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| 16:16 Uhr

Umleitung sorgt für Ärger
Eine Lösung ohne Ärger ist nicht in Sicht

 Durch den kleinen „Sackgassen“-Stadtteil  Neunaundorf und den Pflaumenweg soll der gesamte Umleitungsverkehr führen. Die Neunaundorfer setzen sich dagegen zur Wehr.
Durch den kleinen „Sackgassen“-Stadtteil Neunaundorf und den Pflaumenweg soll der gesamte Umleitungsverkehr führen. Die Neunaundorfer setzen sich dagegen zur Wehr. FOTO: Rudow/Jojoo64/shutterstock.com
Herzberg. Kaum etwas bewegt die Gemüter in Herzberg derzeit so wie die Umleitung für den Bau der Dresdener Straße, obwohl der noch gar nicht begonnen hat. Im Zentrum der Diskussion steht Neunaundorf. Von Birgit Rudow

Hier gehen die Bürger auf die Barrikaden, denn durch ihren kleinen Stadtteil (111 Einwohner) soll während der Bauarbeiten in der Dresdener Straße etwa ein Jahr lang der komplette Umleitungsverkehr fließen. Am Dienstag dieser Woche gab es vor der Sitzung des Herzberger Bauausschusses eine Informationsveranstaltung der Stadt und des Landesbetriebes Straßenwesen für die Bürger, bei der auch der Planungsdezernent des Landesbetriebes für Südbrandenburg Steffen Kleiner, der Leiter des Straßenverkehrsamtes Elbe-Elster Stefan Wagenmann und Bürgermeister Karsten Eule-Prütz anwesend waren. Hier in Kürze die derzeitigen Fakten:

Worum geht es? Der Landesbetrieb will in diesem Jahr beginnen, die Dresdener Straße in Herzberg (B 101) grundhaft auszubauen. Die Planungen sind fertig. Wenn die Herzberger Stadtverordneten dem Bauprogramm zustimmen, könnte es bald losgehen. Der erste Bauabschnitt reicht vom Kreisel bis kurz vor die Einmündung Osterodaer Straße. Der Landesbetrieb will so bauen, dass der Verkehr stadtauswärts einseitig an der Baustelle vorbei geführt wird. Stadteinwärts aus Richtung Bad Liebenwerda muss er umgeleitet werden. Vorgesehen ist, den Pkw- wie Lkw-Verkehr am Knoten Osterodaer Straße rechts ab und hinter dem Gewerbegebiet mit Herzbergs größtem Einkaufsmarkt Kaufland in eine Richtung durch Neunaundorf zu lenken. Von dort führt der unbefestigte Pflaumenweg auf die B 87, von wo der Verkehr dann per Ampel nach links Richtung Herzberg bzw. nach rechts Richtung Schlieben weiterfahren kann. Der Pflaumenweg soll auf einer Breite von 3,50 Meter asphaltiert und mit Banketten versehen werden.

Was sagen die Neunaundorfer? Sie lehnen diese Umleitungsführung grundsätzlich ab. Sie befürchten einen enormen Verkehrsstrom von mehreren tausend Fahrzeugen täglich durch den Ort, der eigentlich nur Anliegerverkehr kennt und verkehrstechnisch faktisch eine Sackgasse ist. Sie sorgen sich um die Schulkinder, die inmitten des Verkehrs in den Bus ein- und aussteigen und die Straße überqueren müssen. Sie bangen um die Straße und um ihre Häuser, die zum Teil sehr dicht an der Straße stehen.

Zwei Familien haben den Rechtsanwalt Thomas Gabriel aus Uebigau damit beauftragt, ihre Interessen zu vertreten. Er legte am Dienstag dar, dass die Eigentümer der Grundstücke in Neunaundorf einen Anspruch darauf hätten, dass die Situation in ihrem Ort so bleibt, wie sie ist und dass der Dorfcharakter nicht zerstört wird. Er sehe keinen Grund, warum der Verkehr mit brachialer Gewalt durch Neunaundorf geführt werden müsse, sagte er. Die Neunaundorfer bezweifeln auch, dass der Pflaumenweg baurechtlich überhaupt asphaltiert und ausgebaut werden darf. „Er entspricht nicht einer Straße, die diesen Umleitungsverkehr aufnehmen kann“, so Gabriel. Dagegen habe er bereits Widerspruch eingelegt und die Bürger würden, sollte die Umleitung so beschlossen werden, vor dem Verwaltungsgericht klagen. Neunaundorf schlägt vor, den Pkw-Verkehr über Osteroda und Malitschkendorf und den Lkw-Verkehr ab Langennaundorf nach Schlieben umzuleiten.

Was sagt der Landesbetrieb? Steffen Kleiner machte klar, dass der Landesbetrieb sich dem Votum der Stadt beugen wird. Lehnt die Stadt die Umleitung durch Neunaundorf ab, müsse man sich neu orientieren. Der Dezernatsleiter erklärte, dass er für die Naunaundorfer durchaus Verständnis habe, aber alle Alternativen geprüft worden seien. Es mache wenig Sinn, über Umleitungsstrecken nachzudenken, die technisch nicht machbar seien, sagte er. Der Landesbetrieb ist auch der Meinung, dass es sich bei dem Verkehr in diesem Bereich vorrangig um Binnenverkehr handeln würde. Es gebe die Erfahrung, dass zu weit gewählte Umleitungen dazu führten, dass die Kraftfahrer nähere Wege nutzen, auch wenn dafür keine Vorkehrungen getroffen seien, so Kleiner. Außerdem hätten auch Anwohner anderer Straßen und Orte einen Anspruch darauf, nicht zusätzlich belastet zu werden.

Welche Umleitungs-Alternativen stehen im Raum? Eine Umleitung über Osteroda, Malitschkendorf, Polzen (oder Kolochau) auf die B 87 und zurück nach Herzberg ist nur für Pkw geeignet, da an einigen Brücken eine 16-Tonnen-Begrenzung gilt. Diese Umleitung ist etwa 15 Kilometer lang. Sie müsste auch vom Binnenverkehr (Einkäufer Kaufland, Anwohner Dresdener Straße) gefahren werden. Lkw müssten von Langennaundorf über Drasdo, Oelsig und Frankenhain nach Schlieben und von dort nach Herzberg zurück. Das sind etwa 20 Kilometer mehr. Angesprochen wurde auch eine Abfahrt bei Deuka und dann über die alte Osterodaer Straße. Diese Strecke würde aber laut Bauamt über das Betriebsgelände der Straßenmeisterei führen und ist somit illusorisch. Möglich wäre für Pkw auch noch die Strecke Bahnsdorf, Großrössen, Herzberg.

Was sagt das Gewerbegebiet? Eckhard Schulze, Chef der Firma Meli-Bau, die im Gewerbegebiet Osterodaer Straße ihren Sitz hat, erklärte am Dienstag die Konsequenzen einer weitläufigen Umleitung für sein Unternehmen. Er schätzt den Umweg auf täglich 150 Kilometer für seine Lkw. Das mache 30 000 Kilometer in einem halben Jahr, so Schulze. Dazu käme der Zeitverlust. Nach seiner Meinung ist die Dorfstraße in Neunaundorf so gebaut, dass sie den Umleitungsverkehr aushält. Die Stadtverwaltung verweist auch auf große Probleme für die Deuka.

Was ist mit dem Pflaumenweg? Die Stadt ist anderer Auffassung als Rechtsanwalt Gabriel. Reinhard Neupert vom Bauamt: Der Pflaumenweg ist als sonstige öffentliche Straße gewidmet und somit als untergeordnete Straße ein Verkehrsweg. Wenn er aufgewertet werden soll, kann er zur Gemeindestraße in einer bestimmten Kategorie umgewidmet werden. Beim Pflaumenweg soll das für die Zeit der Umleitung begrenzt werden.

Wie stellt sich die Situation jetzt dar? Die Neunaundorfer wollen am heutigen Freitag eine Bürgerinitiative gegen die Umleitung gründen. Die Abgeordneten des Herzberger Bauausschusses haben den Beschluss zum Bauprogramm für die Dresdener Straße am Dienstag nicht gefasst und eine weitere Beratung auf den Bauausschuss am 12. März vertagt. Planungsdezernent Steffen Kleiner hat vorgeschlagen, dass sich bis dahin Vertreter des Landesbetriebes, der Stadt, Rechtsanwalt Thomas Gabriel und einige Neunaundorfer im kleinen Kreis nochmal zusammensetzen, um über eventuelle Kompromisse zu reden.