Für die Herzberger Theatertruppe „ScHERZBERer“ beginnt in Kürze die fünfte Spielsaison. Das neue Stück aus der Feder von Verlegerin Stephanie Kammer ist fertig. Die Proben laufen auch Hochtouren. Was erwartet das Publikum nach den Stücken „25 Millionen für Herzberg“ und „Rettet Reinhard“?

Herzberg

„Viel Amüsantes, und darunter auch der Bühnen-Beweis, dass Tarzan eigentlich nicht im Dschungel, sondern in Herzberg an der Elster zu Hause ist“, lässt Stephanie Kammer durchblicken. Eine handgemachte Kleinstadt-Komödie also.

Neues „ScHerzberger“ Stück führt in die 20er Jahre

Ein Wildling als eingeborener Herzberger? Das sei keinesfalls absurd, sondern den „ScHerzbergern“ voll und ganz zuzutrauen, so die Autorin. Nachdem im vergangenen Stück eine Samenbank zum Dreh- und Angelpunkt der Stadt und der ganzen Bundesrepublik gemacht worden ist, setzt die neue Konstellation um einen im Dschungel geborenen Jungen die Erzähltradition der Klamaukbühne fort.

Sie hat aber auch einen ernsteren Hintergrund. „Tarzan verkörpert einen brandaktuellen Widerspruch: Er ist Genie und Wildling zugleich. Er hält sich für kultiviert und verhält sich zugleich unkultiviert. Spricht viele Sprachen, lernt blitzschnell. Er ist anpassungsfähig und jagt zugleich zwanghaft die Katzen und Hunde der Herzberger, wie es sein Natur gegebener Instinkt ist, obwohl er beim alten Marx in Saus und Braus lebt. Die Analogie zum Menschen von heute, der noch nie versierter mit Technik und Umwelt umgegangen ist, ist beabsichtigt. Denn auch wir beuten Mitmenschen, Umwelt und den Planeten aus – plündern wie Tarzan – weit über unseren Bedarf hinaus. In sozialer Hinsicht sind wir nach wie vor Wildlinge. Trotz aller Bildung und guter Umgangsformen“, sagt Steffi Kammer.

Unerwartetes hat der Theaterspaß auch hinsichtlich des zeitlichen Hintergrundes zu bieten. „Wir haben gemeinsam mit allen Mitspielern überlegt, was im neuen Stück anders sein soll, als in den vorherigen. Deshalb haben wir festgelegt, dass niemand, wie bisher, sich selbst spielt. Zudem finden wir die Zeit vor 100 Jahren, also 1920er Jahre, sehr inspirierend. Es gibt Parallelen zum Hier und Jetzt. Auch treibt uns immer das aktuelle Geschehen vor Ort um. Was wird aus dem Botanischen Garten? Das war der Ausgangspunkt für unser neues Stück“, verrät Reinhard Straach, der diesmal in die Rolle des Herzberger Fabrikanten Wilhelm Marx schlüpft. Für Straach ist das nicht neu. Er hat in der Vergangenheit schon öfter als kostümierter Villenbesitzer Führungen im Botanischen Garten angeboten, um durch spielerische Lebendigkeit die Besucher zu fesseln. „Dass ich Wilhelm Marx spielen kann, freut mich besonders. Er war ein guter Mensch. Ich verehre ihn, denn der Botanische Garten ist sein Werk. Wie wir heute mit seinem Vermächtnis umgehen, ist eher traurig. Im Stück stellen wir ihn als widersprüchlichen Charakter dar. Die Kunst ist bekanntlich frei“, so Reinhard Straach.

„ScHerzberger“ Schauspieler tauchen in andere Welt ein

Als Tarzan tritt Christian Poser auf, der im vergangenen Jahr in seiner Rolle als Kanzlerin Merkel von sich reden gemacht hat. Der gelernte Buchhändler managt einen solchen Rollenwechsel mit der Routine eines Fahrkartenkontrolleurs der Deutschen Bahn. „Ich denke einfach nicht darüber nach, wie mein Spiel wirkt oder was der Zuschauer denkt. Ich tauche auf der Bühne ab, wie ein Kind beim Spiel im Sandkasten. Eine andere Welt, ein anderes Leben“, so Poser.

Auch Günter Schulze gehört wieder zum Ensemble, diesmal in einer Doppelrolle als Kannibale und als Bürgermeister Stubenrein. „Die Mischung macht’s“, scherzt der Mittsiebziger, der auch so manche Begleiterscheinung der Bühnenpräsenz schätzt. „Mich grüßen mehr junge Frauen auf der Straße, als je zuvor in meinem Leben“, grinst Schulze vergnügt. Ines Medenwald bestätigt ihm mit einem flotten Spruch, dass dies allen älteren Herren so gehe. Die Anzahl der jungen Frauen nehme mit steigendem Alter proportional nun mal zu, was ein klarer Vorteil des Älterwerdens für Männer sei. Ines Medenwald ist in diesem Stück als die bissige herrschaftliche Magd Minna und als reiche Tante Betty aus Amerika zu sehen – auch keine schlechte Mischung.

Drehbuchautorin Stephanie Kammer freut sich über diese ungewöhnlichen Konstellationen. Auch sie schlüpft in mehrere Rollen, bringt im neuen Stück auf der Bühne Tarzan zur Welt – und tritt am Ende zudem als Lulu Huflattich auf, ein verruchtes verwöhntes Weibsbild, das es auf den Fabrikanten Marx abgesehen hat.

Premiere wegen Corona verschoben

Welche unausweichlichen Handlungsstränge sich daraus entspinnen, darauf darf das Herzberger Publikum gespannt sein. Und sicher ist, dass auch die Herzberger wie gewohnt ihr Fett abbekommen. An Spitzen und verbalen Nadelstichen in alle Richtungen wird es keinesfalls mangeln, verspricht die Autorin.

Die Premiere des Stückes „Tarzan – ein Herzberger“ war eigentich für Freitag, den 24. April, vorgesehen. Wie die Theatergruppe am Mittwochmorgen informierte, wird sie wegen des Coronavirus aber verschoben. Ein Termin steht noch nicht fest. „Bereits gekaufte Karten behalten selbstverständlich ihre Gültigkeit“, sagt Stephanie Kammer.