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Prozessauftakt am Landgericht
Angreifer mit Rasiermesser jetzt vor Gericht

Mohammed R. vor dem  Landgericht in Cottbus
Mohammed R. vor dem Landgericht in Cottbus FOTO: Christian Taubert
Cottbus. Was trieb Mohammed H. dazu, an einem Mittwochabend im vergangenen Juni seine Chefin mit einem Rasiermesser lebensgefährlich zu verletzen? Plötzlich und für die Inhaberin eines Kosmetik- und Friseursalons in Herzberg völlig unerwartet, soll er laut Anklage der Staatsanwaltschaft Cottbus der Frau in ihrem Laden in Hals und Brust gestochen haben, um sie zu töten. Von Simone Wendler

Ab 21. Dezember muss sich der Syrer deshalb vor dem Landgericht Cottbus wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. In den Vernehmungen der Staatsanwaltschaft Cottbus während der Ermittlungen soll er den lebensgefährlichen Angriff eingeräumt und sich auch zu den Motiven geäußert haben. Im Prozess könnten diese Erklärungen nun zur Sprache kommen und den Hintergrund der Tat erhellen, die bisher für Außenstehende unerklärlich scheint.

Denn Mohammed H. galt in Herzberg lange als ein Beispiel für einen Flüchtling, der dabei war, sich gut zu integrieren. Im Sommer 2016 hatte der Familienvater aus Damaskus angefangen, im Salon von Ilona F. zu arbeiten. Die Friseurmeisterin und ihr Mann vermieteten dem Geflohenen, der seine Frau und zwei Kinder aus Syrien nachholen wollte, sogar eine Wohnung im Haus.

Nach ein paar Monaten soll sich jedoch nach früheren Angaben des Ehemannes von Ilona F. das Verhalten des Syrers verändert haben. Er habe kaum noch Deutsch gelernt, habe Schwierigkeiten gehabt, sich im Laden unterzuordnen und auch der Nachzug seiner Familie habe nicht geklappt. H. habe regelrecht verbittert gewirkt und kaum noch etwas „auf die Reihe bekommen“.

Ilona F., will sich auf Anraten ihrer Anwältin nicht öffentlich äußern, bevor sie vor dem Landgericht als Zeugin ihre Aussage gemacht hat. Zwei Wochen nach der Tat hatte sie nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, dass es für sie keine Anzeichen gab, dass ihr Angestellter sie so attackieren könnte. H. sei ein super Friseur, die Kunden seien zunächst mit seiner Arbeit zufrieden gewesen. „Ich habe bis zuletzt daran geglaubt, dass das alles wird“, sagte sie im Sommer.

Damals beschrieb sie jedoch auch zunehmende Probleme mit Mohammed H., der nur unwillig in einen zweiten Laden nach Schönewalde gefahren sei. Er sei nicht mehr zuverlässig pünktlich gewesen und habe auch den privaten Kontakt zu ihr und ihrem Mann eingeschränkt.

Dass Ilona F. den Rasiermesserangriff überlebte, hat sie vermutlich nur einem anderen Syrer zu verdanken, der in der Nähe war, ihre Hilferufe hörte und den Angriff von Mohammed H. stoppte. Auch er wird als wichtiger Zeuge vor dem Landgericht aussagen.