ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:00 Uhr

Hegegemeinschaft Hohenbucko - Rocherauer Heide
Wolf, Schweinepest und verantwortungsvolle Hege

Andreas Polz, Vorsitzender der Hegegemeinschaft.
Andreas Polz, Vorsitzender der Hegegemeinschaft. FOTO: Sylvia Kunze
Schlieben. Die Trophäenschau in dieser Woche in Lebusa ist Anlass, über aktuelle Themen der Jägerschaft zu sprechen.

Die Mitglieder der Hegegemeinschaft Hohenbucko - Rochauer Heide ziehen regelmäßig Bilanz, in diesem Jahr mit einer Trophäenschau vom 28. Februar bis zum 3. März. Über welche aktuellen Themen man sprechen muss, darüber hat Vorsitzender Andreas Polz im Interview Auskunft gegeben.

Mit welchen Problemen muss man sich aktuell befassen?

Polz: So mancher mag es vielleicht schon gar nicht mehr hören: Es geht um den Wolf. Seitdem er im Gebiet ansässig ist, wird die Jagd zunehmend schwieriger. Darüber ist schon viel berichtet worden. Reh- und Rotwild ist meist nur noch in großen Sprüngen bzw. Rudeln unterwegs. Treffen diese auf landwirtschaftliche Flächen, ist der Schaden, der dabei entsteht, gleich richtig massiv. Auch weil das unruhige Wild viel zertrampelt. Beim Schwarzwild ist es ähnlich. Nur kommt bei dem dazu, dass es zunehmend aggressiver zu Hunden wird. Früher hat es die Flucht ergriffen, wenn der Jäger und sein Hund durch den Wald pirschten. Heute geht es eher gleich zum Angriff über. Und das Muffelwild ist inzwischen komplett weg. Auch daran hat der Wolf Anteil.

Das Spannungsfeld wird damit immer größer.

Polz: Das ist richtig. Wer sich der Jagd verschreibt, der muss vielen Ansprüchen gerecht werden. Da geht es nicht allein um die Jagd schlechthin, sondern da steht die Hege des Waldes und des Lebensraums mindestens gleichauf, wenn nicht sogar an oberster Stelle. Denn ohne Lebensraum gibt es letztlich auch kein Wild.

Was macht verantwortungsbewusste Hege aus?

Polz: Ein Mitglied unserer Hegegemeinschaft, Willi Schmidt, ist als Natur- und Lebensraumbewerter auf Achse. Der ehemalige Revierförster geht dabei ganz akribisch an seine Arbeit. Er nimmt sich systematisch Fläche für Fläche vor und beantwortet dabei unter anderem solche wichtigen Fragen wie: Was ist das für ein Lebensraum? Wie ist er entwickelt? Was bietet er? Wie sind die Bodenstandorte? Was wächst an kleine  Pflanzen? Wie viel Wild verträgt der Bereich? Ist er einmal rundherum, beginnt er von vorn. Seine Einschätzung ist Basis für die jährlichen Abschusspläne der Reviere, die in der Hegegemeinschaft abgestimmt werden. Verantwortungsbewusste Hege ist aus meiner Sicht unbedingt auch, dass nur so bejagt wird, dass noch Wild am Leben bleibt.

Womit Sie ja bei der drohenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) und dem massiven Bejagen der Wildschweine ein Problem bekommen dürften.

Polz: Ja, das ist in der Tat so. Aus meiner Sicht ist die Abschussprämie, die es geben soll, ungeeignet, dem Problem zu begegnen. Der Jäger bekommt momentan auf dem gesättigten Markt mit etwas Glück gerade mal ein paar Cent für Wildschweinfleisch. Ich glaube nicht, dass da jetzt viel geschossen wird. Das beginnt erst ab dem 1. April, wenn die Abschussprämie greift. Noch dazu gibt es so viele andere Übertragungswege für die ASP. Da sollten unbedingt noch sehr viel mehr andere Vorsichtmaßnahmen zum Schutz vor der Seuche ergriffen werden. Warum wird nicht den Landwirten wie eine Art vorausschauende Entschädigung gezahlt, wenn sie ihre Schweineproduktion herunterfahren, Ställe leer lassen? Macht das nicht eher Sinn, als im Ernstfall hunderte Tiere zu keulen? Noch dazu hätte das Fehlen des Schwarzwildes in den Wäldern perspektivisch fatale Folgen auf die Jagdpacht.

Inwiefern?

Polz: Schwarzwild ist die sogenannte Brotfrucht der Jagd. Fehlt sie, verliert das Jagen seinen Reiz. Die Qualität des vorhandenen Wildes hat bereits deutlich abgenommen. Das Muffelwild fehlt ohnehin schon. Das Rotwild unterliegt sehr restriktiven Vorgaben. Das treibt die Pacht in den Keller. Im Schlimmsten Fall bricht sie ganz zusammen und Jagdgenossenschaften müssen Jäger gar noch bezahlen.

Mit Andreas Polz
sprach Sylvia Kunze.