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| 01:02 Uhr

Stasi-Unterlagenbehörde eröffnete ein Cottbuser Büro

Cottbus. Die Stasi-Unterlagenbehörde hat ein Cottbuser Büro bekommen: Die Außenstelle der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU) in Frankfurt/Oder öffnete am Dienstag eine neue Beratungsstelle in Cottbus.

Sie ist im Technischen Rathaus im Raum 3056 untergebracht.
Bereits am ersten Tag zählten die Mitarbeiter 53 Besucher. 30 davon stellten Erstanträge auf Akteneinsicht. „Dieses Interesse übersteigt unsere Erwartungen“ , sagte Außenstellenleiter Klaus Richter. „Dabei können die Bürger bereits seit 1992 solche Anträge stellen.“
Cottbus galt als Hochburg des DDR-Geheimdienstes. So kamen allein im Jahr 1986 auf einen Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) statistisch 119 Einwohner, doppelt so viele wie in Halle oder Leipzig. Allein aus dem Gebiet des ehemaligen Bezirkes Cottbus gingen nach Informationen der BStU-Außenstelle in Frankfurt/Oder bis zum 31. Dezember 2004 ungefähr 65 000 Anträge auf Auskunft, Einsicht und Herausgabe von Akten ein. Von diesen Anträgen seien mittlerweile 97,6 Prozent bearbeitet. Beispiel für die Sammelwut der Staatssicherheit: Mehr als 40 Prozent aller Antragsteller sind in den Karteien erfasst.
Das Stasi-Unterlagengesetz erlaubt Einsicht in die Akten. Stellen wie Parlamente, Gerichte und Strafverfolgungsbehörden fordern Stellungnahmen der BStU, auch wenn spezielle Akten vernichtet worden sind. Die BStU analysiert ausschließlich die Aktenlage, vergibt aber weder Persil- noch Schuldscheine.
Während des politischen Umbruchs 1989/90 wurden viele Akten durch Stasi-Mitarbeiter zwar gezielt vernichtet, doch im komplexen und streng organisierten Apparat des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gab es zahlreiche Mehrfachablagen. So wurden beispielsweise IM-Berichte in der Mitarbeiterakte und in der Be-troffenenakte abgelegt. Bei der Suche ist eine aufwändige Recherche notwendig. Das Ergebnis ist ein Berg von Aktenstücken. Daraus können mehr oder weniger deutliche Aussagen über das Verhältnis zwischen dem MfS und einer bestimmten Person gemacht werden. (pm/pk/rw)
Öffnungszeiten der neuen Beratungsstelle:
jeden letzten Dienstag im Monat von 9 bis 17 Uhr.