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Friseur-Prozess
Syrer nach Angriff in Herzberg zu acht Jahren verurteilt

Der syrische Flüchtling Mohammad H. während des Prozesses am Cottbuser Landgericht.
Der syrische Flüchtling Mohammad H. während des Prozesses am Cottbuser Landgericht. FOTO: Ch. Taubert / LR
Cottbus. Nach dem Angriff mit einem Rasiermesser auf seine Chefin ist der Syrer Mohammad H. (39) am Montag vom Landgericht Cottbus zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Der Staatsanwalt hatte im Plädoyer zwölf Jahre Haft gefordert. Von Christian Taubert

Am Ende lag das Urteil des Gerichts zwischen der Forderung der Staatsanwaltschaft und jener der Verteidigung. Acht Jahre Haft wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung wurden es schließlich. Die Anklagepunkte wurden im Prozess weitgehend bestätigt.

Mohammad H. hat demnach am 28. Juni 2017 seine Chefin eines Kosmetik- und Friseursalons in Herzberg (Elbe-Elster) völlig unerwartet mit einem Rasiermesser attackiert und ihr Schnittwunden an Hals, Brust und Bauch zugefügt. Mehrere Zeugen und zwei Gutachter hatten im Verlaufe des Prozesses den vermeintlichen Tathergang geschildert. Der Cottbuser Psychotherapeut Dr. Jürgen Rimpel beschrieb zudem die psychische Situation des Tatverdächtigen und verwies auf die anfängliche Euphorie nach seiner Ankunft in Herzberg, aus der zunehmend Anpassungsstörungen geworden seien.

Auf das Verhältnis von Mohammad H. zu seiner Chefin Ilona F. eingehend schilderte der Experte, dass sie wie eine Mutter zu ihm gewesen sei und nahezu alle Wünsche erfüllte. Als Chefin habe sie aber auch viel von ihm verlangt, wozu er offenbar nicht in der Lage gewesen sei. Zu dem „komplexen Verhältnis“ habe auch eine Liebesbeziehung gehört. Der Gutachter gestand dem Beschuldigten im Ergebnis seiner Analyse keinerlei strafmildernde Umstände zu. Auch der Drogenkonsum vor der Messerattacke habe keine psycho-aktive Wirkung gehabt.

Strafmildernde Gründe lagen laut Urteil des Landgerichts damit nicht vor. Allerdings wurden die durch den Gutachter dargelegten Anpassungsstörungen berücksichtigt. Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden. Die Verteidigung denkt nach eigener Auskunft darüber nach.