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| 14:19 Uhr

Aktuell diskutiert
Schlieben will wolfsfreie Zone sein

Schlieben. Stadtverordnete machen mehrheitlich ihre Forderungen an die Landesregierung auf. Von Sylvia Kunze

Eine Initiative des Bauernbundes aufgreifend, haben die Schliebener Stadtverordneten am Dienstagabend in ihrer Sitzung mehrheitlich einem Beschluss zugestimmt, der die Landesregierung auffordert, das Stadtgebiet im Wolfsmanagementplan als wolfsfreie Zone auszuweisen. Begründet wird das Ansinnen mit öffentlichen Interessen: wie Schutz der Bevölkerung, wie Naherholung und Tourismus, wie Weidetierhaltung.

Die Schliebener Stadtverordneten fordern laut Beschluss von der Landesregierung aber noch mehr. Sie wollen, dass sich das Land gegenüber dem Bund einsetzt, dass der strenge Schutz des Wolfes auf europäischer Ebene gelockert wird, weil die Art nicht mehr vom Aussterben bedroht ist. Sie wollen außerdem, dass der Bund sich dafür einsetzt, dass der Wolf mit Jagdzeiten und Abschussquoten ins Jagdrecht aufgenommen wird. Und sie wollen, dass man auf Landesebene schon heute alle zulässigen Mittel ausschöpft, um die Zahl der Wölfe in Brandenburg zu reduzieren.

Diese Forderungen decken sich im Wesentlichen mit denen der Jägerschaft. Dennoch sagt die fraktionslose Landtagsabgeordnete Iris Schülzke, selbst Jägerin und Organisatorin einer Diskussionsrunde am vergangenen Wochenende in Ahlsdorf zum Thema Wolf, mit Bezug auf diesen Schliebener Beschluss: „Das ist Quatsch. Das weckt falsche Erwartungen und geht praktisch gar nicht.“

Der Schliebener Amtsdirektor Andreas Polz (parteilos) hingegen begründet das Vorgehen: „Aber wer keine Forderungen aufmacht, wird nicht gehört.“ Er findet die Initiative des Bauernbundes gut und weiß, dass sich schon einige andere Gemeinden im Land ebenfalls derart positioniert haben. Außerdem soll der Beschluss auch in den anderen Gemeinden des Amtes Schlieben zur Abstimmung vorgelegt werden. Über mehrere Jahre werde inzwischen auf höheren Ebenen über den Wolf diskutiert, „zählbare Erfolge gleich Null. Man kann es auch mal von unten nach oben versuchen. Viel schlimmer wäre es, nichts zu machen.“

Denn, darin sind sich Polz und Schülzke wiederum einig: Die sich stetig vergrößernde Wolfspopulation in Brandenburg führt mehr und mehr zu Problemen. Isegrim „ist in Elbe-Elster flächendeckend und sehr intensiv“ vertreten. Erst in der Diskussionsrunde am Wochenende in Ahlsdorf sei das bestätigt worden. Mehr als 100 Gäste habe man gezählt, „darunter viele junge Leute aus ländlichen Räumen, die wissen wollen, wie es aussieht und weitergeht“, so Iris Schülzke.

Sie ist überzeugt: In Sachen Wolf „überrollt uns ein Problem. ... Dem schnellen Raubtier steht die langsame Politik gegenüber.“ Sie hat massiv zu hören bekommen, dass sich Landwirte allein gelassen fühlen, dass es für Jäger immer schwieriger wird, auf Jagd zu gehen. „Man schützt ein Tier zu Lasten der anderen Tiere“, ärgert sie sich und bekräftigt, dass es nicht darum gehe, den Wolf auszurotten, sondern ihn ins Jagdrecht aufzunehmen – so, dass er Schonzeiten bekomme und ein guter Erhaltungszustand nicht gefährdet werde. Ihr Ansinnen: „Der Wolf muss ein scheues Tier bleiben, das nichts in Ortsbebauungen zu suchen hat.“ Ihr Vorhaben: „Das Thema muss immer wieder angesprochen werden. Es darf nicht dazu kommen, dass der Wolf noch größere Schäden anrichtet und Landwirte verzweifeln.“

Das Thema ansprechen, genau das will Polz mit den Beschlussfassungen erreichen. „Nicht dass es später heißt: Hättet ihr mal was gesagt! Es ist doch nichts schlimmer, als nichts zu machen“, verteidigt der Schliebener Amtsdirektor den eingeschlagenen Weg und hofft, dass sich noch andere Städte und Gemeinden dieser Aktion des Bauernbundes anschließen und ihr entsprechendes Gewicht verleihen. Die Kommalaufsicht sieht jedenfalls keinen Grund, dagegen anzugehen: „Man kann das Land doch zu allem auffordern. Jede Kommune ist formalrechtlich berechtigt, sich zu politischen Fragen zu Wort zu melden“, so Dirk Gebhard.