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| 05:56 Uhr

Visionär im Elbe-Elster-Kreis: Steffen Modrach
Schloss Lilllliput ist ihm noch nicht genug

Das Schloss Lilllliput in Naundorf in einer 360-Grad-Ansicht. Millionen Einzelteile hat der Schlossherr Steffen Modrach seit 2000 dort verbaut. Der Link zum Panorama befindet sich am Ende des Textes.
Das Schloss Lilllliput in Naundorf in einer 360-Grad-Ansicht. Millionen Einzelteile hat der Schlossherr Steffen Modrach seit 2000 dort verbaut. Der Link zum Panorama befindet sich am Ende des Textes. FOTO: Frank Hilbert
Naundorf. Steffen Modrach hat bereits ein Haus – und was für eins! Es ist der Hingucker im kleinen beschaulichen Naundorf im Elbe-Elster-Kreis. Schloss Lilllliput nennt er es. Doch nun will er ein weiteres Haus bauen, damit sein Vorbild Hundertwasser komplettieren – und sein Schloss verschenken. Von Frank Hilbert

.„Ich habe von 2008 bis 2009 in der Grünen Zitadelle, einem Hundertwasser-Haus in Magdeburg, gewohnt. Dort bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass Hundertwasser seine Visionen nicht ganz erfüllen konnte, was heute eigentlich keiner so richtig weiß. Und zwar, die Umwelt zu schützen und die Welt sozialer zu machen in einem“, sagt Steffen Modrach, der den Künstler Friedensreich Hundertwasser sein Vorbild nennt.

Lilllliput und ein Schlossherr mit Visionen FOTO: Frank Hilbert

Und daher wolle er das nun machen. Er wolle aber keinesfalls Hundertwasser kopieren oder verbessern – eher vervollständigen. „Irgendwo muss man damit doch anfangen“, betont der Visionär. Und so habe er einige Modelle von „Häusern für die Zukunft“ entworfen und gebaut. Eines davon will er in der Region Wirklichkeit werden lassen. Es sei gewiss kein gewöhnliches Haus, räumt Modrach ein.

„Die Summe aller Kleinteile ergibt hier das Ganze. Es soll im Meer von rationellen Häusern eine Oase für die Menschlichkeit und die Natur sein. Es soll die Sehnsucht der Menschen nach Romantik verwirklichen“, erklärt der Schöpfer des Gebäudes, das er im RUNDSCHAU-Video genauer vorstellt. Auch, warum es in der Mitte ein „Loch“ hat. Das Haus habe Vorbildwirkung. Hier werde man anhalten, um zu staunen, zu schauen und vor allen Dingen, um zu lernen. Modrach hat es bereits mit seinem Schloss Lillliput, für das er anfangs von so manchem Zeitgenossen belächelt wurde, vorgemacht.

Der Schlossherr Steffen Modrach präsentiert sich seinen Besuchern recht wandelbar. Eine Führung von ihm über sein Grundstück bleibt aufgrund seiner ganz besonderen Art unvergessen. Inzwischen kommen die Gäste fast täglich.
Der Schlossherr Steffen Modrach präsentiert sich seinen Besuchern recht wandelbar. Eine Führung von ihm über sein Grundstück bleibt aufgrund seiner ganz besonderen Art unvergessen. Inzwischen kommen die Gäste fast täglich. FOTO: Frank Hilbert

Seit 2000 baut er an diesem Kleinod. Steffen Modrach nennt sein Schloss „Lilllliput“ mit Betonung auf die vier „l“ in der Mitte des Wortes, die für Laune, Lust, Leidenschaft und Liebe stünden. Fassade und Hofgebäude bestehen aus mehr als zwei Millionen Einzelteilen und täglich werden es mehr, sagt Steffen Modrach, der als Schlossherr inzwischen fast jeden Tag interessierte Besucher durch sein „Reich“ führt und ihnen wortgewandt und kurzweilig das Gesehene erklärt. Seit einem RUNDSCHAU-Bericht und einem Video im Mai 2017 geben sich bei ihm auch Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Jetzt will der Hausbesitzer sein Anwesen verschenken. An wen und warum, verrät er im Video.

Inzwischen hält er abends in der Lilllliput-Küche für vier bis fünf Personen auch Vorträge über seine Art der Architektur. Nicht nur, um dabei über seine Visionen zu sprechen, sondern auch, weil es an der Zeit sei, „vor der Auskältung unserer Wohnkultur durch das allzu starke Dominieren von Architekten zu warnen, die während des Studiums von ihren Professoren in Korsetts gepresst wurden und nur noch in Schemata, Uniformen, hässlichen Kästen und steifen Linien denken können“. Ein streitbare These, für die er sich selbst mächtig ins Zeug legt.

So habe er sämtliche Botschaften in Deutschland auf der Suche nach Interessenten für seine Häuser-Visionen angeschrieben. Drei hätten ihm geantwortet, davon hätten ihn zwei eingeladen – und für eine Botschaft wiederum, die er nicht nennen möchte, habe er ein Modell bauen dürfen.

Doch wie soll es weitergehen mit seinem Gebäude, das er auch als „Ballonhaus“ bezeichnet, denn man könne dort die „Luft“ rein- oder rauslassen? Soll heißen, die angedachten 55 kleineren Wohnungen plus Gewerberäume könnten auch auf 100 anwachsen oder auf vier schrumpfen – ganz wie es gewünscht werde.

Aber wer soll sich das wünschen – also bauen? Der neue Herzberger Bürgermeister Karsten Eule-Prütz sei schon da gewesen und stünde seiner Idee durchaus aufgeschlossen gegenüber, sagt Steffen Modrach. „Das Haus könnte an jene Stelle in Herzberg gebaut werden, wo einst das Kulturhaus einmal gestanden hat. Also mitten im Zentrum“, schwebt Modrach vor. Auch die Kosten würden weit niedriger sein, als bei einem Hundertwasser-Gebäude. Die 2005 eingeweihte Grüne Zitadelle in Magdeburg hat immerhin 27.1 Millionen Euro gekostet. Möglich sei dies, so der 55-Jährige, durch die Bestandteile seiner neuen Architektur, die er so zusammenfasst: „Die unbedingte Praxistauglichkeit und die Möglichkeit, ein Maximum von Wohn- oder Kultur- und Geschäftsraum auf einem Minimum von Grundfläche zu schaffen, ist Hauptmerkmal dieser Konstruktion.“

Steffen Modrach suche weltweit nach einem Bauherrn, würde aber gern sein Haus in der Region Wirklichkeit werden lassen, da er sehr heimatverbunden sei. Es bleibt also bis dahin Zukunftsmusik? „Auf keinen Fall, das ist Gegenwartsmusik“, betont er.

Fotos vom Schloss Lilllliput unter: lr-online.de/bilder

Hier geht es zu einem 360-Grad-Panorama vom Schloss (Zoom mit Mausrad).