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Winterdienst
Umschalten auf den Wintermodus

Herzberg. Der Herzberger Bauhof schafft ein (fast) neues Fahrzeug für den Winterdienst an. Von Birgit Rudow

Auch wenn die Temperaturen es in diesen Tagen kaum erahnen lassen: Der Winter steht vor der Tür. Glaubt man den Wettervorhersagen, so könnte sich in der kommenden Woche schon mal die eine oder andere Schneeflocke bis in unser Flachland verirren. Höchste Zeit also für die Bauhöfe, Straßenmeistereien und Vertragsbetriebe, auf Wintermodus zu schalten.

Die Landesstraßenmeisterei in Herzberg hat drei ihrer fünf Fahrzeuge schon für den Winterdienst umgerüstet. „Die anderen beiden sind noch in der Grünpflege im Einsatz. Wegen des Sturms müssen noch herabgefallene Äste geschreddert und alles, was noch lose in den Kronen hängt, muss heruntergeholt werden“, sagt der stellvertretende Chef der Meisterei Nico Contes. Aus diesem Grund wäre man bei den Straßenmeistern gar nicht böse, wenn der Winter noch etwas warten würde. Aber wenn es losgeht, können auch die anderen beiden Fahrzeuge schnell umgerüstet werden, versichert Nico Contes. Ansonsten läuft bei der Straßenmeisterei alles so, wie in den vergangenen Jahren auch. Gerade werden die letzten Schneezäune aufgestellt. Einige mussten hinzugekauft werden, weil Diebe auch im letzten Winter wieder zugeschlagen haben. „Bei Marxdorf  zum Beispiel waren nur noch die Heringe da“, so Contes.

Das Lager ist mit Streusalz gut gefüllt. Viel musste die Meisterei nach dem schneearmen letzten Winter nicht nachordern. 270 Kilometer Landes- und Bundesstraße müssen die 20 Mitarbeiter notfalls im Drei-Schicht-System von Eis und Schnee frei halten. Unterstützung bekommen sie von sechs Kollegen anderer Betriebe (wie zum Beispiel Meli-Bau), die in der Bauruhe während der Wintermonate befristet bei der Straßenmeisterei angestellt sind.

Die Stadt Herzberg muss für den Winterdienst kurzfristig technisch noch draufsatteln. Donnerstagabend sollen die Stadtverordneten eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 35 700 Euro für ein (fast) neues Kommunalfahrzeug mit Ladekran locker machen. Es ist davon auszugehen, dass sie das auch tun. Denn ohne dieses Fahrzeug wäre es schlecht bestellt um den Winterdienst in Herzberg. Der bisher eingesetzte Multicar, den die Stadt 1995 erworben hat, hat in diesem Jahr weder für das Fahrzeug noch für den Kran einen TÜV erhalten, erläutert Bauhofleiter Thomas Kettner. Etwa 28 000 Euro Reparaturkosten habe die Stadt schon in das Fahrzeug gesteckt, sagt er. Da sich Herzberg ein neues Fahrzeug nicht leisten kann, haben sich die Mitarbeiter auf dem Gebrauchtwagensektor umgesehen und sind zu guten Konditionen  fündig geworden. „Wir brauchen das Fahrzeug unbedingt. Die Stadt muss zusätzliche Aufgaben beim Winterdienst leisten, weil wir mit der Firma Streubel nur noch einen Vertragspartner haben“, so Thomas Kettner. Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) ergänzt, dass es immer schwieriger werde, Partner für den Winterdienst zu finden. Auch die landwirtschaftlichen Betriebe würden sich mittlerweile zurückhalten. „Das Kalkulationsrisiko ist ihnen zu hoch“, sagt er. Mit Gebühren für den Winterdienst müssen die Herzberger vorerst nicht rechnen. Die Stadtverordnetenversammlung hat eine entsprechende Satzung noch nicht verabschiedet.

Ähnliche Erfahrungen hat auch das Amt Schlieben gemacht. Auch hier gibt es mit dem Dienstleistungsunternehmen Ronny Wagner aus Osteroda nur eine externe Firma für den Winterdienst auf kommunalen Straßen. Der Vertrag wurde 2016 geschlossen und da sei man mit dem Unternehmen sehr zufrieden gewesen, so Bauamtsleiter Harald Kutscher. „Es ist sehr schwer für die kleinen Betriebe, alles für den Winterdienst vorzuhalten“, sagt er. Wie auch in anderen Kommunen übernehmen die Straßenmeistereien im Amt Schlieben das Räumen von Kreis-, Landes- und Bundesstraßen innerhalb der Ortschaften.

Im Gegensatz zu Herzberg hat das Amt Schlieben seit zwei Jahren eine Winterdienstgebührensatzung. Allerdings wurde sie noch nicht zur Anwendung gebracht. „Wir haben in der Satzung eine Bagatellgrenze drin. Und da die letzten beiden Winter mild und schneearm waren, brauchten die Bürger für den Winterdienst noch nichts bezahlen“, erklärt der Bauamtsleiter. Gegen einen Winter mit nicht ganz soviel Schnee hätte er auch diesmal nichts einzuwenden.