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Schwarzbunte auf dem Laufsteg

Wer besonders schmucke Rinder sehen möchte, der muss am Freitag nach Gräfendorf kommen.
Wer besonders schmucke Rinder sehen möchte, der muss am Freitag nach Gräfendorf kommen. FOTO: Countrypixel/fotolia
Gräfendorf. Ein etwas seltsames Schauspiel bietet sich dem Beobachter in diesen Tagen auf dem Gelände der Agrargenossenschaft in Gräfendorf. Zwei Rinder laufen stundenlang, geführt von jeweils einem Mitarbeiter, hinter einem Traktor her. Birgit Rudow

Kenner wissen allerdings sofort: Hier werden Tiere für eine Tierschau vorbereitet. Und genau so ist es. Am Freitag findet in Gräfendorf eine große Ausstellung der Rasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind (DSN) statt, und da wollen die Gräfendorfer schließlich gut abschneiden. "Die Tiere sind es natürlich nicht gewohnt, geführt zu werden. Das muss man lange üben", erklärt der Leiter der Genossenschaft Michael Jänsch.

Alle fünf Jahre organisieren die RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg GmbH und der Verein Genreserve Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind eine solche Schau. Der Verein unterstützt den Erhalt der Urform aller schwarzbunten Rinder, deren Verdrängungsprozess in Mittel- und Nordeuropa in den 1960er-Jahren eingesetzt hat, als aus ökonomischen Gründen in Westdeutschland nordamerikanische Friesian eingekreuzt wurden. 1972 haben Tierzuchtgüter in Kölsa und Lebusa und einige LPGen im Altkreis Herzberg den staatlichen Auftrag erhalten, eine Genreserve des Schwarzbunten Niederungsrindes mit etwa 4000 Kühen einzurichten, um die Reinzucht zu erhalten, so Michael Jänsch. Nach der Wende hat sich der Bestand reduziert. Der Süden Brandenburgs ist aber noch heute die Hochburg dieser Rasse. Hier stehen 1500 der etwa 2000 Milchkühe. Die Agrargenossenschaft Gräfendorf ist innerhalb des Vereins Genreserve Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind der Betrieb mit der größten Population und deshalb am Freitag auch wieder Gastgeber der Ausstellung, bei der die Tiere gesichtet und die besten am Ende der Sichtung prämiert werden.

"Die Rasse verändert sich natürlich. Deshalb haben der RBB und der Verein die Zuchtziele in Bezug auf Größe, Leistung oder Gewicht überarbeitet und neu definiert", erklärt Jänsch. An der Schau nehmen elf Aussteller teil. Zwei Öko-Produzenten, fünf aus den alten Bundesländern und vier aus Brandenburg. "Wir haben auch internationale Gäste aus Irland, England und Holland, die sich für die Zucht interessieren. Vor allem mit den Iren kooperieren wir sehr gut", sagt Genossenschaftschef Michael Jänsch.

Auf der bundesoffenen DSN-Schau stellen sich Schaukühe, Bullennachzuchten, Dauerleistungskühe, Zuchtbullen, Verkaufsfärsen und Mastbullen den kritischen Augen der Juroren. Die Veranstaltung ist aber nicht nur etwas für Fachleute. Die Besucher können sich eine Landtechnikausstellung anschauen und eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Genreserve. "Die RBB unterhält ein Rindermuseum mit alten Unterlagen. Die sind Freitag bei uns zu sehen. Züchterfamilien und Züchterdynastien haben sie zur Verfügung gestellt. Ich hoffe, die Besucher interessieren sich dafür", so Jänsch.

Die Veranstaltung in Gräfendorf beginnt am Freitagvormittag um 9.30 Uhr und dauert bis etwa 12.30 Uhr. Für die Stärkung von Ausstellern und Gästen gibt es auch Rind am Spieß.

Bei der Schau 2013 wurde der Zuchtbulle Berko von der Agrargenossenschaft Gräfendorf, der von Reiner Dondorf präsentiert wurde, prämiert.
Bei der Schau 2013 wurde der Zuchtbulle Berko von der Agrargenossenschaft Gräfendorf, der von Reiner Dondorf präsentiert wurde, prämiert. FOTO: ru