Von Sylvia Kunze

Entschleunigen, die Tage etwas ruhiger angehen — hat sich Andreas Claus vorgenommen, als er sich im Frühjahr entschloss, nicht noch einmal für das Bürgermeisteramt in Uebigau-Wahrenbrück zu kandidieren, nachdem bildlich gesprochen die Motorkontrollleuchte bei ihm angegangen war. Nun, das Gangrunterschalten muss er wohl erst lernen. Der Wecker hat jedenfalls auch am Mittwochmorgen wieder geklingelt und im Hause Claus den nächsten Tag eingeläutet. Frau Antje ist Lehrerin und muss zur Schule, die Ferien sind bekanntlich vorbei. Andreas Claus selbst hatte noch „viel nachzuarbeiten“ und war deshalb seit dem frühen Morgen auf den Beinen.

So nimmt das neue Leben des Mannes, der bis zum Tag zuvor noch parteiloser Bürgermeister der Stadt Uebigau-Wahrenbrück war, seinen Lauf. Die Geschenke, die er Dienstagabend bei der feierlichen Verabschiedung in der „Louise“ in Domsdorf erhielt, schmücken das Haus und halten die bewegenden letzten Stunden im Amt in Erinnerung.

Mehr als 150 Gäste zur Verabschiedung

Mehr als 150 Gäste waren gekommen, um dem scheidenden Bürgermeister für seine in den 16 Dienstjahren geleistete Arbeit zu danken und ihm Gesundheit, Glück und Erfolg fürs weitere Leben zu wünschen.  Dazu gehörten Politiker aller Ebenen ebenso wie Abgeordnete, Ortsvorsteher und Kameraden der Stadt sowie Vertreter aus Wirtschaft und Gesellschaft.

Dazu gehörten aber auch viele nette Worte, persönlich überbracht oder öffentlich gemacht in kleinen Grußworten. So erinnerte Roland Schrey, Hauptamtsleiter in Uebigau-Wahrenbrück und damit rechte Hand des Bürgermeisters, daran, dass Claus nicht nur die zwei Wahlperioden an erster Front stand, sondern auf 30 Jahre Kommunalpolitik im Ehren- und im Hauptamt zurückblicken kann, in denen er „viele Baustellen“ in der Stadt, in der Verwaltung und der Kurstadtregion begleitete. Mit Blick auf die gewünschte Genesung verordnete er ein Ärztetrio: Dr. Essen, Dr. Ruhe und Dr. Fröhlich.

Herold Quick, Bürgermeisterkollege in Falkenberg und erneut als Sprecher der Kurstadtregion unterwegs, würdigte den „wesentlichen Beitrag“ von Andreas Claus „zur Gründung der Verbandsgemeinde Liebenwerda“. Sie trage auch dessen Handschrift. Als gelernter Kfz-Mechaniker verstehe er nur zu gut, was es bedeute, wenn die Motorkontrollleuchte angehe, bekräftigte er die „richtige Entscheidung“ des Kommunalpolitikers.

Den lobenden Worten schlossen sich unter anderem die SPD-Landtagsabgeordnete Barbara Hackenschmidt, Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden und Mathias Zimmermann, Geschäftsführer Naturschutzpark Lüneburger Heide, an.  Bis dann nach einem Bilder-Rückblick, den Antje Claus aus 6000 Ordnern und 150 000 auf dem Computer gespeicherten Bildern zusammengestellt hatte, Andreas Claus selbst zu Wort kam.

Claus sieht Geleistetes als Teamleistung

In Anlehnung an einen einst vom Bönitzer Unternehmer Manfred Predl gesprochenen Satz, „So viel Honig kann man gar nicht vertragen“, bedankte sich der scheidende 1. Mann der Stadt bei allen, die ihm in den Jahren zur Seite gestanden haben: „Ich bin gerührt, wie viel Achtung und Ehre mir entgegenkommt. Sicher braucht es einen Vorturner, aber immer auch Menschen, die mit tun.“

 „Ich lehn’ mich zurück“, hatte Tabea Geiß aus Beiersdorf in ihrer musikalischen Einleitung besungen. Ob dem quirligen Wildgruber das gelingt, bleibt abzuwarten. Schließlich endete die Bilderpräsentation seines Bürgermeisterlebens mit dem Satz: „Es ist nie zu spät für einen Neuanfang“. Man darf gespannt sein, wann, wo und wie Andreas Claus wieder auf der aktiven Bildfläche erscheint. Denn die Antwort blieb er trotz mehrmals wiederholter Frage bis zum Schluss (noch) schuldig. Aber er versprach: „Ich bleibe meiner Stadt verbunden, auch über das Bürgermeisteramt hinaus.“

Die Arbeit für den Neuen läuft an

Das Zurücklehnen dürfte indessen für Delf Gerlach erst einmal passé sein. Einen Wecker hat der Frühaufsteher nicht gebraucht. Er habe gut geschlafen, aber er habe auch seine Zeit, zu der routinemäßig  Aufstehen angesagt ist. Der Mann mit dem FPD-Parteibuch in der Tasche hat den ersten Tag im Bürgermeisteramt „noch relativ entspannt“ verbracht. „Ich wurde herzlich begrüßt und habe im Hause erste Gespräche mit den Fachämtern geführt.“ Die eigentliche Arbeit, vermutet er, wird sich schnell genug auf seinem Tisch auftürmen.