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Schönewalder diskutieren bei LR vor Ort

Schönewalde. Der Mittwochabend in Schönewalde hat es gezeigt: Kinderfreundlich darf sich die Stadt durchaus schon nennen, am "Seniorenfreundlich" muss sie noch arbeiten. Sylvia Kunze

Wer es von den Besuchern der "LR vor Ort"-Runde in Schönewalde noch nicht gesehen hat, kann sich jetzt davon überzeugen: Der gesamte Schulkomplex ist rund umerneuert. Hier dürfte Lernen Spaß machen. Und damit nicht genug. Auch in die Kindertagesstätten der Stadt wird kräftig investiert. Bürgermeister Michael Stawski zählt auf: rund 600 000 Euro in Ahlsdorf, rund 200 000 Euro in Schönewalde, rund 850 000 Euro in Dubro - immer mit Fördermitteln untersetzt. Und auch Knippelsdorf ist fest avisiert. Ab 2019 soll es dort losgehen. "Wir sehen dem Termin schon erwartungsfroh entgegen", bekräftigt Simone Grulich, Leiterin der Knippelsdorfer Kita. Und auch Silke Becker, Leiterin der Dubroer Einrichtung, kann den schon deutlich näherliegenden Baustart kaum noch erwarten. "Alle freuen sich, dass die Kita mitten im Dorf bleibt. Wir müssen zwar mit den größeren Kindern während der Bauphase in der Seniorenbegegnungsstätte ganz schön zusammenrücken, aber das werden wir schaffen", ist sie rundum optimistisch.

Nicht nur der Bürgermeister selbst sieht damit die Weichen für die Betreuung der Kinder - übrigens nicht nur der aus der Stadt Schönewalde, sondern auch aus angrenzenden Gemeinden des Teltow-Fläming-Kreises - durchaus gut gestellt. Dass man nach TF schaue, begründet er mit der Sicherung des Schulstandortes. "Die Stadt lebt und fällt mit der Schule", ist er überzeugt. Und weil man nicht zeitig genug die Kinder bzw. deren Eltern Richtung Schönewalde orientieren könne, sei die Knippelsdorfer Kita als "Außenposten" immens wichtig, bekräftigt Stawski und will entsprechendes städtisches Engagement folgen lassen. Endlich habe man ein Förderprogramm gefunden, mit dem man auch in Knippelsdorf investieren und städtische Eigenmittel um ein Vielfaches aufstocken könne, berichtet er. Allerdings müssten andere Vorhaben in der Stadt dann erst einmal zurückstehen, denn alles in allem sind die Stadtfinanzen noch immer nicht üppig zu nennen.

"Müssen die Schönewalder eben auf ein Ü 65-Programm hoffen", wirft Rundschau-Redakteurin Birgit Rudow, Moderatorin an diesem Abend, scherzhaft ein. Allerdings ist nicht jedem der älteren Gäste bei dem Einwurf zum Lachen. Selbst Bürgermeister Michael Stawski gesteht ein, dass in Sachen Seniorenarbeit gut und gerne noch eine Schippe draufgelegt werden könne, denn auf die Frage, ob denn die Stadt ebenso wie kinderfreundlich auch seniorenfreundlich sei, antwortet er mit einem "Jein".

Und so kommt dann auch gleich von Christel Fielschke aus Wiepersdorf der Einwurf: "Wir hätten gern eine Begegnungsstätte. Für jedes Treffen 70 Euro Nutzungsgebühr im Gemeinderaum zahlen, das geht nicht." "Dabei sind die 70 Euro noch nicht einmal kostendeckend", macht die Schönewalder Hauptamtsleiterin Christiane Knese darauf aufmerksam, dass es ja nicht allein nur um die Nutzung, sondern auch um anfallende Betriebskosten gehe. Aber: Für gemeinnützige Veranstaltungen gebe es Rabatt, erläutert sie, schickt jedoch gleich hinterher: "Ganz unentgeltlich wird es nicht."

Wie es auch gehen kann, verdeutlicht Gisela Röhrborn aus Schönewalde. Die Rentnerin begrüßt einmal in der Woche vier andere Damen in ihrer Wohnung. "Erst trinken wir Kaffee, dann werden die Rommékarten ausgepackt. Das geht von halb Vier bis halb Acht", berichtet sie.

"Und wer derartigen Platz nicht hat, kann ja auch mal bei Vereinen nachfragen, die eigene Räume haben, zum Beispiel bei uns Schützen", macht Gudrun Donath aufmerksam.

Doch wie steht es eigentlich um den Platzbedarf? Was wünschen Schönewalder Senioren für ihre Stadt? Was vermissen sie? Wo brauchen sie eventuell auch Hilfe? Diese und andere Fragen sind Teil einer gestarteten Umfrage in Schönewalde. Auf die Antworten warten nicht nur die Entscheidungsträger im Rathaus, sondern auch die Vorsitzende der Schönewalder Seniorengruppe, Renate Rziha. Sie kündigt an, dass in den nächsten Tagen Leute unterwegs sein werden, die die Senioren ansprechen, ihnen den Hintergrund der Umfrage erklären und gegebenenfalls beim Ausfüllen des Fragebogens helfen. "Wer nicht will, muss nicht mitmachen. Aber eine große Beteiligung wäre schon schön", sagt sie.

Das kann Sabine Palm-Reppel, die in Schönewalde einen erst kürzlich gegründeten Pflegekreis leitet und koordiniert, nur bekräftigen. Schließlich zeigen die Antworten den künftigen städtischen Handlungsbedarf auf. Die Umfrage solle unter anderem zeigen, welche Angebote hinsichtlich Heimplätzen, Tagespflege, Betreutem Wohnen oder Senioren-Wohngemeinschaften gefragt seien. "Die Umfrage lässt uns Probleme erkennen, damit wir darauf reagieren können", ist sie von der Richtigkeit des eingeschlagenen Wegs überzeugt.

Weitere Themen, die kurz angeschnitten werden, sind zum Beispiel Probleme beim öffentlichen Personennahverkehr (Verbindungen an Wochenenden und in den Ferien) und fehlende Kleinkultur-Angebote. Außerdem geht es um einen Jugendclub und die Parksituation. Dazu berichten wir noch.