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| 18:11 Uhr

Ein Dankeschön an das Ehrenamt
Unterwegs im Brot-und-Butter-Geschäft

Für Kurzweil sorgten an diesem Abend neben dem Cello-Quartett der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ auch Debbsch & Lebbsch, alias  Wolfgang Lasch und Frank Deutscher aus Obernau, mit ihrem kabarettistisch & musikalischen Programm.
Für Kurzweil sorgten an diesem Abend neben dem Cello-Quartett der Kreismusikschule „Gebrüder Graun“ auch Debbsch & Lebbsch, alias  Wolfgang Lasch und Frank Deutscher aus Obernau, mit ihrem kabarettistisch & musikalischen Programm. FOTO: LR / Foto: Holger Fränkel/Kreisverwal
Elbe-Elster. Mehr als 800 Bürgerinnen und Bürger des Elbe-Elster-Kreises sind oder waren ehrenamtlich in kommunalen Gremien tätig – vom Kreistag bis zum Ortsbeirat. Ihnen allen galt am 5. Dezember eine Dankeschönveranstaltung des Landkreises im Rahmen des Jubiläums 25 Jahre Landkreis Elbe-Elster.

Manchmal sind Zufälle sehr passend. Der 5. Dezember ist jährlich der Internationale Tag des Ehrenamtes. Mit den Kommunalwahlen am 5. Dezember 1993 haben sich die drei Altkreise Finsterwalde, Bad Liebenwerda und Herzberg zusammengeschlossen. Das war die Geburtsstunde des Landkreises Elbe-Elster. Genau 25 Jahre später hat der Kreis diejenigen zu einer Dankeschönveranstaltung nach Doberlug-Kirchhain in die Stadthalle eingeladen, die sich ehrenamtlich um die Geschicke ihrer  Gemeinden und Städten sorgten und sorgen. Manche schon 25 Jahre lang. „Was Sie tun, das ist nicht Glamour und Cocktail, das ist das Brot-und-Butter-Geschäft der Demokratie. Das macht nicht immer Spaß, aber ohne Sie alle geht es nicht“, sagte Landrat Christian Jaschinski in seiner Festrede.

Etwa 320 Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sind der Einladung zum Geburtstag des Landkreises gefolgt, der gleichzeitig zu ihrem Ehrentag erhoben wurde. Mit einem guten Essen, Getränken und Kultur wurde den Menschen Danke gesagt, die sich in vielen Stunden dem Fortkommen ihrer Kommunen und damit des Landkreises widmen. Einer, der am Mittwochabend dabei war, ist Ulrich Jachmann. Er arbeitet mit zwei Jahren Unterbrechung seit 1989 ehrenamtlich als Bürgermeister und später Ortsvorsteher in Uebigau. „Mir hat das Spaß gemacht. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu unseren Bürgern“, sagt er. Die Veranstaltung in Doberlug-Kirchhain hat ihm gut gefallen. „Es ist schön, dass unsere Arbeit einmal gewürdigt wird“, so Ulrich Jachmann. Zu den Kommunalwahlen im Mai nächsten Jahres wird der 77-Jährige aber nicht mehr antreten. „Ich habe immer versprochen, dass ich aufhöre, wenn Uebigau komplett saniert ist. Das haben wir fast geschafft“, sagte er.

Der stolze Blick auf das in den vergangenen 25 Jahren Erreichte war es auch, der die Festrede von Christian Heinrich-Jaschinski prägte. „Elbe-Elster ist ein Landkreis, der seine traditionellen Stärken nutzt – selbstbewusst, fantasievoll und innovativ. Ein Landkreis, der Mut zu unkonventionellen Lösungen besitzt und Freiraum für Ideen bei vielen Themen entwickelt“, sagte er. Tradition und Wandel hätten ihn auf dieser Wegstrecke begleitet, so der Landrat. Als Beispiel nannte der Landrat die F60 als Wahrzeichen und Besuchermagnet in einem, Industriedenkmal und Brücke in die touristische Zukunft am Bergheider See. „Wenn wir das, was wir haben, klug einsetzen und dazu Neues wagen, können wir Außergewöhnliches erreichen“, sagte er. Und es sei ihm wichtig, auf diesem Weg weiter zu gehen.

Landrat Christian Heinrich-Jaschinski will den Kommunalpolitikern auch weiter den Rücken stärken.
Landrat Christian Heinrich-Jaschinski will den Kommunalpolitikern auch weiter den Rücken stärken. FOTO: LR / Holger Fränkel/Kreisverwaltung

Dabei setzt er auf die Kommunen und auf diejenigen, die sie vertreten. „Es gibt unzählige Kommunalpolitiker, die abends nach einem Arbeitstag nicht vor dem Fernseher ins Sofa sinken, sondern ins Gemeindeparlament gehen und noch Gefahr laufen, dass sie am Samstagmorgen beim Brötchenholen dafür rüde Kommentare einstecken“, so der Landrat. Diesen Ehrenamtlichen will er den Rücken stärken. „Die Kommunen sind so etwas wie der Heimathafen unserer Demokratie. Auch im Landkreis Elbe-Elster ist das seit 25 Jahren gelebte Realität. Dafür sorgen alle kommunalpolitisch Engagierten, ob nun haupt- oder ehrenamtlich“, so der Landrat. Die Abgeordneten würden nicht einfach nur ihr Amt versehen, sondern die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger kennen und sich für deren Belange einsetzen. Dabei hätten sie es nicht immer leicht, so Heinrich-Jaschinski.

Das kann der 25-jährige Jonas Gallin, der für die CDU in der Finsterwalder Stadtverordnetenversammlung sitzt, nur bestätigen. „Der Landrat hat sehr treffende Worte für das Ehrenamt gefunden. Ich musste es erst mal lernen, zu Themen wie dem Bau der Stadthalle auf der Straße angesprochen zu werden und das auch von Menschen, die anderer Meinung sind als ich.“ Dennoch will Jonas Gallin im Mai wieder für die Finsterwalder Stadtverordnetenversammlung kandidieren.

Christian Heinrich Jaschinski ging aber noch über Probleme wie Umgehungsstraßen oder die Stadthalle hinaus. Auch Entwicklungen der „großen Politik“ würden sich bis hinein in die kleinste Kommune auswirken, sagte er. Die Abgeordneten hätten oft ein Gefühl der Unsicherheit oder der Ungewissheit bei vielen Themen von Schulden und Rente bis zu Einwanderung und Terrorismus. Da würden Streitworte schnell hin und her fliegen in Bürgerversammlungen genauso wie am Abendbrottisch oder an der Theke. Selbst der Einzelne sei manchmal in sich gespalten. Dessen sei er sich bewusst, so der Landrat. Deshalb sei es auch an der Zeit gewesen, mit einer Feierstunde Danke zu sagen und das kommunale Engagement zu würdigen.

Bei den Eingeladenen kam der Abend am Mittwoch sehr gut an, auch, weil sich nach Musik und Kabarett und bei einem guten Essen die Möglichkeit zu vielen Gesprächen bot. Jan Fromm, Ortsvorsteher in Langenrieth, gefiel die lockere Atmosphäre. „Ich habe unserem Kämmerer Gerd Engelmann aus Bad Liebenwerda gegenüber gesessen. Sonst ist eher selten Zeit, sich so intensiv auszutauschen. Das haben wir an diesem Abend gemacht und ich habe dabei für mich mal wieder mitgenommen, dass hinter so einem Sachbearbeiter ein Mensch steht, der auch in bestimmten Zwängen steckt. Verständnis für die Position des anderen zu haben, auch das hat dieser Abend gebracht“, sagt er. Also eine rundum gelungene Veranstaltung? „Klar, da braucht der Landkreis Elbe-Elster nicht erst wieder 25 Jahre warten, bis er das wiederholt“, sagte Jan Fromm abschließend und lachte.

(ru)