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Semesterstart
Semesterstart für ältere Studenten

LR Online. Die Schliebener Vortragsreihe ist in die 19. Runde gestartet und stellt diesmal das Projekt „Leben und Wohnen im Alter“ vor. Seniorinnen und Senioren sind dazu aufgerufen, Stärken und Schwächen vor Ort aufzuzeigen. Von Sylvia Kunze

Schlieben. In Schlieben ist die Seniorenakademie in das 19. Semester gestartet. Die Basis der Vortragsreihe bildet das nun schon über Jahre anhaltende Interesse der älteren Generation. Die drückt zwar keine Bank in einem echten Hörsaal, aber Neuem und Wissenswertem sind die Damen und Herren auch auf dem ganz normalen Polsterstuhl im Drandorfhof aufgeschlossen. Dort finden die Zusammenkünfte einmal im Monat, außer in den Semesterferien im Juli und im August, in der Regel statt – mit immer wechselnden Themen.
Heike Hofmann, Leiterin des Schliebener Sozialamtes, weiß, was beliebt und gefragt ist und deshalb ankommt: zum Beispiel regelmäßige Dia-Ton-Vorträge, die die weite Welt nach Schlieben bringen, die Fragestunde mit dem Amtsdirektor, Themen rund um Gesundheit und Fitbleiben. „Die Senioren sind ein rühriges und dankbares Publikum“, begründet sie das Engagement des Amtes in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat. Gemeinsam werden die Veranstaltungen vorbereitet und durchgeführt. „Demnächst gibt es auch mal eine Schulung für ältere Verkehrsteilnehmer, und in der Vorweihnachtszeit wollen wir zum gemeinsamen Backen mit Kindern des städtischen Horts einladen“, blickt sie in die nahe Zukunft.
Doch erst einmal wird zum Auftakt des neuen Semesters das Projekt „Leben und Wohnen im Alter“ vorgestellt. Nachdem man bereits in Falkenberg und Schönewalde daran arbeitet, will Amtsdirektor Andreas Polz es auch im Schliebener Land voranbringen. Schon in der nächsten Sitzung des Amtsausschusses im Oktober sollen sich die Vertreter des Gremiums dazu positionieren. Polz und Hofmann hoffen auf ein deutliches „Ja, wir machen das!“.
Dabei steht die Schliebener Bürgermeisterin Cornelia Schülzchen dem Vorhaben noch skeptisch gegenüber. „Wir sind doch gut aufgestellt“, sagt sie mit Blick auf den gegründeten Pflegekreis und auf das immer stärker werdende Engagement von DRK und AWO vor Ort. „Das mag wohl für Schlieben gelten, aber auch für die umliegenden kleineren Dörfer?“, stellt Sabine Palm-Reppel, die in Schönewalde einen erst kürzlich gegründeten Pflegekreis leitet und koordiniert und als Pflegemanagerin des DRK-Kreisverbandes Lausitz für den Elbe-Elster-Kreis zuständig und damit eine ausgesprochene Fachfrau ist, in den Raum.
Diskussionen, die Anne-Marie Gundermann von der Stabsstelle Sozialplanung und Daseinsvorsorge beim Landkreis und Barbara Erjauz, wissenschaftliche Mitarbeiterin der BTU Cottbus, schon mehrfach gehört haben. Beide werben bereits seit längerer Zeit im Landkreis gemeinsam für das Projekt, das durch die BTU eine wissenschaftliche Begleitung erfährt. Werden sie die Leute im Schliebener Land überzeugen können?
„Die machen zum Schluss ja doch, was sie wollen“, bleibt eine Frau in den Zuhörerreihen skeptisch. Dass es so aber genau nicht laufen soll, versuchen Anne-Marie Gundermann, Barbara Erjauz und Heike Hofmann in den Erläuterungen zum Projekt und zum weiteren Vorgehen. Dazu gehört, die Stärken-Schwächen-Analyse (sprich Fragebogenaktion) und das daraus resultierende Auflisten von Schwerpunkten der weiteren Arbeit zu erläutern. „Wir brauchen die Mitarbeit der Senioren in der Stadt Schlieben und in den umliegenden Dörfern, damit wir wissen, wo aus Sicht der älteren Menschen vor Ort der Schuh drückt“, fängt Heike Hofmann in Erwartung der Zustimmung des Amtsausschusses schon einmal an zu werben.
„Ziel soll sein, dass auch älter werdende Menschen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können“, beschreibt Barbara Erjauz und erntet zustimmendes Nicken von fast allen Anwesenden. Aber dazu müssten die Bedingungen vor Ort stimmen. Ist das Wohnumfeld ausreichend barrierefrei? Laufen sich die Gehwege und Straßen mit Rollatoren? Sind Dienstleistungen zu erreichen? Wie steht es um die Parkmöglichkeiten? Ist die Anbindung vom öffentlichen Personennahverkehr ausreichend? Müssen eventuell alternative Mobilitätsangebote entwickelt werden? Wie kann Wohnraum dem Alter angepasst werden, oder werden alternative Wohnformen gewünscht?
Diese und viele weitere Fragen gilt es zum Start des Projekts erst einmal zu beantworten – und zwar von denen, die es aus eigner Erfahrung am besten wissen bzw. einschätzen können: die Damen und Herren der älteren Generation.