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| 01:04 Uhr

Schönheitskur für Herzberger alte Dame

Herzberg.. Ein größerer Aufwand, als es erste Planungen vorsahen, war vonnöten, um das Wohn- und Geschäftshaus in der Herzberger Torgauer Straße Nummer 8 zu sanieren. Sven Gückel

Das Gebäude, das nach dem letzten großen Stadtbrand 1723 wiedererrichtet wurde, war ursprünglich nur für eine Neugestaltung der Fassade auserkoren worden. Bei ersten Untersuchungen wurde jedoch durch Fachleute festgestellt, dass sich der Zustand des Hauses mehr als desolat erwies. „Was eine Schönheitskorrektur werden sollte, endete in einer Komplettsanierung“ , umschreibt Sabine Endemann die Bausituation. Sie ist Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Elsteraue mbH, der dieses Gebäude wie weitere nahezu 1400 Wohnungen im Elbe-Elster-Kreis gehört.
Nach Aussage Sabine Endemanns bestand nach dem Urteil von Fachleuten akute Einsturzgefahr am Gebäude. Eventuelle Schneemassen auf dem Dach oder orkanartige Böen, wie sie in den vergangenen Wochen keine Seltenheit waren, hätten für die Passanten vor dem Innenstadtgebäude reichlich Gefahr bedeuten können. Die Ursachen dafür waren vielschichtig. Zum einen war die Holzdachkonstruktion so marode, dass bereits die Sparren an wichtigen Stellen mit Brüchen versehen waren. Zum anderen verursachte nicht nur ein 1984 vorgenommener Anbau in der Wohnung des Obergeschosses erhebliche Bauschäden durch unsachgemäße Eingriffe an der Statik, so die Geschäftsführerin weiter. „Über mehrere Epochen wurde am Bauwerk gearbeitet, ohne dass ein effektiver Zusammenhang erkennbar gewesen wäre.“ Die tiefgründige Untersuchung der Bausubstanz deckte nach und nach weitere Mängel auf. So wurden letztlich auch die instabilen Decken einem Rückbau unterzogen, die zudem den aktuellen Brandschutznormen in keiner Weise mehr gerecht geworden sind.
Vom Ausmaß der Schäden überrascht und dem daraus folgenden schnellen Handeln überzeugt, zeigte sich auch die Stadt Herzberg. Kurzzeitig wurde durch den Stadtrat daher einem Antrag der Gesellschaft auf Städtebauförderung zugestimmt. Diese Förderung ermöglichte 45 Prozent, etwa 45 000 Euro, der Baukosten an Fenstern, Türen, Fassade und Dach mitzutragen. Insgesamt beliefen sich die Baukosten für das komplette Objekt auf 176 000 Euro. Die Arbeiten, welche Mitte Januar begonnen wurden, konnten termingerecht in den vergangenen Tagen abgeschlossen werden.
Mit der Freigabe hielt auch Elke Adlers Textilfachgeschäft für Damenbekleidung am angestammten Platz wieder Einzug. Seit elf Jahren befindet sich ihr Fachgeschäft in der Torgauer Straße 8, nur während der Bauzeit musste sie kurzfristig umsiedeln. Auf einen Nachmieter wartet hingegen noch die Zweiraumwohnung im oberen Teil des historischen Wohnhauses. „Die Wohnung ist wunderschön angelegt und bietet einen fantastischen Altstadtblick“ , zeigt sich Sabine Endemann begeistert. 70 Quadratmeter Wohnraum beherbergen ein ausgesprochen großes Wohnzimmer, eine Küche mit Durchreiche und ein modern eingerichtetes, gefliestes Bad. Für Alleinstehende oder Pärchen sei diese Wohnung geradezu ideal, so die Geschäftsführerin. Daher sei sie fest überzeugt, dass der gegenwärtig noch leere Wohnraum bald einer Nutzung zugeführt werden könne.
Abschließend kann Sabine Endemann ein positives Fazit der Sanierungsarbeiten ziehen. Nicht zuletzt deshalb, weil der Herzberger Innenstadtbereich wieder um einen weiteren positiven Blickfang reicher geworden ist.