Mit einem durchschnittlichen Ertrag von 60,5 Tonnen Zuckerrüben pro Hektar wurde im Einzugsbereich der Zuckerfabrik Brottewitz erstmals die 60-Tonnen-Marke geknackt. Nach anfangs noch enttäuschenden Werten entwickelte sich auch der Zuckergehalt der gelieferten Rüben zufrieden stellend: Durchschnittlich 18,6 Prozent Zuckergehalt wurden im Verlauf der Kampagne gemessen – einer der besten Werte innerhalb der Südzucker AG. Insgesamt wurden in Brottewitz an 103 Kampagnetagen 623 100 Tonnen Rüben verarbeitet. "Das ist aus ökonomischer Sicht einsame Spitze im deutschen Südzucker-Gebiet", kommentierte Thomas Rothe, Geschäftsführer des Zuckerrübenverbandes, die hohe Auslastung des Standorts. Da die ursprünglich vorgesehene Kürzung der Zuckerquote nicht in Kraft tritt, ist die Auslastung der Zuckerfabrik Brottewitz vorerst auch für die kommenden Jahre gesichert. Damit bleibt in Südbrandenburg und großen Teilen Sachsens der Zuckerrübenanbau weiterhin rentabel. Einkommensverluste für die Landwirte sind dennoch zu erwarten. Der Rübenpreis sinkt schrittweise von bisher 43,63 Euro pro Tonne auf 26,30 Euro im Jahr 2009. Zugleich wird das Quotensystem umgestellt, über das Landwirte zur Produktion bestimmter Mengen an Zuckerrüben berechtigt wurden: Überschüsse zu produzieren, die bislang in den Export gingen, ist nicht mehr möglich. Zwar kauft die Südzucker AG den Landwirten auch über das vertraglich vereinbarte Maß erzeugte Zuckerrüben ab, die dann anderweitig verarbeitet werden (so genannte "Industrie-Rüben" zur Bioethanolerzeugung und ähnliches). Doch ist dies nur in begrenztem Umfang und zu einem relativ niedrigen Preis (16 Euro pro Tonne) möglich. Auch die Bezuschussung der Transportkosten wird verändert. Südzucker bezahlt jedem Landwirt künftig nur noch den Antransport der vertraglich vereinbarten Rübenmenge. Für "Industrierüben" trägt der Konzern lediglich 50 Prozent der Frachtkosten, maximal aber zwei Euro pro Tonne. "Überproduktion", die sich mitunter nicht vermeiden lässt, wird damit unrentabel, beträgt der Transportweg nach Brottewitz mehr als 40 Kilometer. Das ist ein Vorteil für Rübenanbauer aus der Region, wie die Agrargenossenschaft Mühlberg. Landwirte aus ferneren Regionen, etwa der Oberlausitz, müssen dagegen ihre Anbaupläne scharf kalkulieren, um möglichst genau die Vertragsmenge zu ernten. Trotz erwarteter Einkommensverluste seien die Zuckerrübenanbauer bei der Reform der EU-Zuckermarktordnung noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, konstatierte Thomas Rothe. Jedoch müsse die Entwicklung in der gesamten EU abgewartet werden: Würde die europäische Zuckererzeugung nicht auf ein erforderliches Maß sinken, könne die EU-Kommission eine Kürzung der Zuckerrübenquoten beschließen. Dann müsste auch im Brottewitzer Einzugsbereich neu gerechnet werden.