mit je 0,25 Versorgungsaufträgen weitergeführt.

Insgesamt zähle Falkenberg  in der hausärztlichen Bedarfsplanung zum Mittelbereich Herzberg. In diesem Mittelbereich gebe es bei den Hausärzten einen rechnerischen Versorgungsgrad von 110,1 Prozent, so der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. 24 Hausärzte nehmen in diesem Bereich an der ambulanten Versorgung teil.  Nicht alle Ärzte hätten einen vollen Versorgungsauftrag, sondern es gebe 20,5 Arztsitze im Mittelbereich.

Beim Blick in die Zukunft wird deutlich, dass es zur Sicherung der Versorgung weiterer Anstrengungen bedarf. Laut Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung sind im Mittelbereich Herzberg elf Ärzte   60 Jahre oder älter. „Diese demographische Entwicklung haben wir genau im Blick. Seit November 2013 haben wir gemeinsam mit den Krankenkassen den Mittelbereich Herzberg als hausärztliche Förderregion ausgewiesen. Hausärzte, die hier eine Praxis übernehmen beziehungsweise sich niederlassen wollen, können eine Förderung von bis zu 55 000 Euro erhalten“, informiert Christian Wehry.

Das Netz  der Medizinischen Versorgungszentrum Elbe-Elster  (MVZ) GmbH ist auf mittlerweile 21 Arztpraxen an elf Standorten gewachsen. Die Zahl der Beschäftigten sei hier von 43 im Jahr 2016 auf 55 im vorigen Jahr und aktuell 74 gestiegen. Jüngst von Michael  Neugebauer gewagte Prognose für 2018: „Es werden in unseren MVZ’s wohl etwa 75 000 Patienten ambulant behandelt werden.“