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| 01:03 Uhr

Selbst Wärmebilder aus der Luft brachten nichts

Schlieben.. Else Wilkniß wagte sich auch gestern kaum vom Telefon weg. „Es kann ja sein, dass die Polizei anruft“ – die 80-Jährige aus Schlieben wartet seit Samstagnachmittag auf ihren Mann Paul. Vergeblich bislang. Die Polizei suchte auch gestern wieder nach dem 82-Jährigen. Von Antje Posern

Am Samstag gegen 14 Uhr radelte Paul Wilkniß wie an vielen anderen Tagen auch zu seinem Garten. Und wie immer bat seine Frau ihn, nicht so spät nach Hause zu kommen, weil es ja recht zeitig dunkel wird. Richtig gut gefiel Else Wilkniß der Ausflug ihres Mannes nicht, denn am Morgen hatte er sich aufgrund seiner Altersdemenz nicht so richtig wohl gefühlt. Abhalten ließ er sich von seinem Vorhaben jedoch nicht.
Dass ihr Paul mal nicht nach Hause kam, nein, das habe es noch nie gegeben. „Manchmal kam er erst im Dunkeln, da habe ich ein bisschen geschimpft“ , erzählt Else Wilkniß weiter. Als er am Samstag gegen 18.30 Uhr immer noch nicht zurück war, habe sie sich große Sorgen gemacht. Ihr Schwager und ihre Schwägerin, die zufällig zu Besuch waren, hätten ihr dann geraten, die Polizei zu benachrichtigen, sagte sie. Zuvor hatten sie jedoch bereits alle schon nach ihrem Mann gesucht. Verwandte aus Wehrhain, Herzberg und selbst eine Nichte aus Finsterwalde hätten mitgeholfen.
Die Polizei in Herzberg startete noch am Samstagabend eine große Suchaktion. Um 19.39 Uhr sei die Vermisstenanzeige telefonisch eingegangen, erklärte Wachleiter Eberhard Urban. Danach sei umgehend die Ehefrau aufgesucht worden, um wichtige Hinweise für die Suche zu erhalten. Da seien Fragen wie zum körperlichen Zustand das Vermissten zu klären, so Urban. „Uns interessiert in solchen Fällen natürlich auch, wie die Person aussieht, was sie an hat oder was sie mit sich führt.“ Natürlich nahmen die Beamten nicht nur ein aktuelles Foto mit, sondern auch Informationen, wo sich Paul Wilkniß für gewöhnlich aufhält bzw. wohin der alte Mann - möglicherweise in einem sehr verwirrten Zustand - unterwegs sein könnte.
„Erster Anlaufpunkt war für uns die Tankstelle in Schlieben, wo er noch gegen 15 Uhr mit seinem roten Damenfahrrad gesehen worden war“ , schildert Eberhard Urban. Die Krankenhäuser wurden abtelefoniert. Noch am Abend wurden die Diensthundeführer in Finsterwalde alarmiert, sodass schließlich 14 Beamte bis in die tiefe Nacht die Gartenanlage, den Friedhof, das Gebiet am Mühlberg, schließlich das gesamte Stadtgebiet von Schlieben, dann auch von Herzberg sowie die Gebiete bis nach Krassig und Kolochau abgesuchten - ohne Ergebnis. Da Paul Wilkniß zuletzt in Hohenbucko beschäftigt war, sei auch diese Strecke abgefahren worden, berichtete der Wachleiter weiter. „Da der Vermisste mit einem Fahrrad unterwegs ist, sind wir zunächst davon ausgegangen, dass er die Hauptwege benutzt.“
Am Sonntag ging die Suche ebenfalls mit Hundeführern und allen verfügbaren Beamten der Herzberge Wache weiter. Jetzt wurde auch der Wald mit einbezogen. Noch in der Nacht war beschlossen worden, den Polizeihubschrauber aus Liebersee anzufordern, der am Sonntagmorgen ab 8 Uhr die Region überflog. „Da sehr viele Pilzsucher in den Wäldern unterwegs waren, hatten wir gehofft, vielleicht von ihnen einen Hinweis zu erhalten. Doch auch dies brachte nichts“ , so Eberhard Urban. Gegen 22 Uhr startete der Hubschrauber erneut zum etwa einstündigen Flug über die Region Schlieben-Kolochau-Werchau-Naundorf - diesmal um Wärmebilder aufzunehmen. Leider änderte das nichts am Ergebnis. Paul Wilkniß blieb weiter verschwunden.
Seit Montag läuft die Suche mit etwa acht Beamten. „Wir wissen nicht so richtig, wo wir ansetzen sollen. Ansonsten hätte ich schon längst eine Hundertschaft angefordert“ , schilderte Wachleiter Urban das Problem dieser Suche. Ein bis zweimal im Jahr komme eine so großer Einsatz im Elbe-Elster-Kreis vor. Dann werde nach Menschen gesucht, die einen Abschiedsbrief hinterlassen haben und suizidgefährdet sind oder aber nach Altersdemenzkranken wie Paul Wilkniß.
Nach der ersten RUNDSCHAU-Veröffentlichung am Montag meldete sich ein Leser bei der Polizei, der glaubte, den Schliebener am Sonntag gegen 9.45 Uhr zwischen Sallgast und Poley gesehen zu haben. „Wir haben noch mal den Hubschrauber über dem gesamten Tagebaugebiet kreisen lassen. Auch das blieb ohne Erfolg“ , so Urban. Gestern waren seine Beamten erneut in der Schliebener Region auf der Suche. „Selbst wenn wir überall schon nachgesehen haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt“ , zeigte sich Urban zuversichtlich. Diese Hoffnung lässt auch Else Wilkniß am Telefon aushalten. Sie glaubt mittlerweile, dass ihr Mann vielleicht verletzt ist.