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Standort für Busbahnhof ist umstritten

Herzberg. Der neue Busbahnhof erregt in Herzberg die Gemüter. Vor allem Anwohner haben Bedenken. Die Stadt hat zur Info-Veranstaltung eingeladen. Birgit Rudow

Die Informationsveranstaltung der Stadt für Anwohner und interessierte Bürger zum Vorhaben Busbahnhof in Herzberg in dieser Woche würde kein gemütlicher Kaffeeklatsch werden. Das war klar. Zu viele Befindlichkeiten wurden schon im Vorfeld laut. Und so entwickelte sich im Bürgerzentrum dann auch eine heiße und intensive Diskussion.

Im Bereich Anhalter Straße/Falkenberger Straße/Kreismedienzentrum, also unmittelbar am neuen Standort des Herzberger Gymnasiums, soll ein Ersatzneubau für den Busbahnhof in der Rosa-Luxemburg-Straße entstehen: Acht Abfahrtstellen für Busse und ein Busstellplatz. Vielen Anwohnern, das zeigte die Diskussion, wäre es lieber, es würde dazu nicht kommen. Eine Woche zuvor erst hatte die Stadt an gleicher Stelle der Öffentlichkeit den Lärmaktionsplan für Herzberg vorgestellt. Aus diesem ging hervor, dass die Anwohner gerade in diesem Bereich der Anhalter Straße mit der Kreuzung Grochwitzer/Katharinenstraße dem Verkehrslärm besonders stark ausgesetzt sind. Auch, wenn die Stadt hier eine Straßensanierung plant und damit der Lärm gemindert werden soll, will es einigen Anwohnern nicht in den Kopf, dass man ihnen nun ausgerechnet dort einen großen Busbahnhof hinsetzt. "Nicht die Herzberger insgesamt stehen dem Vorhaben ablehnend gegenüber, sondern vor allem die Anwohner", sagt Bauamtsleiter Rüdiger Bader.

In der Diskussion gab es mehrere Alternativvorschläge für den Busbahnhofstandort. Dazu zählte der Umbau des alten Busbahnhofes in der Rosa-Luxemburg-Straße. Dagegen spricht, dass die Busse zu 75 Prozent von Schülern genutzt werden, sehr stark auch von denen des Gymnasiums. Die müssten dann durch die ganze Stadt laufen, um vom Bus zur Schule zu gelangen, so Bader. Ins Feld geführt wurde auch der Bereich am jetzigen Aldi-Markt. Hier unterliege man planungsrechtlichen Zwängen, erklärt der Bauamtsleiter. Der Flächennutzungsplan weise das Areal als Mischgebiet aus. Außerdem sei eine verkehrstechnische Anbindung sehr schwierig. Auch der Standort des ehemaligen Kreiskulturhauses stand zur Diskussion. Doch auch er eignet sich für das Projekt nicht.

Diskutiert wurden aber auch andere Aspekte. Zum Beispiel die Anlage der drei Bussteige im nördlichen Bereich an der Anhalter Straße, die einige Bürger nicht für sinnvoll halten. Ebenso müssten die Fußgänger und der Radfahrverkehr mehr berücksichtigt werden. Als Problem kristallisierte sich auch der Übergang von der Businsel über die Anhalter Straße zur Schule und umgekehrt heraus. Dass alle Schüler die Mittelinsel nutzen würden, hielten einige Bürger für wenig wahrscheinlich. Sie befürchten in den Stoßzeiten ein wildes Überqueren der Straße. Ein Zebrastreifen oder eine Ampel wurden zur Sicherheit vorgeschlagen. "Es gab viele sachliche Hinweise, über die man nachdenken muss. Aber es hat sich auch gezeigt, dass einige Wünsche der Bürger nicht mit gesetzlichen Forderungen in Einklang zu bringen sind. In einer 30er-Zone, die der Bereich des Busbahnhofes sein wird, sind Zebrastreifen zum Beispiel nicht zulässig", erklärt Rüdiger Bader.

Den Vorwurf einiger Anwesender, dass ihnen sowieso wieder eine fertige Planung vorgesetzt würde, weist der Bauamtsleiter zurück. "Bei dem Projekt sind viele Partner im Boot. In der Vorplanung hat es mehrere Varianten gegeben. Sie wurden im Bauausschuss diskutiert. Wir haben den Bürgern die Vorzugsvariante vorgestellt, wie es der Bauausschuss gefordert hat. Das ist eine Mindestanforderung", sagte er. Veränderungen in der Planung seien noch möglich, so Rüdiger Bader, der aber auch einräumte, dass sicher nicht alle Fragen der Bürger zu deren Zufriedenheit beantwortet wurden. Die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange und die Vorschläge der Herzberger würden jetzt geprüft. Erst dann beginne das formelle Verfahren. Das letzte Wort hätten die Stadtverordneten, so Bader.

Ziel sei es, im nächsten Jahr mit dem Bau zu beginnen. Zu dem Gesamtprojekt gehöre auch die Sanierung eines Teils der Torgauer Straße und des Kreuzungsbereiches Katharinen-/Grochwitzer Straße, was im Bürgerzentrum viel Zustimmung fand, sagte er. Grundvoraussetzung für den Bau sei aber in jedem Fall die Bereitstellung von Fördermitteln.

Die Stadt hatte zu der Informationsveranstaltung Fachleute verschiedener Bereiche eingeladen. So auch den Geschäftsführer der Verkehrsmanagement Elbe-Elster GmbH Holger Dehnert. Er erklärte, warum der Ersatzneubau des Busbahnhofes in Herzberg notwendig ist. Auf 34 Linien fährt die Gesellschaft im Landkreis 509 Haltestellen an. Das Fahrplanangebot umfasst fünf Millionen Kilometer im Jahr. Etwa 11 000 Fahrgäste werden täglich befördert. Das sind 2,4 Millionen im Jahr. Die Tendenz ist steigend. Drei Viertel der Fahrgäste sind Schüler, so Holger Dehnert.

Die Stadt Herzberg fährt der öffentliche Personennahverkehr mit neun Linien an und befördert in der Schulzeit täglich mehr als 1000 Fahrgäste. Die Haltestelle Anhalter Straße ist ein Knotenpunkt. Sie wird von allen neun Linien bei 178 Fahrten in der Schulzeit bedient. In den Spitzenzeiten früh, so der Geschäftsführer, kommen an dieser Haltestelle in 20 Minuten 18 Busse aus drei Richtungen an. Am Nachmittag fahren in 16 Minuten elf Busse in drei Richtungen ab, einschließlich Anschlusssicherung. Die Prozesse sind so optimiert, dass für einen Busplatz dort acht Abfahrtstellen und ein Abstellplatz für Busse reichen. Am alten Standort gibt es zwölf Abfahrtstellen und vier Abstellflächen.

Zum Thema:
Die Grafik zur diskutierten Vorzugsvariante der Stadt zeigt, wie der Busbahnhof angelegt ist. Von der Falkenberger Straße (unten) führt auf das jetzige Grundstück des Kreismedienzentrums eine Zufahrt zur Businsel, die nur Bussen vorbehalten ist. Auf der Businsel gibt es sechs Busstellplätze. Drei weitere befinden sich an der Anhalter Straße, zwei von ihnen grenzen direkt an das Schulgelände. Die Anhalter Straße bleibt eine "normale" städtische Verkehrsachse. Für den Busplatz muss die Falkenberger Straße künftig eher nach links in die Anhalter Straße einschwenken als derzeit. Dadurch entfällt der jetzt noch vorhandene Parkplatz. Dafür soll ein neuer Parkplatz rechts der Falkenberger Straße errichtet werden.