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| 01:41 Uhr

Schwarzbunte Raritäten

Fasziniert von diesem kolossalen Zuchtbullen waren ganz offensichtlich auch die Knirpse der Kita Gräfendorf.Vor allem die Gastgeber der Agrargenossenschaft Gräfendorf, im Bild Anlagenleiter Marco Hartmann, durften sich über mehrere Auszeichnungen für ihre Tiere freuen.
Fasziniert von diesem kolossalen Zuchtbullen waren ganz offensichtlich auch die Knirpse der Kita Gräfendorf.Vor allem die Gastgeber der Agrargenossenschaft Gräfendorf, im Bild Anlagenleiter Marco Hartmann, durften sich über mehrere Auszeichnungen für ihre Tiere freuen. FOTO: Fotos: Sven Gückel
Das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind (DSN) steht nur noch selten in deutschen Ställen. Hochleistungsrassen haben den ursprünglichen Rindertyp des norddeutschen Tieflands verdrängt. In einigen Agrarbetrieben wird das DSN-Rind trotz wirtschaftlicher Nachteile noch gehalten: Sie bilden eine „Genreserve“ zum Erhalt der Rasse. Gestern präsentierten diese Betriebe in Gräfendorf ihre Rinder auf einer Tierschau und blickten auf 35 Jahre Zuchtarbeit zurück. Von Karsten Bär

Über dem Schaugelände gehen Freitagvormittag kräftige Schauer nieder. „Das Wetter ist einwandfrei“ , zeigt sich Hansgeorg Löwe unbekümmert. „Gut für Kühe - die mögen es eher kühl - und gut für uns Landwirte“ . Nach wochenlanger Trockenheit kommt dem Vorsitzenden der Agrargenossenschaft Gräfendorf der Niederschlag gerade recht. Auch wenn es nicht eben die besten Bedingungen für eine bundesweit offene Schau von Rindern der Rasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (DSN) sind.
Acht Agrarbetriebe - vier aus Brandenburg, drei aus Niedersachsen und einer aus Hessen - stellen in Gräfendorf 80 Rinder aus. „Das ist schon beträchtlich“ , sagt Cornelia Buchholz, Leiterin Fleischrindzucht bei der RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH, einem Unternehmen des Rin-derzuchtverbandes Berlin-Brandenburg. Der Herdbuchbestand in Brandenburg umfasse 1485 Tiere. „Mit knapp 800 Rindern steht hier in Gräfendorf der größte Einzelbestand in ganz Deutschland“ , betont Cornelia Buchholz. Weil sie weniger Milch geben als modernere Rassen werden die Schwarzbunten Niederungsrinder heute kaum noch gehalten.
Die Verdrängung zeichnete sich schon vor Jahrzehnten ab. Anfang der 70er-Jahre wurde deshalb in sieben Agrarbetrieben des Altkreises Herzberg eine lebende Genreserve an DSN-Rindern gebildet. Nach der Wende stellte sich für sie allerdings die Frage, auf wirtschaftlichere Rassen, etwa das milchleistungsstarke Holstein-Rind, umzusteigen. „Wir haben unseren Bestand gehalten, das ist bei uns so gewachsen, und wir haben mit dem Rinderzuchtverband Berlin-Brandenburg einen guten Partner, der uns unterstützt“ , sagt Hansgeorg Löwe, dessen Betrieb keine andere Rasse für die Milchproduktion einsetzt. Möglich ist dies allerdings nur, weil das Land Brandenburg und die Europäische Region den Erhalt vom Aussterben bedrohter Haustierrassen fördern. „Die durchschnittliche Milchleistung der Schwarzbunten liegt um bis zu 2000 Liter unter der von Holsteinrindern“ , verdeutlicht Hansgeorg Löwe. Zwar könne man mit der Mast der Bullenkälber etwas höhere Erlöse erzielen, da das DSN-Rind fülliger ist und über mehr Fleischbesatz verfügt. „Aber ohne die Förderung würde es nicht gehen.“ Idealismus sei eben auch dabei.
Dass man einen eigentlich überkommenen Rindertyp erhält, hat trotz der Nachteile einen guten Grund: Die Schwarzbunten sind robust und verfügen über eine gute Fitness, ihre Milch enthält zudem mehr Fett und Eiweiß. „Die Nachfrage an Zuchttieren ist gut“ , ist der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft Gräfendorf zufrieden. Schwarzbunte werden in andere Rassen eingekreuzt, um bestimmte Körper- und Leistungsmerkmale zu verbessern.
Das kann Bernard Zwaferink nur bestätigen. Der Leiter einer irischen Rinderbesamungsstation war als Preisrichter zur Schau eingeladen worden und informierte die Gäste der Veranstaltung über Zuchtschwerpunkte in seiner Heimat. Die „Friesians“ , wie die Schwarzbunten auf der Insel genannt werden, werden dort häufig zur Zucht eingesetzt. Ihre Vorteile seien Grundlage für die gewinnbringende Produktion von Milch.

Einladung Heute Hoftag
 In der Agrargenossenschaft Gräfendorf findet heute ab 13 Uhr auf dem Betriebsgelände in Gräfendorf ein Hoftag statt. Interessierte sind herzlich eingeladen.