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Selig sind die Verrückten

Willkommen in der Familie Gottes! Da ist es egal, woher ein Mensch kommt, seine Abstammung, sein Einkommen, ob Mann oder Frau, homo oder hetero liebend, ob Kind oder Alter. Da werden alle gesellschaftlichen Maßstäbe hinfällig, die Menschen über- oder unterordnen, vereinnahmen oder ausgrenzen.

Mit Jesus beginnt eine familiäre Gemeinschaft, die alle gesellschaftlichen und verwandtschaftlichen Ansprüche relativiert. Seine eigenen Angehörigen sagen von Jesus: "Er ist von Sinnen" (Markus 8,21) als er anfängt öffentlich zu wirken: zu predigen, zu heilen, eine neue geistliche Bewegung und (Tisch-) Gemeinschaft zu gründen. Als es seiner Familie zu bunt wird, wollen sie ihn nach Hause holen.

Doch Jesus lässt sich nicht entmündigen. Er lebt sein eigenes Leben, zu dem er sich von Gott gerufen weiß: Es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu Jesus und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter. (Markus 3,31-35)

Wie jeder junge Erwachsene den Schritt aus dem Elternhaus in sein eigenes Leben schaffen muss, so löst sich auch Jesus von den Ansprüchen seiner Familie und weist sie schroff ab.

Und zugleich trennt er sich auch von den Ansprüchen der Gesellschaft, denn als ältester Sohn wäre er das Familienoberhaupt nach dem Tod des Vaters und hätte für die Familie zu sorgen. Gott allein hat Anspruch auf sein, auf unser Leben - und schenkt uns dafür alle Freiheit.Doch Jesus ist nicht hartherzig - er sorgt für seine alternde Mutter: Kurz bevor er stirbt, gibt er sie in die Verantwortung seines Lieblingsjüngers. Er weiß um Gottes Gebot die Eltern zu ehren, und tut auch hierin Gottes Willen.

Wir sind alle eingeladen in Gottes Familie: Seinen Willen zu tun, bei Ihm geborgen und daheim zu sein. Die Familie Gottes, die Seinen Willen tut, relativiert alle Familienbande, spricht jeglicher Vetternwirtschaft ihr Recht ab, schützt die Kinder und die schöpfungsgemäße Ehe von Mann und Frau, hinterfragt gesellschaftliche Normen kritisch, achtet die Würde eines jeden Menschen und basiert allein auf der Liebe - zu Gott, zum Nächsten wie sich selbst, zum Feind.

Natürlich gibt es auch unter den Jüngerinnen und Jüngern von Jesus immer mal Streit - wie es halt unter Geschwistern zugeht. Doch keiner steht über dem Anderen; jede geht ihren Weg, auf den sie sich von Gott gerufen weiß. Gott allein setzt die "Norm". Und die ist oft ganz anders als unter uns Menschen. Seine Liebe gilt besonders denen, die nicht "normal" sind, die die gesellschaftlichen Normen von Macht, Erfolg, Reichtum und Gesundheit nicht erfüllen.

Jesus wendet sich den Ausgegrenzten besonders zu und lädt sie ein, neu zu leben als Gottes geliebte Kinder.

Der Liedermacher Reinhard Mey singt von ihnen: "Selig die Abgebrochenen, die Verwirrten, die In-sich-Verkrochenen, die Ausgegrenzten, die Gebückten, die An-die-Wand-Gedrückten. Selig sind die Verrückten!"