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| 02:44 Uhr

Staffel-Abwicklung ist wie ein Ende auf Raten

Oberst Uwe Seeburg (M.) nahm den vorerst letzten Führungswechsel der Heeresfliegerstaffel von Oberstleutnant Lutz Wagner (r.) auf Major Sascha Ferdinand vor.
Oberst Uwe Seeburg (M.) nahm den vorerst letzten Führungswechsel der Heeresfliegerstaffel von Oberstleutnant Lutz Wagner (r.) auf Major Sascha Ferdinand vor. FOTO: svg1
Holzdorf. Die Abwicklung der Holzdorfer Heeresfliegerstaffel schreitet weiter voran. Nach der endgültigen Einstellung des Flugbetriebs am 13. Januar dieses Jahres wurde nun auch Staffelkapitän Oberstleutnant Lutz Wagner von seinem Kommando entbunden. Sven Gückel/svg1

Fortan obliegt es seinem Stellvertreter Major Sascha Ferdinand, die Staffel bis zur endgültigen Auflösung im Dezember 2013 zu führen. Der Posten des Staffelkapitäns bleibt unbesetzt. Ob die vermeintliche Strukturreform der Bundeswehr samt ihrer Neuausrichtung wirklich das Ziel erreicht, das sie anstrebt, bleibt abzuwarten. Den meisten Soldaten jedenfalls hat sie kein Glück gebracht. Stellen und Dienstposten wurden gestrichen, Waffensysteme einfach an andere Dienstorte verschoben, Dienststellen und Verbände werden dicht gemacht. Diesen politischen Wirren fiel auch die Heeresfliegerunterstützungsstaffel 1 in Holzdorf zum Opfer.

Zehn Jahre nach ihrem Umzug von Cottbus nach Holzdorf steht ihr das endgültige Aus bevor. Ihre ehemals 15 Hubschrauber vom Typ BO-105 wurden bereits abgegeben oder werden noch entmilitarisiert und so für den Verkauf an private Nutzer vorbereitet. Das Personal, sofern möglich, wird an anderen Stellen untergebracht. Doch die sind rar.

Knapp 200 Soldaten dienten in Spitzenzeiten in der Holzdorfer Heeresfliegerstaffel. Aktuell sind es noch 121. Der Großteil von ihnen, so Oberstleutnant Lutz Wagner, wisse wie es weitergeht. Für 22 Männer, überwiegend Piloten, stehe die Verwendungsplanung aber noch aus. Eigentlich, so hatte der Minister der Verteidigung allen Soldaten versprochen, sollen Personalgespräche so schnell wie möglich über die Bühne gehen. An der Umsetzung hapert es.

Lutz Wagner gehört zu den Glücklichen, die wissen, wohin für sie die Reise geht. Der 45-jährige Wittenberger wechselt ins Ausbildungskommando Leipzig, wird dort im Fachbereich Heeresflieger tätig.

Letzter Staffelkapitän

Vor genau vier Jahren übernahm er das Kommando der Staffel. In ihrer Geschichte wird er der letzte sein. Denn mit seiner Entbindung vom Kommando, vorgenommen durch Oberst Uwe Seeburg, Kommandeur der Brigadeeinheiten in Fritzlar, wird der Posten nicht neu besetzt. Statt dessen wird Wagners Stellvertreter Major Sascha Ferdinand die Staffel bis zur endgültigen Auflösung führen.

Der 41-Jährige dient seit 2005 in Holzdorf und hätte sich zweifelsfrei eine andere Aufgabe gewünscht. Während die Rückführung des Materials ein fortlaufender Prozess ist, der bereits zu 65 Prozent abgeschlossen wurde, sieht er seine größte Aufgabe in der sicheren Unterbringung des verbliebenen Personals. Er will sich für jene stark machen, deren Zukunft noch ungewiss ist, aber auch die unterstützen, die mit einer für sie getroffenen Entscheidung nicht einverstanden sind.

Aktive Hilfe erfuhr die Staffel in jüngerer Vergangenheit durch das benachbarte Hubschraubergeschwader 64 und dessen Kommodore Oberst Frank Best. "Soweit dies möglich war, hat er freie Dienstposten am Standort Holzdorf mit Soldaten unserer Staffel besetzt", sagte Ferdinand.

Dass ein Staffelkapitän geht, ohne dass ein Nachfolger bereit steht, ist eine seltene Ausnahme, betonte beim Appell zum Kommandowechsel Oberst Seeburg.

Lobende Worte - ohne Trost

Die Staffel, die stets durch besondere Einsatzbereitschaft, aber auch 16 Jahre unfallfreies Fliegen überzeugte, stehe mit ihren Leistungen an der Spitze der fliegenden Verbände der Bundeswehr, fügte er an. Lobende Worte, die den verbleibenden Soldaten aber nur wenig Trost gespendet haben dürften.