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Schreibfehler vermasselt eine große Chance

Autsch! Das Eszett ist an der Brücke klein geschrieben.
Autsch! Das Eszett ist an der Brücke klein geschrieben. FOTO: Kristin Richter
Großenhain. Die Bauleute an der Eisenbahnbrücke Großraschützer Straße haben in dieser Woche damit begonnen, die Schalung für den Stahlbeton abzumachen. Dabei lüfteten sie auch das Geheimnis um den Schriftzug über der Durchfahrt. Jörg Richter

In großen Lettern steht dort "Willkommen in Großenhain". - Ein Gruß an alle Besucher, die auf der S 40 in die Stadt hineinfahren. Alle Buchstaben des Grußes sind groß geschrieben. Alle, bis auf das kleine Eszett im Stadtnamen. Das ist nach deutscher Rechtschreibung nicht nur ein Schreibfehler, sondern leider auch eine verpasste Chance für die Stadt.

Dessen Bauamtsleiter Tilo Hönicke hatte vor nicht allzu langer Zeit durchblicken lassen, dass das Eszett in "Großenhain" groß geschrieben sei. Ein Novum. Denn erst Ende Juni hatte der Rat für deutsche Rechtschreibung den Großbuchstaben Eszett vorgestellt und neben der allgemein üblichen Schreibweise mit Doppel-S zugelassen. Das Eszett an der Brücke sollte das erste große Eszett an einem sächsischen Bauwerk sein. Ist es aber nicht. Deutlich ist zu erkennen, dass es sich um einen Kleinbuchstaben handelt. "Das ärgert mich wahnsinnig", sagt Hönicke. "Wir hatten das mit der Firma extra noch besprochen." Er vermutet, dass in der Hektik dieser Wunsch der Stadtverwaltung untergegangen ist. Wahrscheinlich ist auch, dass die Firma in der Kürze der Zeit noch keine detaillierte Vorlage des neuen Buchstabens besaß. Das große Eszett ist nicht nur breiter als das kleine Eszett, es hat auch in der oberen Rundung eine Art Zacke.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hatte Ende Juni ein neues Regelwerk mit Änderungen herausgebracht. Dazu gehört auch der Großbuchstabe Eszett. Der Rat kommt damit dem Trend zur Schreibweise in Versalien nach. Der Ärger um die verpasste Chance, Großenhain zum Vorreiter des großen Eszetts zu machen, ist bei Hönicke aber schnell wieder verflogen. "Das ist kein Beinbruch, das steck ich weg und gut", sagt er.