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| 17:36 Uhr

Flüchtlingshilfe
Shahlas Weg in ein ganz normales Leben in Herzberg

Seit dem Herbst 2016 unterstützt Bärbel Jentzsch aus Herzberg die junge Afghanin Shala Panah Zada auf ihrem Weg zum Erlernen der deutschen Sprach und zum Schulabschluss.
Seit dem Herbst 2016 unterstützt Bärbel Jentzsch aus Herzberg die junge Afghanin Shala Panah Zada auf ihrem Weg zum Erlernen der deutschen Sprach und zum Schulabschluss. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Herzberg. Mit der ehemaligen Lehrerin Bärbel Jentzsch hat sie eine Patin an der Seite, die ihr dabei hilft. Von Birgit Rudow

Shahla Panah Zada ist eine hübsche junge Frau, und die 20-Jährige hat genaue Vorstellungen davon, wie ihr Leben in Deutschland  aussehen könnte: weiter Deutsch lernen, den Schulabschluss schaffen und dann einen Beruf erlernen. Leicht wird das nicht. Doch mit der ehemaligen Lehrerin Bärbel Jentzsch hat die junge Afghanin eine Patin an der Seite, die sie unterstützt, und die überzeugt davon ist, dass Shahla es schaffen wird.

Der Verein „WELT in Elbe-Elster“  setzt auf engagierte Ehrenamtler als Paten und Lotsen für Familien, Kinder und Jugendliche. Bärbel Jentzsch hat schon einmal mit einer Flüchtlingsfamilie gearbeitet und 2016 mitgeholfen, Flüchtlingskinder, die keinen Kindergarten besuchen, auf die Schule vorzubereiten. Über das Zentrum vom „WELT“ e.V. in Herzberg hat sie auch Shahla und deren Familie kennengelernt. „Ich wusste, dass Shahla viel vor hat, und möchte ihr helfen“, sagt Bärbel Jentzsch. Obwohl sie am Anfang auch skeptisch war. Sie hat mit Flüchtlingen schon viel erlebt, auch Unzuverlässigkeit oder Unpünktlichkeit. Doch diese Gefahr besteht bei Shahla nicht. Im Gegenteil. „Ihr geht alles viel zu langsam. Man muss sie mahnen, immer einen Schritt nach dem anderen zu gehen“, sagt Bärbel Jentzsch.

Shahla stammt aus der Nähe von Kabul. Mit ihren Eltern, ihrem älteren Bruder und der kleinen Schwester ist sie im Dezember 2015 nach Deutschland gekommen. In Afghanistan habe ihr Vater bei der Nato, also der Bundeswehr, gearbeitet. Als er einen Unfall hatte, hat ihr Bruder die Aufgabe übernommen, später die Mutter, erzählt sie. „Man hat uns geraten, das Land zu verlassen“, so Shahla. In Herzberg gefällt es ihr gut. Schlechte Erfahrungen als Ausländerin hat sie noch nicht gemacht, sagt sie. Die Familie hat eine Wohnung, auch wenn diese eigentlich viel zu klein ist. Die 12-jährige Schwester geht in die Schule. Der Vater ist seit dem Unfall zum Teil gelähmt. Die Mutter kümmert sich um die Familie, hat mittlerweile auch einen Integrationskurs absolviert. Dem Bruder falle das Leben hier schwerer als ihr, erzählt Shahla. Es scheint, als lägen die Hoffnungen auf der zielstrebigen jungen Frau.

Sie hatte schnell begonnen, Deutsch zu lernen, hat einige Maßnahmen bei Bildungsträgern besucht und das B 1-Zertifikat gemacht, das ihr einen selbstständigen Umgang mit der deutschen Sprache bescheinigt. Auch einen Englisch-Kurs hat die 20-Jährige belegt. Bei Praktika im Krankenhaus, bei einem Arzt und im Pflegeheim hat sie weitere Erfahrungen gesammelt. Shahla möchte gern Arzthelferin werden, zumindest aber einen  sozialen Beruf erlernen. Doch dazu braucht sie einen Schulabschluss, ihr Abschluss aus Afghanistan wird nicht anerkannt. Sie hat sich dazu entschlossen, die 9. und 10. Klasse an der Volkshochschule zu absolvieren. Jeden Tag bis auf freitags fährt sie dazu früh mit dem Bus nach Finsterwalde. Am Anfang war Bärbel Jentzsch auch in der Schule an ihrer Seite. Jetzt nutzen beide die freien Dienstagnachmittage zum Üben, Formulare ausfüllen oder einfach zum Reden. Für die Freitage hat Bärbel Jentzsch einen Bekannten überreden können, mit Shahla Mathe zu üben. Die Zukunft der jungen Frau liegt ihr am Herzen. Und sie kennt auch Shahlas größten Wunsch: den Führerschein. Obwohl die junge Frau eigentlich Angst vor dem Autofahren hat. Aber dann könnten sie auch mit dem Vater mal irgendwo hinfahren, sagt Shahla.