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| 02:37 Uhr

Schwere Eisen mit flotten Sprüchen

Horst Däumichen aus Knippelsdorf sammelt Klemmkucheneisen und bringt zu Mariä Lichtmess einige mit zum Klemmkuchenfest nach Kleinrössen.
Horst Däumichen aus Knippelsdorf sammelt Klemmkucheneisen und bringt zu Mariä Lichtmess einige mit zum Klemmkuchenfest nach Kleinrössen. FOTO: Rudow
Kleinrössen. Am 2. Februar findet im Naturschutzzentrum Kleinrössen wieder ein Waffel- und Klemmkuchenfest statt. Vor Ort ist auch erneut Horst Däumichen. Der Knippelsdorfer ist leidenschaftlicher Klemmkucheneisensammler. Birgit Rudow

Traditionell laden die Landfrauen und das Team vom Naturschutzzentrum Kleinrössen in den Winterferien zu Mariä Lichtmess am 2. Februar zu einem gemütlichen Nachmittag bei Waffeln und Klemmkuchen ein. Sie erinnern damit an einen alten Brauch zum Lichtmesstag. Der Klemmkuchen, ein Gebäck aus Mehl, Butter, Zucker, und Eiern, gehört zu den regionalen Spezialitäten des Flämings in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die flämischen Einwanderer haben diese Mehlspeise in den Osten Deutschlands gebracht. Noch heute wird sie zum Beispiel bei größeren Familienfeiern und besonders zur Fastnacht nach traditioneller Art im Klemmkucheneisen auf offener Flamme gebacken. Klemmkucheneisen gehören durchaus zum Kulturgut der Region.

Im Naturschutzzentrum werden am Donnerstag ab 14 Uhr wieder Klemmkuchen nach verschiedenen Rezepten gebacken. Für die Kinder errichten die Frauen der "Kreativkiste" eine Bastelstube ein.

Wer alte Klemmkucheneisen besitzt, der kann sie einfach mitbringen und selbst eigene Klemmkuchen backen, fordert das Team des Naturschutzzentrums auf. Horst Däumichen aus Knippelsdorf lässt sich das nicht zweimal sagen. Er ist leidenschaftlicher Klemmkucheneisensammler und hat im vergangenen Jahr zum Klemmkuchenfest in Kleinrössen sogar zwei Eisen erworben. 59 Eisen befinden sich jetzt in seinem Besitz. Das älteste stammt aus dem Jahr 1755.

Zehn bis 15 Eisen will er zum Fest in Kleinrössen mitbringen und den neugierigen Besuchern zeigen. Darunter ist ein Zimteisen. Diese Art stammt aus Bayern und Hessen und ist etwas kleiner als die hiesigen Eisen. Auch ein Oblateneisen wird Horst Däumichen dabeihaben. Diese Eisen seien nicht so tief geschmiedet, erläutert er.

Was aber fast allen Eisen eigen ist, sind eingeschmiedete Verzierungen wie Blumen oder Herzen, die Initialen vom Schmied und Sprüche. "Es gibt Segnungssprüche, Sinnessprüche, Sprüche zur Hochzeit, Schenkungssprüche, Lebensweisheiten, Wunschsprüche, kirchliche Sprüche oder sogar Rezepte", erklärt Horst Däumichen. So ist auf seinen Eisen unter anderem zu lesen: "Aus Milch und Mehl bin ich gemacht. Wer mich nicht isst, der mich veracht" oder "Wer will gut Kuchen essen, der darf Speck und Zucker nicht vergessen". Die Sprüche wurden zumeist gleich mit den Eisen in Auftrag gegeben. "Ihr Inhalt war vor allem abhängig von dem Grund, aus dem das Eisen verschenkt wurde", sagt er. Es lohnt sich also, am Donnerstag in Kleinrössen auch einmal auf die Sprüche der Klemmkucheneisen zu schauen.

Zum Thema:
Zu Donnerstag lädt auch das Bauernmuseum Lindena (Dorfstraße 19, Schönborn Ortsteil Lindena) zum Klemmkuchenfest zu Lichtmess ein. Los geht es um 14 Uhr. Neben dem traditionellen, eiswaffelähnlichen Klemmkuchen gibt es Kaffee, Glühwein und weitere Leckereien. Auch für Unterhaltung wird gesorgt. Anmeldung unter Tel. 035326 98110 oder 0174 2173185.