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Reformation
Stück um den berühmten Sohn beendet Reformationsjubiläum

Die Mitwirkenden des Theaterstücks über Johannes Clajus.
Die Mitwirkenden des Theaterstücks über Johannes Clajus. FOTO: Sven Gückel
Herzberg. Mit dem Theaterstück über Johannes Clajus, das der Herzberger Kunstverein zum Reformationstag aufführte, endete in Herzberg das Reformationsjubiläum. Ein Jahr stand es in der Stadt im Fokus des öffentlichen Lebens. Von Sven Gückel

Mit bitteren Zeilen, in denen er sich über seine schlechte Behandlung und die Undankbarkeit der Herzberger des 16. Jahrhunderts beklagte, verließ Johannes Clajus die Stadt seiner Geburt. Und damit jenen Ort, der zu seinen Lebzeiten nie wirklich verstand, welches Potenzial in diesem Mann steckte. Johannes Clajus, ein Freund und Vertrauter Philipp Melanchthons, brachte Jahre später die erste deutsche Grammatik auf wissenschaftlicher Basis zu Papier und ebnete damit der deutschen Sprache und damit gleichsam Martin Luthers Ideen den Weg.

Jenem Johannes Clajus, der 1535 in Herzberg geboren wurde und 1592 in Bendeleben starb, widmete sich am Reformationsfeiertag im Bürgerzentrum Herzberg ein Theaterstück. Geschrieben von Dr. Heike Drobner-Dechering und initiiert unter Federführung des Kunstkreises Herzberg, fokussierte sich das Bühnenspiel auf jene Zeit, die Clajus als Erwachsener in Herz­berg verbrachte. Dabei verstanden es die Darsteller, Mitglieder des Kunstkreises und Herzberger Laienspieler, ihren 260 Zuschauern durchaus, den ernsten Hintergrund der Thematik zu vermitteln, ohne es an pointiertem Witz fehlen zu lassen. Allen voran Christian Poser in der Rolle des Clajus. Poser spielte sie überzeugend, wobei er sich stets im Einklang mit seinen engsten Mitspielern Dr. Heike Drobner-Dechering und Reinhard Straach befand. Drobner-Dechering, die eine der Ehefrauen Clajus’ spielte, überzeugte dabei nicht minder wie Straach, dessen Part die Rolle des Philipp Melanchthon und des Erzählers war. Für Unterhaltung im Saal sorgten aber auch Sophie Hammer als Moderatorin, die gespielte Marktszene oder der Einsatz eines Viehdoktors (Marco Hammer), der dem Bürgermeister der Stadt (Jens Ott) mit grobem Werkzeug einen schmerzenden Zahn entfernte.

Es kann durchaus als Glücksfall angesehen werden, dass der Kunstkreis Herzberg das Stück zur Aufführung brachte. Damit konnte der Reformationstag an seinem 500. Jubiläum auch in Herzberg angemessen gewürdigt werden. Komplettiert wurde die lebendige Geschichtsstunde durch eine kleine Ausstellung, die abseits des Theaterspiels über das Leben und Wirken von Johannes Clajus informierte.

Mit diesem Theaterstück des Kunstkreises ist das Festjahr zum Reformationsjubiläum in Herzberg zu Ende gegangen. Ein Jahr lang stand es im Fokus des öffentlichen und kulturellen Lebens in der Stadt. Herzbergs Kulturamtsleiterin Karin Jage ist mit dem Jahr vollauf zufrieden. „Es war ein kunterbuntes Jahr, in dessen Gestaltung alle Bevölkerungsschichten der Stadt einbezogen waren. Wir haben sehr viele Kontakte geknüpft und die Dinge unter vielen Blickwinkeln betrachten können. Das Jahr zum  Reformationsjubiläum war der Lohn für eine fast vierjährige intensive Vorbereitung“, sagt sie.

Den Auftakt gab vor einem Jahr die Gestaltung von Schaufenstern im Stadtgebiet durch die Schulen. Höhepunkt der zahlreichen Aktivitäten in Herzberg waren sicherlich die beiden Aufführungen des Reformationsspiel „Mein Licht - Der Aufbruch der Anna zu Herzberg“. Aber auch die Programme im Lutherstübchen, viele Stadtführungen, die Vorträge und Veranstaltungen von Ulf Lehmann, die Herausgabe seines Buches „Mit Luther und Melanchthon durch Herzberg“, der Kreiskirchentag, das Schauprägen der Münzfreunde, zahlreiche kleinere Aktivitäten in Schulen und in der Bibliothek, Konzerte oder die gemeinsame Ausstellung „Am Anfang war das Wort“ der Stadt Herzberg und des Kunstvereins Kreis Soest haben das Jubiläumsjahr ausgefüllt, zählt Karin Jage auf.

Mit dem Ende des Jubiläums wird die kulturelle Arbeit in der Stadt aber nicht in ein tiefes Loch fallen, ist sie überzeugt.  Es gebe schon viele neue Ideen, sagt Karin Jage.