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Traditionelles und Modernes – und ein volles Programm

Beim Töpfern ist Geschick gefragt. Es macht allen Spaß.
Beim Töpfern ist Geschick gefragt. Es macht allen Spaß. FOTO: rmr1
Herzberg. Dekorative Dinge sollen es werden. 14 deutsche und 14 russische Schüler der vorwiegend neunten Jahrgangsstufe sind dabei, sich im Gymnasium beim Töpfern kreativ auszuprobieren. Rico Meißner

Für zehn Tage sind die russischen Mädchen und Jungen aus Sankt Petersburg zu Gast in Herzberg. Es ist das mittlerweile vierte Jahr des Schüleraustausches. "Sie arbeiten jetzt gemeinsam an einem Projekt unter dem Motto - Traditionelles und Modernes", erläutert Susan Eichelbaum, Lehrerin für Russisch und Deutsch.

Und das hat eine breite Palette. "Die Schüler lernen beispielsweise traditionelles Handwerk kennen." Für das Moderne steht hingegen unter anderem der Potsdamer Platz in Berlin, den sie, einschließlich Stadtrundfahrt, schon besucht haben. Auch Leipzig befindet sich auf dem Besuchsprogramm. Natürlich darf im Jubiläumsjahr der Reformation eine Visite in Wittenberg nicht fehlen.

Bereits zuvor waren die Herzberger in Russland zu Gast. "Das Miteinander funktioniert super", so Eichelbaum. Die Verständigung erfolgt auf Russisch, auf Englisch oder mit Händen und Füßen. Das funktionierende Miteinander bestätigen auch die Schülerinnen Andrea Grey und Lena Bar. "Wir haben uns sehr auf den Besuch gefreut. Wir unternehmen sehr viel gemeinsam." Die ländliche Atmosphäre sagt den Großstädtern zu. "Hier können sie sehen, was als typisch deutsch gilt", lacht Marina Korolewa, Deutschlehrerin aus Sankt Petersburg. "Die kleinen Häuser, die Ordnung, Sauberkeit und Größe der Grundstücke, das gesellige Miteinander."

Politische Untertöne finden sich bei den Schülern nicht. Im Gegensatz zur Politik herrscht kein Misstrauen. "Es ist gut, dass es die Möglichkeit gibt, so zusammenkommen zu können", sagt Korolewa. "Das baut Vorurteile auf beiden Seiten ab. Wenn wir zurückfahren, dann haben die Mädchen und Jungen neben Vokabeln, auch ein anderes Bild von Deutschland im Kopf als vorher." Umgekehrt dürfte es genau so sein.

Eines ist der Lehrerin aufgefallen. Sie ist bereits zum vierten Mal mit einer Gruppe in Herzberg, davor war sie vor allem in den alten Bundesländern unterwegs. "Hier ist es anders", meint sie. "Die Menschen sind gastfreundlicher und nicht so distanziert." Korolewa nennt es "seelischer".