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| 11:47 Uhr

Seltene Gäste
Schweizer Piloten zaubern tolle Luftshow an Holzdorfer Himmel

Nach etwa einer Stunde Aufenthalt in Holzdorf machten sich die 40 Jahre alten Maschinen des Typs Tiger F5E weiter auf den Weg nach Polen.
Nach etwa einer Stunde Aufenthalt in Holzdorf machten sich die 40 Jahre alten Maschinen des Typs Tiger F5E weiter auf den Weg nach Polen. FOTO: Sven Gückel
Holzdorf. Patrouille Suisse besucht bei Kurzstopp die Bundes­wehr. Am Montag wird Holzdorf noch mal angeflogen. Von Sven Gückel

Seltene Gäste schwebten am Donnerstagvormittag über dem Fliegerhorst Holzdorf ein. Sieben Maschinen der Patrouille Suisse, einer Kunstflugstaffel der Schweizer Luftwaffe, kamen aus der Schweiz und waren auf dem Weg nach Polen. In Radom nehmen die Schweizer am Wochenende mit ihren rot-weiß lackierten Maschinen des Typs Tiger F5 E an den Feierlichkeiten aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der polnischen Luftwaffe teil.

Vor der Landung machten die Schweizer mit einer kleinen Luftshow den Holzdorfern ihre Aufwartung. Am Boden wurden sie dann durch die Bundeswehr betankt, während Schweizer Techniker die Maschinen warteten. „Wer hier fliegt, gehört zu den besten Piloten der Schweiz“, betonte Staffelkommandant Oberstleutnant Nils Hämmerli. Auf einen der begehrten Plätze könne man sich aber nicht einfach bewerben, dafür werde man nach intensiver Beobachtung auserwählt, ergänzte er. Ein Punktesystem entscheidet, wem diese spezielle Ehre zuteil wird. Ausgebildet wurden alle zur Staffel gehörenden Piloten über mehrere Jahre in der Schweizer Luftwaffe – finaler Schlusspunkt war dabei die Lizenz für die F 18, einen hochmodernen Kampfjet. Anders als in anderen Ländern, die über eine nationale Kunstflugstaffel verfügen, erachten sich die Schweizer als semiprofessionell. Die Einheit, die es seit 1964 gibt, fliegt etwa 15 Shows im Jahr, so ihr Kommandant. Außerhalb dieser Zeit dienen die Maschinen als „Aggressor“ für fingierte Luftkämpfe mit der F 18, ziehen beim Flakschießen zur Zieldarstellung einen Schleppsack hinter sich her oder messen im Auftrag wissenschaftlicher Forschung die Werte von Radioaktivität in großer Höhe.

Wenn die Patrouille Suisse in der Öffentlichkeit ihr Können zeigt, dann gehen auch die Piloten an die Grenze des Machbaren. Je nach Übung werden dabei Geschwindigkeiten von 300 bis 1000 Kilometer in der Stunde erreicht. Einen Looping etwa drehen die Maschinen bei 900 km/h. Der Abstand zwischen jeder F5 E beträgt bei den Vorführungen keine zwei Meter. Höchste Konzentration ist deshalb von allen Beteiligten gefordert.

Doch die inzwischen 40 Jahre alten Maschinen sind nach Aussage Hämmerlis sehr zuverlässig und seit 1978 für die Staffel im Einsatz. Um das fliegerische Niveau, das man selbst an sich stellt, zu erreichen, werden die Piloten jedes Jahr im April zu einem Training zusammengezogen. Über mehrere Wochen wird bis zu dreimal täglich geübt, zeigen ältere Piloten dem jüngeren Nachwuchs, worauf es ankommt. „In dieser Zeit werden Rohdiamanten geschliffen“, betonte Nils Hämmerli mit einem Augenzwinkern. Geflogen werden die Shows schließlich von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Besonders stolz ist man in der Schweiz darauf, weltweit die einzige nationale Kunstflugstaffel zu sein, deren Maschinen einen Nachbrenner haben. Stetes Fliegen an der Grenze zum Überschall gehört für sie damit zum Alltag.

Schon am Montag um 12.30 Uhr werden die Maschinen erneut in Holzdorf erwartet. Abermals zum Tanken, dann vor dem Weiterflug in die Schweiz. Gut möglich, dass die Patrouille Suisse wiederum mit einem Kunstflugmanöver einschwebt.