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| 13:26 Uhr

Aus dem Gerichtssaal
Geplante Attacke des syrischen Friseurs

Das Bild um den versuchten Mord in einem Herzberger Friseursalon vervollständigt sich im Prozess vor dem Cottbuser Landgericht.
Das Bild um den versuchten Mord in einem Herzberger Friseursalon vervollständigt sich im Prozess vor dem Cottbuser Landgericht. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Cottbus/Herzberg . Im Prozess um den versuchten Mord an einer Friseurmeisterin aus Herzberg (Elbe-Elster) haben am Freitag ermittelnde Polizisten ausgesagt. Ihre Aussagen stützen das Bild einer geplanten Tat. Von Christian Taubert

„Warum hat du mich davon abgehalten.“ Immer wieder soll der syrische Friseur Mohammad H. am 28. Juni den Satz in arabischer Sprache wiederholt haben. Da lag er bereits gefesselt vor dem Friseur- und Kosmetiksalon am Boden, neben ihm sein ebenfalls gefesselter syrischer Freund Y. Im Obergeschoss des Salons soll Mohammad H. zuvor seine Chefin in Herzberg (Elbe-Elster) mit einem Rasiermesser attackiert und an Hals, Brust und Bauch verletzt haben.

Den immer wiederkehrenden Satz gibt eine junge Herzberger Polizistin zu Protokoll, die am Freitag als Zeugin vor dem Landgericht Cottbus im Prozess wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung gegen Mohammad H. ausgesagt hat. Die Polizistin war mit einem Kollegen zuerst am Tatort eingetroffen und hatte sich die arabischen Worte von einem „ausländischen Mitbürger“ übersetzen lassen. Ihr Kollege schildert im Zeugenstand, dass sich der Tatverdächtige offenbar nicht wegen der Fesselung oder aus Wut gegen die Polizisten immer wieder versucht habe zu wehren.

Ein Finsterwalder Kripo-Beamter, der nach der Begehung des Tatortes zum Opfer Ilona F. ins Krankenhaus gefahren war, bestätigt seine Angaben im Protokoll vom Tathergang. Im Krankenhaus habe ihm das Opfer gesagt: „Er hat versucht, mich umzubringen.“ Erst habe sie sich von Mohammad H. sitzend massieren lassen. Doch plötzlich habe sie ein Messer am Hals und den Schnitt gespürt. Ilona F. habe den Tatverdächtigen daraufhin weggestoßen und wollte wissen, was los sei. Daraufhin soll Mohammad H. erwidert haben, dass er mit ihr sterben und zu Allah gehen wolle.

Eine 39-jährige Friseurin schildert dem Gericht, dass sie mit viel Enthusiasmus einen neuen Salon mit aufgebaut habe, in dem auch Mohammad H. arbeitete. Nach einem guten Start hätten sich aber schnell Probleme ergeben. Vor allem sei der als Flüchtling nach Herzberg gekommene Syrer nicht mehr pünktlich zur Arbeit gekommen. Dies sei auch von Kunden bemerkt worden. Zudem habe er aus seinem Drogenkonsum nie ein Hehl gemacht. Da es aus Sicht der Zeugin, die Leiterin dieses Salons war, unter diesen Umständen nicht möglich gewesen sei, etwas aufzubauen, habe sie mit Chefin Ilona F. darüber gesprochen. „Sie hat gesagt, ich sollte Verständnis haben und Mohammad Zeit geben“, sagte die Herzbergerin.

Da sich die Situation aber eher verschlechterte, legte sie die Kündigung auf den Tisch, die Ilona F. jedoch nicht akzeptieren wollte und zerrissen hatte. Letztlich verließ sie dennoch den Salon. Als Mohammad H. davon erfuhr, sei er „ausgeflippt. Ich hatte schon Angst“. Wieder habe Ilona F. versucht, zu beschwichtigen. Davon berichtete auch eine 34-jährige weitere Friseurin, die den Angeklagten als unzuverlässig charakterisiert.

Er habe schon früh unter Alkohol oder Drogen im Salon und schweißgebadet am Kunden gestanden. Vor der Kundschaft hätte er damit geprahlt, Haschisch zu rauchen und Pillen zu nehmen. Die Friseurin habe darüber zwar mit der Chefin gesprochen. „Aber die hat ihn immer wieder in Schutz genommen“, erklärt die Zeugin, die seit einem Monat nicht mehr in dem Salon arbeitet.

Zwei bis drei Wochen vor der Tat habe die Leistung von Mohammad H. weiter abgebaut. „Er ging und kam, wann er wollte, hat Geld aus der Kasse genommen – er hatte Narrenfreiheit“, schildert die junge Frau. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters bestätigen beide Zeuginnen, dass es Annäherungsversuche ihnen gegenüber durch den Tatverdächtigen gegeben habe. Sie seien aber nicht auf das Flirten eingegangen, hätten ihn abgewiesen.

Der Prozess soll am 18. Januar fortgesetzt werden.