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| 17:15 Uhr

Im Gespräch mit Oliver Breithaupt
„Umbettungen sind das Herzstück unserer Arbeit“

 Oliver Breithaupt.
Oliver Breithaupt. FOTO: LR / Pressestelle Landkreis Elbe-Elst
Herr Breithaupt, welchen Stellenwert haben Umbettungen, wie die in Krassig begonnene, für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge?

Breithaupt: Sie sind das Herzstück unserer Arbeit. Jährlich werden zwischen 300 und 350 Umbettungen solcher Art vorgenommen. Es ist ein unermesslicher Dienst am Menschen und unser Beitrag zu einer friedlicheren Welt. Mit jedem geborgenen Toten, jedem sichtbaren Kriegsgrab gibt es eine Mahnstätte gegen den Krieg mehr.

Wie kommt es, dass Sie im Jahr 2019 noch immer so viele Umbettungen vornehmen? Sollten nicht bald alle Kriegstoten ordentlich bestattet sein?

Breithaupt: Das wird noch einige Zeit dauern. Nach dem Krieg sind die Toten ja nie komplett gezählt und aufgerechnet worden. Es blieben viele Einzelschicksale im Unklaren. Unsere eigentliche Arbeit hat zudem erst nach 1990 begonnen. Die Informationen zu möglichen Grabanlagen steigen seit einigen Jahren eher an, als dass sie abnehmen. Da sind beispielsweise Bau- und Sanierungsarbeiten im Gange. Bürger haben Kindheitserinnerungen. Kampfmittelräumdienste stoßen bei ihrer Arbeit auf notdürftig begrabene Menschen. Förster finden Hinweise auf ein Grab ... Wir sind noch lange nicht am Ende, sondern haben Arbeit über Jahre.

Wie „erfolgversprechend“ sind solche Hinweise?

Breithaupt: Bei etwa 80 Prozent der Verdachtsflächen werden wir tatsächlich fündig. Danach folgen oft sehr viele emotionale Momente. Menschen erfahren unter Umständen das erste Mal etwas über das Schicksal enger Angehöriger.

Können Sie die Toten identifizieren?

Breithaupt: Nur in etwa 35 Prozent der Fälle gelingt es noch.

Erst kürzlich war wieder Post vom Bund Deutscher Kriegsgräberfürsorge im Kasten. Die Familie hatte einst selbst eine Online-Gräbersuche nach einem Angehörigen gestartet und über eine parallel seit Jahren laufende Suchanfrage beim DRK endlich Auskunft über den im Krieg gefallenen Mann, Vater und Großvater erhalten.

Breithaupt: Die Arbeit des Volksbundes geht weit über die Erfassung, Identifizierung und administrativ-technischen Grundlagen des würdigen Gedenkens der Kriegstoten hinaus. Auch der Gräbernachweis und die Angehörigenbetreuung gehören zu den zentralen Aufgaben.

Die Erfassung der Daten von Kriegstoten ist nicht abgeschlossen und wird laufend ergänzt. In den nächsten Jahren werden voraussichtlich noch etwa eine halbe Million Namen in die Datenbank aufgenommen.

Es fragte Sylvia Kunze.