Die letzten vier Wochen hat er im Spreewald gewohnt und gearbeitet.

Laurent Golon arbeitet gern mit Objekten vor Ort. Unbearbeitetes Holz aus dem Spreewald, aber auch Blechdosen oder Elektroschrott: Golon mag Elemente menschlicher Aktivitäten. "Ich lasse sehr oft Materialien von der Umgebung, in der ich mich befinde, in meine Arbeit einfließen", sagt der Franzose.

Die derzeitige Umgebung ist für Golon seit mehr als vier Wochen der Spreewald. Der 50-Jährige hat sein Wohn- und Arbeitsumfeld in die Umgebung um Lübben verlagert. Das hat es in der Geschichte der Aquamediale, die Samstag in Goyatz am Leichhardt-Ufer beginnt, noch nie gegeben. Golon ist somit erster "Artist in Residence", Künstler vor Ort. "Für mich ist das ein Ortswechsel raus aus der Pariser Hektik und hinein in den ruhigen Spreewald."

Aufgewachsen ist Golon im Norden Frankreichs. Parallelen zur Landschaft im Spreewald sind ihm gleich aufgefallen. "Sowohl in Nordfrankreich als auch im Spreewald gibt es sumpfige Landschaften", sagt der drahtige Mann mit dem schulterlangen, grauen Haar.

Daheim arbeitet Golon überwiegend nachts, wenn die Geräuschkulisse der Millionen-Metropole abgeklungen ist. Dann kann er seine Kunst hören. Es ist die Mischung aus Form, Bewegung und Ton, die das Wesen seiner Kunstform ausmache. "Manchmal zerstöre ich alte Maschinen, um Teile von ihnen weiterzuverwenden", erläutert Golon seine Philosophie. Er selbst nennt die Basis seiner Darbietungen "primitive Kunst", die wenig aussagt. Durch die Bearbeitung der veralteten Technologien und die verschiedenen Interpretationsansätze der Betrachter werden die dargestellten Objekte plötzlich zum klangvollen Leben erweckt. "Ich untersuche meine Materialien auf Klangpotential und gebe ihnen dann eine Stimme." Eine Stimme, die beschützt werden will, wie an seinen Aufbauten am Ufer der Hauptspree in Lübben deutlich wird. Holzpfähle, die er extra nach oben aufgetürmt hat, finden in der Höhe Schutz. "Ich nenne das auch vertikale Kunst in horizontaler Landschaft, wie man sie im Spreewald vorfindet", sagt der Künstler. Als Vorbild dienten ihm Hochstände und oberirdische Bohranlagen.

Einige Schritte weiter findet der Betrachter abgeschirmte Drähte und Blechdosen, die dem Wind trotzen. Die ganze Szenerie noch mit Drähten und computerbasierter Motorenmusik kombiniert, lässt erahnen, was Golon ab Samstag für eine Soundinstallation plant: eine Verschmelzung von Klang und Material. Töne, die in einem Oratorium der Technik münden, dessen "Instrumente" Golon mühsam zusammengesucht hat. Der Franzose, der Schrottherzen einen Beat gibt.

Seit etwa 20 Jahren ist er im Soundbereich tätig. Die Liebe zur elektronischen Musik hat er durch Einflüsse der Gruppe Kraftwerk und Künstler der Avantgarde entfaltet. "Für Golon ist diese Ausstellung hier seine erste Arbeit im öffentlichen Raum", sagt Kurator Christian Gracza über den Franzosen. Gewöhnlich arbeitet er im stillen Kämmerlein. Gracza hat den Künstler bewegt, nach Lübben zu kommen, beide kennen sich schon länger. "Ich würde Golon als zerstreuten Typen beschreiben", so Gracza.

Der Franzose ist derweil mit dem Aufbau fast fertig geworden. Einige Details fehlen ihm aber noch. "Ich muss nochmal los, ab in den Baumarkt", sagt Golon. Um seiner Klangmischung noch Material beizufügen. Die Ergebnisse seines Einkaufs werden die Besucher ab Samstag an der Spree bestaunen können.

Zum Thema:
Samstag, 8. Juni, 19 Uhr, Goyatz, Leichhardt-Ufer: Vernissage; 21 Uhr, Goyatz, Leichhardt-Ufer: Konzert der australischen Musikerin Kat Frankie; Sonntag, 9. Juni, 11 Uhr, Lübben (Hafen 1): Kunstspaziergang mit dem Kurator; 15 Uhr, Lübben (Hafen 2): Geführte Tour durch das Ausstellungsareal mit dem Kurator; Samstag, 15. Juni, 21 Uhr, Landgut Pretschen: Aufführung des Theaterstücks "Der zerbrochene Krug" von Kleist; 13. Juli: Midisage