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Teamwork in Herzberger Augenarztpraxis

Dr. Karen Falke (l.) hat die Praxis von Augenärztin Ulrike Hartenstein in Herzberg übernommen. Beide arbeiten jetzt gemeinsam in den umgebauten Räumlichkeiten in der Schliebener Straße.
Dr. Karen Falke (l.) hat die Praxis von Augenärztin Ulrike Hartenstein in Herzberg übernommen. Beide arbeiten jetzt gemeinsam in den umgebauten Räumlichkeiten in der Schliebener Straße. FOTO: Rudow
Herzberg. Ab Dienstag praktiziert mit Dr. Karen Falke eine neue Augenärztin in Herzberg. Sie hat die Praxis von Ulrike Hartenstein übernommen, möchte aber noch lange auf die Hilfe der erfahrenen Kollegin zurückgreifen. Beide arbeiten künftig gemeinsam in der Praxis in der Schliebener Straße. Birgit Rudow

Der Stress steht sowohl Ulrike Hartenstein als auch Karen Falke ins Gesicht geschrieben. Seit etwa vier Wochen werden die Praxisräume der Herzberger Augenärztin Ulrike Hartenstein in der Schliebener Straße umgebaut. Ende dieser Woche waren noch Handwerker am arbeiten, stehen Möbel und medizinische Geräte noch nicht alle dort, wo sie hingehören. Doch am Dienstag muss alles fertig sein, wenn der Praxisbetrieb wieder aufgenommen wird. Karen Falke hat zudem noch den privaten Umzug zu bewältigen. Erst Mitte der Woche ist sie aus Rostock nach Herzberg gezogen. Dass die 31-Jährige die Praxis von Ulrike Hartenstein übernimmt, ist ein glücklicher Umstand, aber bei weitem kein Zufall.

Karen Falke kommt aus der Region. In Nordhausen geboren, ist sie mit ihren Eltern als Achtjährige nach Torgau gekommen. Dort hat sie die Grundschule besucht und am Joe-Polowsky-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Beruflich ist Karen Falke sozusagen vorbelastet. Ihr Vater, der Augenarzt Dr. Jürgen Falke, betreibt eine Praxis in Riesa mit einer Außenstelle in Torgau. Mit Tochter Karen bildet er jetzt eine Gemeinschaftspraxis, zu der der Standort Herzberg hinzukommt.

Nach dem Abitur ist Karen Falke zum Studium nach Rostock gegangen und hat anschließend an der Uni-Augenklinik Rostock fünf Jahre lang ihre Facharztausbildung absolviert und dort eineinhalb Jahre als Funktionsoberärztin gearbeitet. "Auch wenn ich schon immer etwas gemeinsam mit meinem Vater machen wollte, fand ich es wichtig, die Ausbildung woanders zu machen, Erfahrungen zu sammeln und mich freizuschwimmen. Die Uni-Klinik hat meinen Horizont erweitert. Dort sieht man auch sehr komplizierte Sachen und verliert die Angst davor. Ich habe in Rostock sehr viel gelernt", sagt sie.

Auch wenn sie die Stadt an der Ostsee sehr mag, freut sie sich, "wieder zu Hause" zu sein. Ulrike Hartenstein kennt sie aus den freundschaftlichen Kontakten ihrer Eltern schon, seit sie Kind war. "Als Ulrike meinen Vater vor einiger Zeit gefragt hat, ob er nicht jemanden wüsste, der ihre Praxis in Herzberg übernehmen könnte, wenn sie mal in den Ruhestand geht, hat er an mich gedacht. Und ich habe zugesagt", erzählt Karen Falke. Schließlich wollte sie wieder zurück in heimatliche Gefilde, in die Nähe der Eltern und dichter zu ihrem Lebensgefährten, der Küchenchef im Hotel "Estrel" in Berlin ist.

Ab Dienstag führt die junge Augenärztin nun gemeinsam mit ihrem Vater eine überörtliche Gemeinschaftspraxis an den Standorten Riesa und Herzberg und der Außenstelle Torgau. "Insgesamt sind wir ein Team mit fünf Ärzten. Mein Vater arbeitet in Riesa noch mit Dr. Michael Hau stein aus Dresden und Herrn Said Deeb aus Damaskus zusammen. Wir nutzen alles gemeinsam. Ich kann in Torgau lasern und in Riesa operieren. Wir haben im Krankenhaus Torgau auch Belegbetten für stationäre Aufenthalte", sagt sie.

In die Herzberger Praxis hat Karen Falke zusätzliche diagnostische Geräte und ein Ultraschallgerät mitgebracht. Sie will eine Netzhautsprechstunde einführen und eine Sehschule für Kinder, zu der regelmäßig eine Orthoptistin kommt. "Wir möchten vieles machen, um den Patienten weite Wege in andere Einrichtungen zu ersparen", sagt sie. Ihr Vater wird jetzt für viele Dinge Zeit haben, zu denen er vorher nicht gekommen ist, so Karen Falke. In Herzberg werden Karen Falke und Ulrike Hartenstein zusammenarbeiten. Beim Umbau sind zwei Behandlungsräume entstanden. Offiziell ist Ulrike Hartenstein angestellte Ärztin der Praxis. Aber so will Karen Falke es nicht ausgedrückt wissen. "Wir sind Kollegen auf einer Ebene. Ulrike freut sich, dass ich neue Dinge mit einbringe, und ich freue mich, ihre Erfahrungen nutzen zu können. Sie muss mir ja erst einmal die Praxisabläufe beibringen", sagt die 31-Jährige. Und wenn Ulrike Hartenstein dann wirklich mal in den Ruhestand gehen sollte, sei sie selbst gut eingearbeitet, meint sie. Die Schwestern Daniela Zeisig und Cornelia Fellenberg hat Karen Falke übernommen. Hinzu werden noch zwei Schwestern aus Riesa kommen, die innerhalb der Praxisstandorte rotieren. Die Öffnungszeiten in Herzberg werden verlängert. "Ich gehe sehr motiviert in meine neue Praxis und freue mich auf die Patienten", sagt die Ärztin.

Die Stadt Herzberg, mitten im Fadenkreuz mehrerer Großstädte, findet Karen Falke "sehr sympathisch". Vor allem die Altstadt gefällt ihr. Und eins weiß sie jetzt schon: Sie wird es genießen, jeden Tag zu Fuß zur Arbeit gehen zu können.