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| 21:02 Uhr

Nur noch wenige Tage bis zur Lese
Schliebener Winzer schwitzen im Weinberg

Qualität geht vor Quantität — so heißt die Devise der Schliebener Weinbauern. Sie „putzen“ deshalb aus, hier im Bild Peter Müller beim Reduzieren der Trauben. Weggenommen wird, wo zu viele Reben an einer Pflanze wachsen und wo Sonnenbrand die Trauben schädigt
Qualität geht vor Quantität — so heißt die Devise der Schliebener Weinbauern. Sie „putzen“ deshalb aus, hier im Bild Peter Müller beim Reduzieren der Trauben. Weggenommen wird, wo zu viele Reben an einer Pflanze wachsen und wo Sonnenbrand die Trauben schädigt FOTO: Dieter Müller
Schlieben. Die Schliebener Winzer schwitzen dafür so manchen Tag im Weinberg. Sie verteilen literweise Wasser und und legen regelmäßig Hand an die reifenden Trauben. Von Sylvia Kunze

Was für eine Hitze. Aber sie schreckt die Schliebener Hobbywinzer auch beim x-ten Einsatz in diesem Jahr auf dem Weinberg nicht ab. Sie haben schließlich reagiert. Statt wie gewohnt um 8 Uhr in der Frühe zu beginnen, starten sie seit einiger Zeit noch eine Stunde früher. „So sind wir wieder zu Hause, wenn die Mittagshitze einsetzt“, begründet Vereinsvorsitzende Anette Engel, warum so mancher in Schlieben noch eine Stunde eher aufsteht, um dann zum Weinberg zu eilen.

Denn Arbeit gibt es dort reichlich. Auch wenn sich die Hobbywinzer eine Beregnung für ihre Weinstöcke zugelegt haben. „Die bewässert ja ungefähr nur ein Drittel der Reihen. Der Rest, und damit der Großteil der Pflanzen, muss per Hand mit Wasser versorgt werden“, berichtet Anette Engel weiter.

Ehemann Wilfried, der die Arbeiten auf dem Weinberg mit plant und koordiniert, weiß, dass in diesem heißen Sommer allein für diese Arbeit viele Stunden zusammengekommen sind. Ungefähr vier Stunden dauere es, einmal ausreichend Nass zu den Rebstöcken zu bringen. Mit einem Schlauch wird durch alle Reihen gegangen, der Zustand der Pflanzen inspiziert und kräftigende Feuchtigkeit zugeführt.

Dabei könnte man doch meinen, dass so viel Aufwand gar nicht nötig sei. Schließlich hängen die Rebstöcke auf dem Langen Berg so voll Trauben wie schon lange nicht mehr. Was Anette Engel nur bestätigen kann, sofort aber geraderückt: „Wir produzieren nicht auf Quantität, sondern auf Qualität.“

Aber wie erreicht man diese Klasse statt Masse? „Mit viel Handarbeit“, entgegnet die Vereinschefin und verweist auf die vielen Helfer im Berg, die sich genau darum kümmern. „Würden wir alle Trauben dranlassen, die in diesem Jahr an den Rebstöcken wachsen, wären die Pflanzen überfordert“, stellt Anette Engel fest.

Also heißt es reduzieren. An jenen Rebstöcken, wo zu viele Trauben wachsen, werden verkümmerte oder nicht so kräftige abgeschnitten, damit die gesamte Kraft der Pflanze in die verbleibenden Beerenfrüchte gelangen kann. Hand wird aber auch dort angelegt, wo sich Sonnenbrand, der in diesem Sommer nicht ausbleibt, breitmacht. Derart geschädigte Trauben werden ebenfalls rausgeschnitten. Immer mit Blick auf beste Qualität, die angestrebt wird.

Die Schliebener Hobbywinzer sind sehr optimistisch, dass da ein hochwertiges Schliebener Tröpfchen 2018 heranreift. Sie gehen aufgrund der vielen Sonnenstunden, die die Trauben in den vergangenen Wochen verwöhnt haben, von einem hohen Zuckergehalt aus. Auf süßen Wein dürfe man deshalb aber dennoch nicht hoffen, schränkt Anette Engel gleich ein. „Wie wollen ja trockenen“, betont sie und verweist darauf, dass man zugleich auf ausreichend Säure baue. Die brauche man für die Spritzigkeit des Weins. Erste Messungen sehen verheißungsvoll aus.

Sie zeigen außerdem auf, dass nicht mehr viel Zeit bleibt. Wie in anderen Weinanbaugebieten Deutschlands wird auch in Schlieben die Weinlese in diesem Jahr deutlich früher als gewohnt beginnen. „Wir werden in ungefähr zwei Wochen anfangen“, prognostiziert die Vereinschefin. Los geht es wie immer mit dem Bacchus. Beim Müller-Thurgau will man wieder auf die Hilfe der Masse bauen und zur öffentlichen Weinlese einladen. Wer immer schon auf diesen Termin wartet, sollte wissen, dass der dann voraussichtlich schon in drei oder vier Wochen stattfinden wird. Wann genau, das wollen die Mitglieder vom Schliebener Verein zur Förderung des historischen Weinbaus natürlich rechtzeitig bekanntgeben.