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Uebigauer beerdigen ihre Schule

Am Ende wird Uebigaus Stadtfahne eingeholt und dafür ein schwarzes Tuch gehisst.
Am Ende wird Uebigaus Stadtfahne eingeholt und dafür ein schwarzes Tuch gehisst. FOTO: Rico Meißner/rmr1
Uebigau. Dass diese Veranstaltung auf Resonanz stoßen würde, war schon von vornherein klar. Aber mit diesem Ansturm hatten selbst die Organisatoren nicht gerechnet. Rico Meißner / rmr1

Noch vor Beginn dessen, was man vielleicht als "Schulschließungszeremonie" beschreiben könnte, mussten weitere Sitzmöglichkeiten organisiert werden. Einwohner, ehemalige Schüler, Mitarbeiter und viele, denen das Thema am Herzen liegt, waren am Samstag auf den Schützenplatz gekommen, um nach über einhundert Jahren das Ende "ihrer" Schule angemessen einzuleiten. Hintergrund sind die zu geringen Schülerzahlen, die den Weiterbetrieb von zwei Schulen in Uebigau und Wahrenbrück nicht rechtfertigen würden. Das Ganze wurde eine Mischung aus Volksfest- und Beerdigungsstimmung. Das dabei die Emotionen hoch kochten, war absehbar.

In Vertretung des Ortsvorstehers Ulrich Jachmann übernahm es der Stadtverordnete Delf Gerlach, die einleitenden Worte zu sprechen. "Die Initiativgruppe hatte sich den Erhalt der Schule auf die Fahne geschrieben. Auch wenn das nicht erreicht werden konnte, sollte doch wenigstens für einen vernünftigen Abschluss gesorgt werden", so Gerlach. "Sicherlich haben fast alle hier Anwesenden diese Schule besucht und aus allen von uns ist etwas geworden. Es ist einfach nur traurig, das zu erleben." Gleichzeitig bedauerte er, dass es im Vorfeld der Veranstaltung zu Missverständnissen gekommen sei. "Mit Schließung der Schulküche sei nur gemeint gewesen, dass das Wort Schule dann fehl am Platz ist. Das war wohl missverständlich. Die Hortschließung findet zwar nicht im Juli, sondern erst im August statt, aber das ist ja dann auch belanglos." Was die angebliche Untersagung der Nutzung des Schulgeländes betrifft, meinte Gerlach, dass es in der Tat nicht verboten wurde. "Aber, immerhin wäre eine solche Veranstaltung eigentlich Sache der Verwaltung oder der Schule selbst gewesen. So wie man mit uns umgesprungen ist, wollten wir einfach nicht wieder fragen." Neben einer Filmvorführung war auch eine kurze Rede von Ernst Münster Teil der Zeremonie. Beginnend im 16. Jahrhundert schlug er einen Bogen bis zu diesem Wochenende. Alle einschneidenden Ereignisse, von schweren Verwüstungen im Mittelalter bis hin zu An- und Neubauten in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts fanden ihren Platz. Unter breiter Zustimmung gab es am Ende scharfe Kritik am Schließungsbeschluss durch die Stadtverordnetenversammlung und an der Haltung des Bildungsministeriums in Potsdam: "Heute erleben wir den traurigen Beweis, dass die Vereinigung der Städte Uebigau und Wahrenbrück noch nicht gelungen ist. Die Verantwortlichen sollen wissen, dass wir ihre Handlungen verurteilen." Auch Helmut Hoffmann, Geschäftsführer der Uesa GmbH, sieht den Tag als düsteres Fanal. "Wir haben als Unternehmen jetzt ein Riesenproblem. Hunderte Mitarbeiter haben wir hier am Standort. Wir werben um junge Kräfte, viele mit Familie. Nun können wir nicht einmal eine Schule vor Ort anbieten. Da sagen viele lieber ab." Auch weiterführender Fremdsprachenunterricht in Russisch, der für das Unternehmen wichtig ist, werde im Umkreis unzureichend geleistet. Das, was in Uebigau jetzt passiert, fasste er so zusammen: "Würden wir in der Wirtschaft auch so arbeiten, gäbe es uns schon lange nicht mehr." Zu den Klängen des "Kleinen Trompeters", gespielt von Alex und Stanley Petrov, wurde unter Anteilnahme des gesamten Publikums auf dem Schulhof dann die Fahne der Stadt eingeholt. An ihrer Stelle wehte im Anschluss ein schwarzes Tuch.