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| 15:32 Uhr

Uebigau-Wahrenbrück
Sie wollen auf den Bürgermeisterstuhl

 Wer von den beiden Herren zieht als nächster hauptamtlicher Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück ins Rathaus ein und tritt die Nachfolge von Andreas Claus (parteilos) an: Thomas Lehmann (l./CDU) oder Delf Gerlach (FDP)?
Wer von den beiden Herren zieht als nächster hauptamtlicher Bürgermeister von Uebigau-Wahrenbrück ins Rathaus ein und tritt die Nachfolge von Andreas Claus (parteilos) an: Thomas Lehmann (l./CDU) oder Delf Gerlach (FDP)? FOTO: LR / Sylvia Kunze
Uebigau-Wahrenbrück. Wenn am 26. Mai Kommunalwahlen sind, dann ist in Uebigau-Wahrenbrück auch ein Nachfolger für Bürgermeister Andreas Claus (parteilos) zu bestimmen, der nicht erneut kandidiert. Zwei Bewerber sind im Rennen: Thomas Lehmann (CDU) und Delf Gerlach (FDP). Was treibt sie an? Was wollen sie für die Stadt erreichen? Die Rundschau hat nachgefragt:

Warum kandidieren Sie?

Thomas Lehmann: Wir haben acht erfolgreiche erste Jahre von Andreas Claus erlebt. Leider waren die folgenden acht Jahre nicht mehr so von Kontinuität geprägt. Auch die Prioritätensetzung war nicht mehr akzeptabel. Es sollte kein „Weiter so“ mehr geben, weshalb ich mich zur Kandidatur entschied.

Delf Gerlach: Ich bin seit 2014 Stadtverordneter und die ersten zwei Jahre sehr euphorisch an die Aufgabe herangegangen. Leider waren die letzten zwei Jahre in vielerlei Hinsicht ernüchternd. Manche Entscheidung wurde aus meiner Sicht recht willkürlich getroffen. Wir haben in der Ortsgruppe lange nachgedacht: Ortsvorsteher oder möglicher Gegenkandidat für Andreas Claus. Letztlich habe ich die Papiere zur Bürgermeisterkandidatur eingereicht.

Warum sollten die Bürger für Sie stimmen?

Delf Gerlach: Ich arbeite seit fünf Jahren als Stadtverordneter, bin in Uebigau geboren und habe mich viel für die Stadt eingesetzt. Nicht nur mit Worten, sondern auch tatkräftig.

Thomas Lehmann: Ich bin seit 1998 Abgeordneter und sozusagen mit ein Gründungsvater der Stadt Uebigau-Wahrenbrück. Ich habe seitdem alle Höhen und Tiefen mit erlebt und bin mit vielen Problemen in den Ortsteilen konfrontiert worden. Durch meine Arbeit als Kreistagsvorsitzender habe ich auf kommunalpolitischer Ebene Wege ebnen können und den Umgang mit den übergeordneten Stellen im Land kennengelernt. Die Hemmschwelle, bei irgendwem vorstellig zu werden, ist bei mir sehr gering.

Welche Herausforderungen sollen nach dem Amtsantritt im August zuerst angegangen werden?

Thomas Lehmann: Eigentlich bleiben gerade mal gut 100 Tage im Amt, bevor die Verbandsgemeinde ihre Arbeit aufnimmt. Der Haushaltsplan ist fertig und gibt den Handlungsrahmen vor. Das Jahr ist mehr oder weniger schon gesungen. Dennoch ist es wichtig, die neu gewählten Abgeordneten in die 21 Ortsteile zu führen und für deren Probleme zu sensibilisieren. Sie müssen Verständnis für die Probleme in den Orten entwickelt und zu einem Team werden. Noch so eine Runde, wie in der zu Ende gehenden Wahlperiode, kann die Stadt sich nicht leisten. Außerdem will ich eine kraftvolle Stimme für die Stadt in der sich zu bildenden Verbandsgemeindeverwaltung sein.

Delf Gerlach: Richtung Verbandsgemeinde ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Nur ein Bruchteil der Einwohner hat davon Kenntnis. Das haben viele Gespräche im jetzigen Wahlkampf gezeigt. Auch in der Verwaltung muss bald Klarheit herrschen, wer denn wofür zuständig ist. Und dann muss geschaut werden, was steht in diesem Jahr in der Stadt noch an und was steht vielleicht noch gar nicht so richtig auf der Tagesordnung und müsste ebenfalls Berücksichtigung finden.

Was sollte sich Ihrer Ansicht nach in den nächsten Jahren in der Stadt ändern?

Delf Gerlach: Wir müssen uns personell etwas mit dem Bauhof einfallen lassen. Vier Mann für 21 Ortsteile reichen nicht. Da muss es zukünftig eine andere Lösung geben, denn in einigen Ortsteilen ist man mit deren Aussehen sehr unzufrieden. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Thomas Lehmann: Das sehe ich nicht anders. Allerdings ist mir das Ändern der Hauptsatzung ein ebenso großes Anliegen — speziell die Passage Ortsvorsteher/Ortsbeiräte. Ortsbeiräte sollten wenigstens für die nächste Wahlperiode möglich werden. Beziehungsweise möchte ich gern, soweit es gesetzliche Rahmenbedingungen zulassen, eine Art Übergangslösung schaffen. Und was auch passieren muss: Es muss mindestens einmal im Jahr in jedem Ortsteil eine Einwohnerversammlung geben, bei der auch die Fachämter mit vor Ort sind und gemeinsam mit den Bürgern vor Ort eine Prioritätenliste erarbeiten.

Was sollte unbedingt erhalten bleiben?

Thomas Lehmann: Wir sollten, wie schon begonnen, weiter kontinuierlich an den Investitionen in den Brandschutz dranbleiben. Da ist der Bürgermeister als zukünftiges Mitglied der Verbandsgemeindeverwaltung gefragt.

Delf Gerlach: Das kann ich nur unterstreichen. Außerdem sollte an der Unterstützung der Kinder und Jugendlichen sowie am Erhalt unserer drei Kitas gearbeitet werden.

Wenn von Stärkung des Ehrenamtes und Unterstützung der Vereine die Rede ist. Was fällt Ihnen da konkret ein?

Delf Gerlach:  Vereine und Ehrenamtliche haben im Wesentlichen die Ortsteile mit zu dem gemacht, was sie heute sind, obwohl sie finanztechnisch immer am untersten Level gehalten wurden. Das verdient endlich einmal eine ordentliche Ehrung — und zwar für das gesamte Stadtgebiet. Das gehört sich einfach. Wie auch ein Neujahrsempfang überfällig ist. Den haben wir in der Stadt schon seit einigen Jahren nicht mehr auf die Reihe bekommen.

Thomas Lehmann: Ich finde es gut und richtig, dass auf Verbandsgemeindeebene für den sozialen und ehrenamtlichen Bereich eine richtige Stelle geschaffen werden soll. Ich bin der Überzeugung, dass die echt helfen kann, ob beim Beantragen von Fördermitteln oder bei rechtlichen Fragen in Bezug auf Finanzamt oder andere Behörden. Das Ehrenamt braucht einen aussagefähigen Partner und eine adäquate Unterstützung für die Leistung, die es in der Kommune erbringt. Allein mit einer Ehrung ist es nicht getan.

Sie kennen die Kandidaten für die neu zu wählende Stadtverordnetenversammlung. Mit welchen Erwartungen starten Sie in die neue Amtsperiode?

Thomas Lehmann: Ich setze sehr große Hoffnungen in das neue Parlament und sehe viele junge Gesichter. Die Kandidaten, die ich schon kenne bzw. kennenlernen durfte, sind Feuer und Flamme, neue Gemeinsamkeiten für unsere Stadt zu finden — unabhängig von Parteizugehörigkeit oder Wählergruppen. Sie sind bereit, gesamtstädtisch zu denken.

Delf Gerlach: Das sehe ich ähnlich. Man merkt, dass die Leute es wollen, dass die Stadt wieder mehr zusammenwächst und der Graben verschwindet. Deshalb sehe ich eine gute Chance voranzukommen.

Wie geht es nach dem 1. Januar 2020 mit Bildung der Verbandsgemeinde für Sie weiter? Haben Sie „Häuptlings­ambitionen“?

Delf Gerlach: Nein. Ich will eine starke Stimme für die Stadt sein und bleiben. Aber weitere Ambitionen habe ich nicht.

Thomas Lehmann: Ich bleibe bei meiner Aussage. Für mich ist der Falkenberger Bürgermeister Herold Quick für diese Stelle gesetzt. Meine Stimme würde er bekommen.

Worin unterscheiden Sie beide sich am deutlichsten?

Thomas Lehmann: Es mag hart klingen, aber ich glaube, ich bin teamfähiger.

Delf Gerlach: Klar, Thomas hat auch durch den Kreistag einen kommunalpolitischen Erfahrungsvorsprung. Aber ich sehe es als Chance voranzukommen, wenn man an Themen und Vorhaben auch mal mit neuen Leuten herangeht.

Was möchten Sie als „Spezialität“ von Uebigau-Wahrenbrück unbedingt erhalten?

Delf Gerlach: Die Jugendherberge. Überall in der Region wird nach Übernachtungsmöglichkeiten gesucht. Hier sind welche. Da haben wir ein Alleinstellungsmerkmal. Deshalb sollten wir unbedingt an dem Baupaket dranbleiben, das beschlossen ist. Und das Haus sollte dauerhaft in städtischer Hand bleiben.

Thomas Lehmann: Richtig, das Schloss muss in städtischer Hand bleiben. Selbst ein Betreibermodell mit einem Pächter würde nicht funktionieren, höchstens, wenn es komplett saniert ist. Für einen Eigentümerübergang bin ich nicht zu haben — zumal auch Schloss und Park als Einheit öffentlich zugänglich bleiben müssen. Aus meiner Sicht es es auch immens wichtig, die Vielfalt in den Ortsteilen zu erhalten und zu unterstützen, die fast überall von funktionierenden Verantwortungsgemeinschaften getragen und vorangebracht werden.

Wenn Sie bei der Bürgermeisterwahl unterliegen, stehen Sie dann für die im nächsten Jahr folgende Wahl als Kandidat für den Bürgermeister im Ehrenamt zur Verfügung?

Thomas Lehmann: Ich kann es mir zeitlich kaum vorstellen, dieses Ehrenamt neben meinen anderen Tätigkeiten noch zusätzlich auszuüben.

Delf Gerlach: Bei mir wäre es zeitlich genau so eng, weshalb ich es mir auch kaum vorstellen kann.

Es fragte Sylvia Kunze.