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Unter widrigen Umständen in Falkenberg diskutiert

Prof. Dr. Manfred Stock bei seinem Vortrag.
Prof. Dr. Manfred Stock bei seinem Vortrag. FOTO: Lehmann
Falkenberg. Die Podiumsdiskussion im Falkenberger Haus des Gastes über den globalen Klimawandel hätte unter kaum widrigeren äußerlichen Begleitumständen stattfinden können. Gut eine Stunde vor Beginn zog ein Unwetter über die Region um Falkenberg. Dieter Lehmann

Alle, die trotzdem gekommen waren, berichteten von Sturmböen, Hagel und Starkregen, entwurzelte und umgeknickte Bäume, beschädigte Dächer und Gebäude.

Vortragsredner, Prof. Dr. Manfred Stock, Honorarprofessor am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK), formulierte ganz klar: Der von uns Menschen verursachte globale Klimawandel ist eine wissenschaftlich nachgewiesene Tatsache. Wir müssen damit leben, und wir müssen es lernen, damit umzugehen. Extremwetterlagen werden zunehmen: Hitze und Dürren, Stürme und Starkregen.

Der Professor machte am Beispiel von Syrien darauf aufmerksam, dass die Folgen des globalen Klimawandels bereits verheerende Auswirkungen haben. In Syrien herrschte in den Jahren von 2005 bis 2010 eine extreme Hitze. Mangelnde Niederschläge führten zu katastrophalen Dürreperioden. Die arme Landbevölkerung zog notgedrungen in die Ballungsräume der Städte. Es kam zu Unruhen und Bürgerkriegen, die bis heute andauern. Viele Menschen ergriffen die Flucht, und ein Teil davon gelangte bis nach Deutschland. Der sich verstärkende Klimawandel wird zu weiteren Flüchtlingsströmen führen. Menschen in Not werden dann abermals auch bei uns in Deutschland landen.

Danach hielt Peter Müller aus Schlieben, Doktor der Physik im Ruhestand, seinen Vortrag. Er wies zunächst darauf hin, dass unser gegenwärtig hoher Lebensstandard hauptsächlich auf der vielfältigen Nutzung fossiler Energierohstoffe basiert. Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas führt zur Erhöhung der natürlichen Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre, was zu einem verstärkten Treibhauseffekt mit zusätzlicher Erwärmung führt.

Die Temperatur auf der Erde hat sich bereits um 0,8 Grad erhöht. Das ist ein Mittelwert, in anderen Klimazonen der Erde gibt es schon deutlich höhere Werte, zum Beispiel auf Grönland mit durchschnittlich fünf Grad Celsius. Computersimulationen zeigen, dass bei unvermindert anhaltenden CO2-Emissionen Temperaturerhöhungen von vier und mehr Grad zu erwarten sind. Welche Konsequenzen das haben würde, ist absehbar: Veränderung von Jahres- und Vegetationszeiten, Verschieben von Klimazonen, Ausdehnung von Wüsten, Anstieg des Meeresspiegels, Erwärmung und Versauerung der Meere, Ausbreitung von Parasiten und tropischen Krankheiten, vielfältige Einschränkungen der Möglichkeiten für menschliches Leben.

Müller verdeutlichte, dass gegenwärtig etwa 7,5 Milliarden Menschen auf unserer Erde leben - mit steigender Tendenz. Wenn wir Erdbewohner den politischen Willen zur Umkehr dieser Entwicklung haben, dann sei ein rascher Umstieg von fossilen auf erneuerbaren Energien notwendig.

Danach begann eine hitzige Podiumsdiskussion. Trotz der Wetterverhältnisse hatten sich fast 40 interessierte Bürger versammelt.. Es gab viele Fragen, nicht alle konnten aufgrund der fortgeschrittenen Zeit beantwortet werden. Deshalb beendeten die Moderatoren Sabine Falk und Daniel Willeke, beide Klimaschutz-Manager der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, die Veranstaltung.