ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:57 Uhr

Fussball
Wagner – Unglücksrabe und Punktgarant

Lindes Karl Wagner (Nummer 14) lässt sich herzen. In der Nachspielzeit traf er mit einem Verzweiflungsschuss zum 2:2.
Lindes Karl Wagner (Nummer 14) lässt sich herzen. In der Nachspielzeit traf er mit einem Verzweiflungsschuss zum 2:2. FOTO: FuPa Brandenburg
Kreisliga West. Schönewaldes Außenverteidiger spielt eine tragende Rolle beim 2:2 im Nachholspiel bei Kreisliga-Kellerkind Mühlberg. Von Sven Bock

Linde Schönewalde wartet weiter auf den Befreiungsschlag: Der Spitzenreiter der Südbrandenburger Kreisliga West sicherte sich zwar im Nachholspiel gegen das Kellerkind Empor Mühlberg einen späten Punkt, aber bleibt das vierte Spiel in Folge ohne Dreier.

So gingen beide Teams ins Spiel: Mit Empor Mühlberg und Linde Schönewalde standen sich am Samstag zwei Traditionsvereine aus Elbe-Elster gegenüber, die beide schon bessere Zeiten erlebt haben: Mühlberg gewann zur Wende die letzte Meisterschaft im damaligen Bezirk Cottbus und hätte sogar in die neugegründete NOFV-Oberliga aufsteigen können. 1993 gelang der Sprung ins Endspiel um den Brandenburger Landespokal. In der Folge gehörte Empor lange Jahre zum Inventar in der Landesliga.

Und auch die Linde sammelte in der Landesklasse höherklassige Erfahrung. Die Gegenwart heißt für beide Clubs nach schweren Jahren Kreisliga West. Schönewalde kann als Tabellenführer in dieser Saison aber wieder nach oben schauen. Für Empor geht es dagegen nur noch um den Klassenerhalt. Zuletzt zeigten die Mühlberger wieder ansteigende Form und gaben die Rote Laterne ab. Die Linde wartet dagegen vor dem Nachholspiel an der Elbe seit inzwischen drei Partien auf einen Dreier und büßte den Vorsprung zu den Verfolgern ein.

So fielen die Tore: Die Hausherren nutzten direkt die erste Gelegenheit in der 36. Minute zur Führung. Nach einem schnellen Gegenstoß zog Michael Kießling in den Linde-Strafraum, umkurvte schon Torhüter Eric Hollmig, aber zögerte etwas zu lange mit dem Abschluss. Nach einem kurzen Tänzchen düpierte der Mühlberger Angreifer aber den Schönewalder Schlussmann und einen weiteren Abwehrspieler auf der Linie und schob ins kurze Eck ein zum 1:0.

FOTO: LR / FuPa

Beim 2:0 war die gesamte Hintermannschaft der Gäste zu weit aufgerückt. Nach einem weiten Ball in den Rücken der Defensive gab Ralf Wiedemann die Kugel von der Grundlinie scharf vor das Linde-Tor. Schönewaldes Außenverteidiger Karl Wagner wollte den Querpass im Zentrum klären, aber lenkte ihn unglücklich mit dem Knie als Bogenlampe ins eigene Tor ab.

Dem Anschlusstreffer in der 78. Minute ging im Mühlberger Strafraum an Foul an Philipp Lehmann voraus. Nachdem in der ersten Hälfte Matthias Voigt an Empor-Keeper Christoph Janke scheiterte, versuchte es dieses Mal Toni Schmidt. Auch er konnte den Ball erst im Nachschuss im Tor versenken.

Unglücksrabe Karl Wagner wurde nach seinem Eigentor in der Nachspielzeit noch zum Punktretter. Sein Verzweiflungsschuss aus gut 23 Metern wurde in der 93. Minute für Janke unhaltbar abgefälscht und schlug im Mühlberger Tor ein.

Kellerkind gegen Spitzenreiter – ein rassiges Duell.
Kellerkind gegen Spitzenreiter – ein rassiges Duell. FOTO: FuPa Brandenburg

So verlief die Partie: Linde Schönewalde war bis zur überraschenden Fühung von Empor klar das dominierende Team. Mühlberg stand tief und konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Defensivarbeit. Der erste Treffer war die erste klare Aktion überhaupt der Gastgeber im gegnerischen Strafraum. Der Spitzenreiter dagegen vergab reihenweise beste Gelegenheiten. Alleine nach dem Rückstand hätten Voigt per Strafstoß, Benjamin Lange völlig freistehend per Kopf und erneut Voigt aus kurzer Distanz am langen Pfosten vorbei innerhalb von 60 Sekunden den Ausgleich erzielen müssen. Die Gäste bewiesen aber in der zweiten Halbzeit trotz des Zwei-Tore-Rückstandes Moral und gaben nie auf. Aufgrund des deutlichen Chancenplus des Tabellenführers geht das Unentschieden letztendlich in Ordnung, auch wenn der späte Ausgleich durch den abgefälschten Schuss für die aufopferungsvoll kämpfenden Mühlberger ganz bitter war.

Das sagen die Trainer

Matthias Schauer (Empor Mühlberg): „Mit der Leistung und der Einstellung bin ich top zufrieden. Aber heute haben wir zwei Punkte verloren. Wir wollten erstmal sicher stehen und Ruhe reinbringen und auf schnelle Konter setzen. Das hat uns auch in den letzten Spielen ausgezeichnet und liegt der Truppe besser. Wir haben dennoch in den letzten beiden Spielen vier Punkte verschenkt. Ich bin aber ziemlich optimistisch, dass wir uns kämpferisch da unten noch rausholen. Die ganze Truppe hat sich untereinander ausgesprochen und ist enger zusammengerückt. Jeder kämpft jetzt für jeden. Und man sieht, dass deswegen langsam auch der Erfolg zurückkommt.“

Torsten Lehmann (Linde Schönewalde): „Wir waren die bessere Mannschaft. Unser Zweikampfverhalten und der Spielaufbau waren besser als zuletzt gegen Schradenland. Das ganz große Manko aber ist die Chancenverwertung. Wir haben Gelegenheiten für zwei Partien. Das ist ärgerlich, denn dadurch haben wir in den letzten vier Spielen neun Punkte liegengelassen. Es ist wie eine Blockade, vielleicht haben die Jungs Angst vor der eigenen Courage. Sie müssen jetzt aber damit umgehen, dass sie die Gejagten sind.“