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| 16:39 Uhr

Aus den Unternehmen
Weil Fachkräfte von morgen rar werden

Mubashir Shafi (l.), ein junger Mann aus Pakistan, bekommt bei der Uebigauer Schaltanlagenbaufirma die Chance zum beruflichen Einstieg. Geschäftsführer Helmut Hoffmann (r.) zeigt ihm im Beisein von „Ich pack das!“-Ausbilder Wolfgang Mikesch die Arbeitsstationen, die er durchlaufen wird.
Mubashir Shafi (l.), ein junger Mann aus Pakistan, bekommt bei der Uebigauer Schaltanlagenbaufirma die Chance zum beruflichen Einstieg. Geschäftsführer Helmut Hoffmann (r.) zeigt ihm im Beisein von „Ich pack das!“-Ausbilder Wolfgang Mikesch die Arbeitsstationen, die er durchlaufen wird. FOTO: Sylvia Kunze / LR
Uebigau . Die Uebigauer uesa GmbH und die enviaM-Gruppe unterstützen gemeinsam die Integration von Flüchtlingen in das Berufsleben - und hoffen perspektivisch auf einen Erfolg ihres Engagements. Sylvia Kunze

„Die Fachkräftesicherung von morgen ist eine große Herausforderung. Viele Betriebe sind sich noch gar nicht bewusst, was da auf sie zukommt“, steigt Ralf Hiltenkamp, enviaM-Vorstand Personal und Arbeitsdirektor des Unternehmens, gleich voll in das Thema ein.  Dabei auch noch vermeintlichen „Außenseitern“ eine Chance zu geben, steht bei der enviaM aber schon länger auf der Agenda, als dass sich die Nachwuchsprobleme abzeichneten. Das Projekt „Ich pack das!“, bei dem so mancher aus der Bahn gekommene Jugendliche doch noch auf den rechten Weg gebracht wurde, läuft schon über Jahre. „Erfolgreich“, wie Hiltenkamp bilanziert. Über 90 Prozent derer, die dieses Aufbautraining absolviert haben, sind danach in eine Ausbildung eingestiegen.

Auf ähnlich gute Ergebnisse hofft man nun, nachdem das Projekt auch auf Flüchtlinge ausgedehnt wurde. Und es deutet sich an, dass die Erfolgskurve weiter nach oben steigt. Bestes Beispiel ist der aus Pakistan stammende Mubashir Shafi. Der 24-Jährige ist auf einem langen Weg nach Deutschland gekommen und lebt seit einigen Monaten in Falkenberg. Er hat in seinem Heimatland zwar eine Ausbildung zum Elektriker absolviert, „aber das war alles nur Theorie“, berichtet er.

Mubashir Shafi ist deshalb über das „Ich pack das!“-Projekt erst einmal mit grundlegenden praktischen Dingen vertraut gemacht worden. Das hat er in der bze-Ausbildungsstätte unter Anleitung von Ausbilder Wolfgang Mikesch absolviert. „Da ging es im ersten halben Jahr um Grundkenntnisse in der Metallbearbeitung, und im zweiten halben Jahr folgte die Spezialisierung auf Elek­trotechnik“, erzählt Mikesch. Er lobt: „Mubashir ist sehr willig. Er hat sich große Mühe gegeben.“

Eine Einschätzung, die zählt und letztlich auch Helmut Hoffmann, Geschäftsführer der Uebigauer Schaltanlagenbaufirma uesa, sowie deren Personalchefin Petra Schäfer überzeugt hat, dem Flüchtling ebenfalls eine Chance zu geben. Seit Ende August ist er als Elektrohelfer im Bereich Stationsbau beschäftigt. Das Bewerbungsverfahren für eine Ausbildungsstelle läuft aktuell.

„Wie vielen anderen mittelständischen Unternehmen im ländlichen Raum fällt es uns immer schwerer, im Zuge des demografischen Wandels Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen. Flüchtlinge sind uns deshalb herzlich willkommen, zumal dann, wenn sie wie Mubashir Shafi von unserem Partner, der enviaM-Gruppe, eine Berufs- und Ausbildungsorientierung erhalten“, bekräftigt Hoffmann den Entschluss. Der letztlich auch keinen Einzelfall darstellt, wie er ergänzt: „Wir beschäftigen bei der uesa momentan insgesamt fünf Flüchtlinge in verschiedenen Funktionen, mit deren Arbeit wir sehr zufrieden sind.“

Überhaupt: Im inzwischen recht international gemischten Team der uesa-Beschäftigten fällt der Pakistani kaum noch auf. Höchstens aufgrund von Sprachproblemen. Die stellen laut Hiltenkamp nach wie vor generell das größte Problem bei der (beruflichen) Integration von Flüchtlingen dar. „Ich kann doch keinen in ein Umspannwerk schicken, wenn er die Sicherheitshinweise nicht versteht“, macht er deutlich, wie immens wichtig es ist, ein gewisses sprachliches Niveau zu erreichen. Vom sehr unterschiedlichen Bildungsniveau, mit dem die Asylbewerber in Deutschland letztlich Fuß fassen wollen, mal ganz abzusehen.

Der junge Pakistani will jetzt Industrieelektriker werden. Seine Vorkenntnisse seien eine gute Grundlage, meint Hoffmann, würden aber bei weitem nicht an das heranreichen, was eine hochfundierte Ausbildung in Deutschland vermittele. Schulbankdrücken sei deshalb unvermeidbar, bevor an einen Start ins Berufsleben zu denken sei. Mubashir Shafi scheut sich davor nicht: „Ich bin sehr froh, eine berufliche Chance zu erhalten und gehe gern zur Arbeit. Meine Vorgesetzten und meine Kollegen sind sehr freundlich und hilfsbereit“, berichtet er. „Den Kollegen, die mit den Flüchtlingen arbeiten, sich für sie Zeit nehmen und ihnen alles erklären, nicht selten mehrfach und notfalls auch mit Händen und Füßen, wenn die Sprachkenntnisse doch nicht ausreichen, zolle ich großen Respekt“, sagt Personalchefin Petra Schäfer.

Sie weiß um die vielen Hürden, die auf dem Weg der Integration zu meistern sind. Sprachprobleme stellen dabei nur eine dar. Für Arbeitgeber mindestens genau so wichtig ist die Arbeitserlaubnis für die ausländischen Arbeitnehmer.  Petra Schäfer lobt in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit hiesigen Behörden. Aber Helmut Hoffmann kommt nicht umhin mit Blick auf vielfach erst einmal nur erteiltes vorläufiges Bleiberecht zu mahnen. „Wenn wir die Leute ausbilden, möchten wir sie danach auch im Unternehmen behalten.“