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| 19:37 Uhr

Schuldebatte in Uebigau
Die „Freie Schule“ bleibt hartes Diskussionsthema in Uebigau

Unter der Moderation von Ralf Jußen (M.)  haben Christin Heidrich und Nadin Kramer (v.l.) vom Lenka-Verein, aber auch Bürgermeister Andreas Claus  bei der Podiumsdiskussion in Uebigau viele Fragen an Brandenburgs Bildungs-Staatssekretär Dr. Thomas Drescher (2.v.r.).
Unter der Moderation von Ralf Jußen (M.)  haben Christin Heidrich und Nadin Kramer (v.l.) vom Lenka-Verein, aber auch Bürgermeister Andreas Claus  bei der Podiumsdiskussion in Uebigau viele Fragen an Brandenburgs Bildungs-Staatssekretär Dr. Thomas Drescher (2.v.r.). FOTO: LR / Rico Meißner
Uebigau.. Die Antworten von Bildungs-Staatssekretär Thomas Drescher stellen die Bürger nicht zufrieden. Der Lenka-Verein will weiterkämpfen und weiß Kurstadtregion im Rücken. Von Rico Meißner

Das dies keine einfache Diskussion werden würde, war allen Beteiligten schon vor Beginn klar, denn der Frust sitzt tief in der Stadt. Der Frust über die wiederholte Ablehnung aus Potsdam, eine freie Schule in Uebigau zu genehmigen. Aus diesem Grund hatte der Verein „Glückskinder Uebigau e.V.“ unter dem Motto „Vereint für eine freie Schule Uebigau“ am Samstag zu einer Podiumsdiskussion geladen, um konkrete Antworten zu erhalten.

Neben anderen  Vertretern der Politik war Brandenburgs Bildungsstaatssekretär Dr. Thomas Drescher gekommen. Unter der Moderation von Ralf Jußen und großem öffentlichen Interesse musste er sich zu einer Entscheidung, die auf so viel Unverständnis stößt, äußern. Ihm gegenüber standen unter anderem Christin Heidrich und Nadin Kramer vom Lenka-Verein, dem Träger der potentiellen freien Schule, der gegen den Ablehnungsbescheid mittlerweile gerichtlich in Widerspruch gegangen ist. „Das Konzept ist schlüssig, finanzielle Unterstützung ist gegeben und nicht nur Uebigau, sondern die gesamte Kurstadtregion steht hinter dem Projekt. Woran also scheitert es?“ So ließe sich die Grundfrage zusammenfassen, zu der sich Thomas Drescher äußern sollte.

Das Konzept sei erlaubt gewesen, bis es im Juni auf einmal als nicht mehr genehmigungsfähig eingestuft worden sei. „Ein Sinneswandel in ein paar Monaten, warum?“, so Ralf Jußen. „Wir befinden uns in einem laufenden Klageverfahren, aus diesem Grund kann ich öffentlich keine einzelnen Beweggründe nennen“, lautete die Antwort des Staatssekretärs. Dafür erntete er eine Menge Unmut bei den Zuschauern. Der wurde noch größer, als er eine Genehmigung für 2019 bereits jetzt als praktisch aussichtslos darstellte. Die Landtagsabgeordnete Iris Schülzke konterte scharf: „Wo sind wir eigentlich hingekommen? Wir haben eine engagierte Stadt mit vielen Kindern, und dann muss man darum betteln, dass man eine Schule eröffnen darf?“ Alle Teilnehmer der Diskussion machten wiederholt deutlich, dass eine freie Schule nicht als Konkurrenz zu staatlichen Einrichtungen gesehen wird.

Das Interesse an der Diskussion zu einer freien Schule in Uebigau war groß, sowohl von Einwohnern der Stadt, als auch von Seiten der Politik.
Das Interesse an der Diskussion zu einer freien Schule in Uebigau war groß, sowohl von Einwohnern der Stadt, als auch von Seiten der Politik. FOTO: LR / Rico Meißner

Und genau dazu widersprach sich Thomas Drescher. Der Grund der Ablehnung liege offiziell darin, dass die Eignung des Lehrpersonals angezweifelt werde. „Für dieses anspruchsvolle Projekt müsste schon fast jeder Lehrer sonderpädagogische Kompetenzen haben“, so der Mann aus Potsdam später. Gerade bei Grundschulen liege die Messlatte sehr hoch. Auf der Bühne allerdings verwies er noch darauf, dass nicht einmal alle Klassen an den staatlichen Schulen der Region entsprechend der Norm gefüllt seien und forderte mehr kommunalpolitische Anstrengungen. Prompt erhielt er darauf die Antwort von Christin Heidrich: „Also scheint es doch nicht unser Konzept und Personal zu sein, was der Genehmigung im Wege steht.“ Auch Dreschers viele Verweise auf Datenschutz und Klageverfahren kamen als Antworten nicht gut an. Rainer Genilke (CDU) meinte, „ein Klageverfahren sein kein Busch, hinter den man sich zurückziehen könne“.

Bürgermeister Andreas Claus indes hofft noch. „Wir wollen die Fronten nicht verhärten. Warum wäre eine Genehmigung mit Auflagen nicht denkbar?“ Auch sein Amtskollege aus Falkenberg, Herold Quick, befürwortet eine Eröffnung der Schule. „Das wäre ein weiterer positiver Mosaikstein für die Kurstadtregion.“ Er habe Respekt für die Courage der Uebigauer, die sich so intensiv für das Projekt einsetzen.

Ortsvorsteher Ulrich Jachmann zeigte sich nach dem Gespräch enttäuscht. „Viele Bürger konnten keine Frage stellen, genau das haben sie sich aber gewünscht. Immerhin, entscheidend sind doch die Leute, die hier sitzen und stehen.“ Auf jeden Fall wolle Nadin Kramer nicht resignieren, ebenso wenig wie der Lenka-Verein. Sie ist sich sicher: „Wir kämpfen weiter .“