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| 16:21 Uhr

Segelsport-Militär-Meisterschaften
Die Freiheit der Lüfte

 Bevor die Segler in die Luft gehen, werden die Flugzeuge noch einmal gründlich gereinigt. Dazu gehört auch, dass alle für die Windströmung hinderlichen Kanten abgeklebt werden.
Bevor die Segler in die Luft gehen, werden die Flugzeuge noch einmal gründlich gereinigt. Dazu gehört auch, dass alle für die Windströmung hinderlichen Kanten abgeklebt werden. FOTO: Sven Gückel
Holzdorf. Manch ein Segelsportler sehnt sich nach weit größeren Modellen. Noch bis Sonntag läuft die 19. Internationale militärische Segelflugmeisterschaft. Von Sven Gückel

Noch bis Sonntag kreisen über der Region 59 Segelflugzeuge und ihre Pilotinnen und Piloten, die zum Starterfeld der 19. Internationalen militärischen Segelflugmeisterschaft gehören. Die Bedingungen, darüber sind sich alle Teilnehmer einig, sind erstklassig. Einzig das Wetter ist nicht immer so, wie es sich die Sportler wünschen.

Wenn sich die Teilnehmer der 19. Internationalen militärischen Segelflugmeisterschaft jeden Morgen um zehn Uhr zum Breefing in der Offiziersheimgesellschaft des Bundeswehrstandorts Holzdorf treffen, interessieren sie sich im Besonderen für eines – den aktuellen Wetterbericht. Zweimal musste der Wettkampf wegen aufziehender Gewitter oder möglicher Regenfronten bereits unterbrochen oder abgesagt werden. Die Sportler selbst sind darüber zwar nicht erfreut, nehmen die Situation aber gelassen. „Grundsätzlich ist das Wetter ja gut, weshalb noch reichlich Gelegenheit zum Fliegen besteht”, betont Oberstleutnant Jörg Zinnert, der als Präsident der Bundeswehr-Flugsportvereinigung zugleich auch Wettkampfleiter ist. In letzterer Funktion darf er selbst nicht an der Meisterschaft teilnehmen.

Mit seiner Frau Christine ist der Name Zinnert aber dennoch auf der Teilnehmerliste vertreten. Sie startet mit ihrem Segler in der sogenannten MIX-Klasse, zusammen mit Mario Wichmann. Der nimmt noch bis zum Wettkampfende regelmäßig im Doppelsitzer hinter ihr Platz und genießt den Mitflug in vollen Zügen.

Wichmann ist Vorsitzender des Deutschen Segelflugverbandes, dem aktuell etwa 800 Mitglieder angehören. Insgesamt, schätzt der Mann aus der Eifel ein, gibt es in Deutschland rund 26 000 Segelflugsportler. Noch vor 20 Jahren lag diese Zahl bei 45 000. Um so mehr freut sich Wichmann, dass auch die Bundeswehr viel unternimmt, junge Leute an den Segelsport heranzuführen. „Dieses unglaublich schöne Gefühl, ohne Motor durch die Luft zu segeln, die Welt von oben und die Schönheiten der Natur zu betrachten, ist für jeden Segelflieger ein lebendig gewordener Traum”, umschreibt er seine Empfindungen.

Realisierbar ist dieses Erlebnis für jeden ab 14 Jahre. Ab diesem Alter kann man sich in einem der knapp 700 Vereine und Clubs anmelden, um das Segelfliegen zu erlernen. Eigenverantwortlich und mit dem entsprechenden Luftfahrschein dürfen bereits 16-Jährige dem Vergnügen ungebremsten Raum schenken.

Zu denen, die sich diesen Sport zu eigen gemacht haben, gehört Jan Bischoff aus Wershofen. Der 23-Jährige ist Leutnant der Bundeswehr, studiert in München und steuert seit 2011 Segelflugzeuge. Sein Ziel ist aber ein weitaus größeres Modell. „Ich möchte Transportpilot werden und eines Tages im Cockpit eines A400M Platz nehmen”, blickt er voraus. Die in Holzdorf ausgetragene Meisterschaft, für ihn der erste größere Wettkampf dieser Art, trägt sicherlich dazu bei, das Berufsziel zu erreichen. „Für einen der vorderen Plätze reicht es noch nicht. Aber darum geht es mir auch nicht. Ich will Erfahrungen sammeln und mich als Pilot entwickeln”, fügt Bischoff an.

Neue Erfahrungswerte stehen auch für Christine Zinnert ganz obern auf der Agenda. Immerhin, bekennt sie, sei es ihr hier gelungen, erstmalig über einen längeren Zeitraum einen Schnitt von 100 km/h zu fliegen. Zwar kämen die Besten des Wettkampfes auf Geschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometer pro Stunde, doch die gehören einer anderen Liga an, unterstreicht auch Mario Wichmann.

„Der Osten Deutschlands bietet dem Segelsport perfekte Bedingungen. Angefangen von der Thermik bis hin zur Freiheit im Luftraum”, betont Wichmann. Doch auch die erstklassige Organisation der Meisterschaft sowie das Mitwirken des regionalem Umfeldes, allem voran durch den Städtebund Elbe-Elsteraue, nötigen ihm vollsten Respekt ab. Selbst wenn nicht jeder Teilnehmer zum Kreis der Besten gehören kann, so sind sich alle 59 Piloten doch in einem Punkt einig: Alle wollen sie gesund wieder nach Hause kommen. Ein Unfall mit Todesfolge, wie er vor zwei Jahren geschah, soll und darf sich nicht mehr wiederholen.