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Stich um Stich zum Unikat

Ingrid Kultus arbeitet leidenschaftlich gern an Tischdecken und Läufern.
Ingrid Kultus arbeitet leidenschaftlich gern an Tischdecken und Läufern. FOTO: Anja Brautschek
Uebigau. Der Kreativmarkt in Plessa ist mittlerweile auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Rund 50 Kunsthandwerker zeigen am 5. November ihre Unikate. Viele davon sind schon seit Jahren dabei. Die RUNDSCHAU stellt in loser Reihenfolge einige der kreativen Köpfe vor. Heute: Ingrid Kultus und Rita Alsfeld aus Uebigau. Anja Brautschek

Stoffe und Garn sind das Metier von Ingrid Kultus. Dabei hat es ihr eine Technik ganz besonders angetan: Hardanger. Seit vielen Jahren ist die 74-Jährige von der skandinavischen Sticktechnik begeistert. Und mit ihrer Leidenschaft steckt sie auch Frauen aus ihrem Umfeld an. "Es ist eine ganz besondere Technik, die man nicht überall sieht", schwärmt Ingrid Kultus. Sie fertigt damit am liebsten Tischläufer und -decken an, die durch filigrane Stickmuster zu einzigartigen Exemplaren werden.

Dabei ist ein sehr genaues Augenmaß gefragt. Denn die Stiche müssen exakt in dem festen Leinenstoff sitzen, damit am Ende ein symmetrisches Muster entsteht. Erst dann entfaltet die Hardanger Technik ihre volle Schönheit. "Wenn ich daran arbeite, läuft weder Fernseher noch Radio."

Bis eine Tischdecke fertig ist, arbeitet Ingrid Kultus unzählige Stunden daran. "Das kann ich schon gar nicht mehr zählen", sagt sie lachend.

Zu dem Hobby kam sie durch ihre Schwester Rita Alsfeld. Sie ist gelernte Schneiderin und fertigt Patchwork-Arbeiten und Taschen aus Stoff an. Gemeinsam bieten die Schwestern ihre Handarbeiten jedes Jahr auf dem Kreativmarkt in Plessa an. Rita Alsfeld wohnt mittlerweile in Cuxhaven und reist für diese Veranstaltung extra ins Elbe-Elster-Land. "Wir freuen uns schon immer darauf und haben Spaß daran, gemeinsam kreativ zu sein", sagt Ingrid Kultus.

Denn ohne Handarbeiten geht es bei den Schwestern nicht mehr. Jeder Raum von Ingrid Kultus' Wohnung ist verziert mit selbst gestalteten Unikaten. Im Flur spendet eine selbst gemachte Lampe Licht. Hardanger Tischdecken zieren die Tische. Und auf dem Sessel wartet ein halb fertiger Handschuh darauf, vollendet zu werden. Rita Alsfeld hat sogar eine zweite Nähmaschine bei ihrer Schwester deponiert, damit sie auch bei Familienbesuchen in der Heimat nicht auf ihr Hobby verzichten muss.

"Wir haben schon viele Basteltechniken ausprobiert. Aber am liebsten arbeiten wir mit Stoff und Wolle", sagt Ingrid Kultus. Schon als junge Frau habe sie gestrickt. "Das habe ich von meiner Schwiegermutter gelernt. Sie hat viel und ständig gestrickt", erzählt die 74-Jährige. Westen, Pullover oder Socken hat sie für ihre Kinder gefertigt. Bis heute ist sie bei dieser Handarbeit geblieben und trifft sich regelmäßig in einem Strickclub mit Gleichgesinnten. Es ist diese Geselligkeit, die die Schwestern so begeistert. Man komme mit anderen ins Gespräch und erhalte Anregungen und Inspiration. Farbenfrohe Mützen und einzigartige Handschuhe aus Wollresten entstehen dabei.

Verkauft werden diese Strickwaren aber nicht. Die Socken, Mützen oder Handschuhe verschenkt Ingrid Kultus lieber an das Krankenhaus oder das Arbeitslosenzentrum in Herzberg. "Die leuchtenden Augen der Familien zu sehen, ist einfach toll", sagt sie.