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| 15:29 Uhr

Schule
Unterricht, Lebenshilfe und Spaß gehören zusammen

In den Vordergrund hat sich Constanze Mailick nie gerückt. Dort sieht sie lieber ihre Schüler, wie hier die Mädchen und Jungen der 7. Klasse.
In den Vordergrund hat sich Constanze Mailick nie gerückt. Dort sieht sie lieber ihre Schüler, wie hier die Mädchen und Jungen der 7. Klasse. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Nach 43 Jahren im Schuldienst und 31 Jahren als Leiterin der Herzberger Förderschule verabschiedet sich Konstanze Mailick. Von Birgit Rudow

Heute endet mit dem Schuljahr auch eine langjährige Schulleiterära in Herzberg. Constanze Mailick, seit 31 Jahren Leiterin der Förderschule für Kinder mit Lernbehinderungen, geht in den Ruhestand. In ihren 43 Berufsjahren hatte Constanze Mailick immer nur ein Ziel: lernbehinderten Kindern zu helfen, selbstständige Persönlichkeiten zu werden. Das hat sie mit viel Freude immer wieder erfahren und das bestärkt sie in ihrer Meinung, dass die Förderschulen auch weiterhin ihre Berechtigung haben. „Ich bin nicht gegen das gemeinsame Lernen. Aber die Bedingungen und Voraussetzungen dafür müssen stimmen. Und das sehe ich derzeit nicht“, sagt sie.

Constanze Mailick ist ein Herzberger Urgestein. Nach dem Abitur hat sie am Institut für Lehrerbildung in Großenhain studiert. „Damals wurden die Absolventen dort eingesetzt, wo sie gebraucht wurden. Ich wollte aber unbedingt nach Herzberg zurück. Man hat mich gefragt, ob ich auch an der Hilfsschule unterrichten würde. Ich habe gleich ja gesagt“, erzählt Constanze Mailick. So hat sie von ihrer ersten Lehrerstunde 1975 an Kinder mit Lernbehinderungen unterrichtet.

1977 setzte sie sich selbst wieder auf die Schulbank und hat im Fernstudium an der Humboldt-Uni Berlin vier Jahre Rehabilitationspädagogik studiert. 1984 wurde sie stellvertretende Direktorin und 1987 Schulleiterin. Um diesen Posten hat sie sich auch nach der Wende für die Förderschule beworben und ihn bekommen. So ziemlich alle Pädagogen und Erzieher mussten sich damals weiterqualifizieren. Bei Constanze Mailick aber war man der Meinung, sie sei ausreichend ausgebildet. Das hat ihr gar nicht behagt. Also hat sie sich neben dem Unterricht in einem zweijährigen Studium vor allem der Arbeit mit körperbehinderten Kindern gewidmet und ein Zertifikat in Verhaltenspädagogik abgelegt. „Wenn alle anderen sich qualifizieren, wollte ich das auch“, sagt sie.

2000 ist die Förderschule in den Neubau mit Turnhalle in der Grochwitzer Straße gezogen, fünf Jahre später wurde das Haus II eröffnet. Die Bedingungen für Kinder wie Lehrer sind sehr gut. Obwohl seit Jahren in die Förderschulen nicht mehr eingeschult wird, hat die Herzberger Einrichtung noch immer mehr als 100 Schülerinnen und Schüler in den Klassen 3/4 bis 10. Sie werden von 14 pädagogischen Kräften, einer Sozialarbeiterin und zwei Kolleginnen im Hort betreut. Vom Sterben der Förderschule kann in Herzberg keine Rede sein. „Das ist das Ergebnis der engagierten Arbeit des gesamten Teams. Wir sind wie eine große Familie. Wir haben uns durchgesetzt“, sagt Constanze Mailick.

Ihren beruflichen Weg hat sie nie bereut. „Unterricht, Lebenshilfe und viel Spaß. Das ist das Motto an unserer Schule“, sagt sie. Mit ihren Kollegen versucht sie, den Kindern neben dem Unterricht (sie selbst unterrichtet Hauswirtschaft) viel Lebenspraxis zu vermitteln. So machen die 10. Klassen eine Erste-Hilfe-Ausbildung oder ein Fahrschultraining. Die intensive Berufsvorbereitung beginnt in der 7. Klasse. Die Schüler der 9. und 10. Klasse absolvieren jede Woche einen Tag in einem Betrieb. Zahlreiche Ausbildungsverträge sind daraus schon entstanden, sagt die Schulleiterin. Sie würde es begrüßen, wenn die Handwerkskammer die Schulabschlüsse der Förderschule anerkennen würde. Zum Schulalltag gehört aber auch viel Spaß, wie das Zirkusprojekt oder die Schulcamps.

Für ihre Bemühungen bekommen die Pädagogen viel zurück. „Dankbarkeit, Freundlichkeit und Höflichkeit, auch von den Eltern“, sagt Constanze Mailick. Wenn sie jetzt mehr Zeit hat, würde sie gern ihre Erlebnisse aufschreiben, und dabei auch das Für und Wider von Förderschulen aufarbeiten.

Constanze Mailick hat viel Kraft in ihren Beruf investiert. „Ohne die Unterstützung zu Hause wäre das nicht gegangen“, sagt sie. Jetzt hat sie mehr Zeit für die Familie. Es sei denn, die Schule braucht sie. Aushelfen, das würde sie schon noch, sagt Constanze Mailick.