Karin Petri versucht sich einen Plan zu machen. Einen Plan, wie man in kürzester Zeit einen Nachfolger einarbeitet. Aber wie soll das funktionieren? Wie soll sie das, was sie in den 28 Jahren, die sie nun schon in der Uebigauer Bibliothek gearbeitet hat, in nur wenigen Tagen weitergeben? Denn ihre Arbeit, so hat sie sie jedenfalls all die Jahre verstanden, besteht eben längst nicht nur darin, den Überblick über die vorrätigen Medien zu behalten und Ordnung zu bewahren, sondern sie hat die Bibliothek über die Jahre zu einem Motor in Sachen Kultur, Geselligkeit und Zwischenmenschlichkeit entwickelt.

Sie ist kein Typ für halbe Sachen

Als die gelernte Wirtschaftskauffrau vor 28 Jahren die Tätigkeit in der städtischen Ausleihe aufnahm, stand schnell für sie fest, dass sie keine halben Sachen machen will. Der nachträgliche Besuch einer dreieinhalbjährigen Fachschule für Bibliothekswesen war deshalb Pflicht. „Was ich angefangen habe, habe ich immer auch durchgezogen“, sagt Karin Petri. Das galt für die Fachschule ebenso wie später beispielsweise für eine Gästeführerausbildung oder jetzt erst unlängst den Erwerb einer Trainerlizenz. Denn die quirlige Frau ist und bleibt umtriebig. „Was andere können, können wir auch“ - ist ihre Maxime, die sie immer wieder antreibt.

„Bücherrüberreichen reicht beileibe nicht, um eine Bibliothek am Leben zu erhalten“, wird sie ihrer Nachfolgekraft gleich als Erstes mit auf den Weg geben. Projekte initiieren und Fördermittel akquirieren, um Lesen und Mediennutzung bei Klein und Groß in die richtige Richtung zu lenken sowie den kleinen kommunalen Etat aufzubessern, sind längst ganz normale Tätigkeiten geworden, die zu ihrer Arbeit dazugehören. Bibliothekarin zu sein, heißt für sie, zugleich auch Manager zu sein: „Ich habe mir über die Jahre immer und immer wieder die Frage gestellt: Wie vermarkte ich die Bibliothek weiter?“, berichtet Karin Petri.

Was alles zum Vermarkten einer Bibliothek gehört

Regelmäßige Vorleserunden, die Teilnahme an solchen Veranstaltungsreihen wie der LiteraTour durch Elbe-Elster oder auch Ein Landkreis liest und sogar den Berliner Märchentagen rechnet sie ebenso dazu wie die Kalendertürchen-Aktion in der Vorweihnachtszeit, die nun schon über mehrere Jahre läuft. Und dann kommt da ja noch dieses „Was andere können, können wir auch“ dazu. Das ist Motor für unzählige kulturelle und gesellige Einladungen, für die Karin Petri maßgeblich mitgesorgt hat.

„Ich mache das gern“, betont die Uebigauerin, „denn warum sollen die Leute erst weit wegfahren, um etwas zu erleben, wenn man das auch vor Ort organisieren kann“, sagt sie und hat die gut besuchten und beliebten Krimi-Dinner für Erwachsene und Kinder nach Uebigau gebracht, hat Musik und Genuss im Schlosspark zusammengebracht, hat Veranstaltung um Veranstaltung organisiert.

Arbeit am Veranstaltungsplan für 2020

Die ersten Termine sind für 2020 schon festgemacht. Selbst wenn sie dann nicht mehr in der Bibliothek arbeiten wird. „Doch ich helfe weiter mit“, verspricht sie und zählt dabei weiter auf die vielen Partner und Helfer, ohne die die Arbeit auch in den vergangenen Jahren nicht zu leisten gewesen wäre.

„Ich bin immer gern auf Arbeit gegangen, selbst wenn ich manchmal getobt habe wie ein Rohrspatz“, sagt sie rückblickend. Sie kann ja durchaus stolz auf das Geschaffene und die beachtliche Bilanz sein. Auch wenn die Nutzer der städtischen Ausleihe seit Jahren auf einem niedrigen Wert um die 300 rangieren, verzeichnet sie jährliche Entleihungen um die 7000 Medien (bei lediglich nur 19 Öffnungsstunden pro Woche). Hinzu kamen aber allein im Vorjahr 94 Veranstaltungen. In Spitzenzeiten hat sie es auf 120 gebracht. Alles zusammengerechnet beschert ein Jahres-Besucher-Aufkommen von rund 5000 Bücherlesern, Filmausleihern, Kulturgenießern und Geselligkeitsuchenden. Ihr schönster Lohn: „Wenn die Leute dann lobten: Das war super!“

Sorge, dass Bibliothek auf Dauer keinen Bestand haben könnte

„Aber manchmal habe ich schon gezweifelt, ob ich das alles schaffe“, bekennt Karin Petri. „Meine größte Sorge ist, dass die Bibliothek irgendwann zugemacht wird. Ich wünsche mir, dass die Leute weiter hierher kommen und die Bibliothek ein Zentrum der Stadt bleibt“, sagt sie. Und ergänzt mit Blick auf die jüngsten Falkenberger Bibliotheksentwicklungen: „Ich finde es gut, was Ehrenamt dort schafft. Die Uebigauer müssen aktiver werden“, mahnt Karin Petri, die Angebote vor Ort besser zu unterstützen. In jeder Hinsicht, denn „ich zähle schon seit geraumer Zeit leider mehr Auswärtige als Einheimische bei den Veranstaltungen“, berichtet sie.